Management On-demand-Economy: „In fünf Jahren arbeitet jeder Zweite als Selbständiger“

"Die Arbeit wird sich wandeln": Evernote-Strategin Linda Kozlowski zur On-demand-Economy.

"Die Arbeit wird sich wandeln": Evernote-Strategin Linda Kozlowski zur On-demand-Economy.© Evernote

Neue Technologien machen aus der Arbeitswelt eine "On-demand-Economy". Das macht es Freischaffenden leichter, ihre Träume zu erfüllen, sagt Linda Kozlowski von Evernote im impulse-Interview. Auch Firmen hätten Vorteile.

Frau Kozlowski, Sie haben auf der re:publica-Konferenz das Konzept der „On-demand-Economy“ vorgestellt. Was ist damit gemeint?

Der Begriff umschreibt, in welche Richtung sich die Arbeitswelt entwickeln wird. So wie wir schon heute als Konsumenten mit der Sharing Economy vertraut sind, vieles per Knopfdruck erledigen und bestimmte Ressourcen  wie etwa Autos nicht mehr besitzen, sondern punktuell nutzen, so wird sich auch die Arbeit wandeln: weg von vielen Festangestellten, die als Generalisten quasi alles machen, hin zu sehr spezialisierten Freischaffenden, die sich nur projektweise an ein Unternehmen binden.

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Wie schnell wird sich dieser Wandel Ihrer Meinung nach vollziehen?

In den USA ist schon heute jede dritte Arbeitskraft freischaffend, 2020 sollen es bereits 50 Prozent sein. Auf diese Weise können die Leute arbeiten, wann es ihnen passt, und ihr Leben smarter gestalten. Sie stellen Flexibilität über Sicherheit und Stabilität. Da vollzieht sich gerade etwas, was einerseits durch neue Technologie ermöglicht wird, weil wir überall und jederzeit zusammenarbeiten können, andererseits auch getrieben ist durch den Wunsch nach mehr Freiheit und Autonomie. Immer mehr Menschen erfüllen sich ihre eigenen Träume und passen ihre Arbeit ihren Wünschen an.

Tech-Firmen wie Google und Amazon berichten schon heute, dass ihre Angestellten immer kürzer im Unternehmen bleiben.

Statt wie früher 33 Jahre für ein und demselben Arbeitgeber zu schuften, werden es heute eher 33 Monate, bei Start-ups oft noch weniger. Die Menschen erschaffen sich ihre eigene Arbeitswelt – ganz nach ihren Bedürfnissen. Das bringt aus Unternehmenssicht zwar auch Nachteile mit sich, aber man sollte auch die damit einhergehenden Vorteile sehen.

Welche sind das?

Wenn ich mich aus einem riesigen Talente-Pool bedienen kann und für jedes Projekt genau die Spezialisten anheuere, die für die anstehenden Aufgaben am besten geeignet sind, dann erhöhe ich die Qualität der Ergebnisse. Künftig werden Firmen verstärkt mit hoch spezialisierten Selbständigen kooperieren, die ihre Expertise und Arbeitszeit verkaufen, statt riesige eigene Teams zu beschäftigen.  Zudem geben viele Freischaffende in der Regel deutlich mehr als 100 Prozent und liefern Top-Ergebnisse. In größeren Organisationen wird sich dieser Wandel freilich langsamer gestalten: Gewohnheiten ändern sich langsamer als die Technik.

Und wie werden diese Leute künftig miteinander kommunizieren? Im vergangenen Jahr haben Sie bereits das Ende des herkömmlichen Meetings ausgerufen – das ist für viele Firmen aber noch ein ziemlich weiter Weg …

Es hat zweifellos auch seine Vorteile, im Vier-Augen-Gespräch Dinge voranzubringen. Ich glaube aber, dass Meetings künftig viel effizienter sein werden, als sie es heute häufig sind. Neue Technologien für die Arbeitswelt erlauben es uns, überall und jederzeit Informationen mit Kollegen zu teilen. Wenn ich zum Beispiel an etwas arbeite, zeigt mir meine App, welche Kollegen das Feld bereits beackert haben, so dass ich sie gezielt ansprechen kann. Letztlich werden wir künftig alle viel besser vorbereitet in Konferenzen gehen und so Raum und Zeit für die wirklich wichtigen Dinge schaffen. Viel hängt in einer Wissensgesellschaft davon ab, dass das Wissen seinen Weg zu den richtigen Leuten im Unternehmen findet.

Was ist entscheidend für den Umbruch: die neuen Technologien oder der Wunsch der Leute nach mehr Flexibilität im Arbeitsleben?

Ohne die Technik wäre vieles, was heute schon selbstverständlich ist, nicht möglich – etwa das ortsunabhängige Arbeiten oder die steigende Zahl der Solo-Entrepreneure. Eine neue Firma zu gründen war nie so leicht wie heute, weil wir die entsprechenden Tools haben, um alles alleine machen zu können: angefangen von der Buchhaltung bis hin zu neuen digitalen Absatzmärkten.

Wie können gerade kleinere Firmen von diesem Umbruch profitieren?

Ihr Vorteil ist die Schnelligkeit, mit der sie sich an die neuen Bedürfnisse in der Arbeitswelt anpassen können. Diese Wendigkeit macht sie für jene hochspezialisierten Fachkräfte künftig sehr interessant als Auftraggeber – das ist ein klares Plus für kleine Unternehmen gegenüber Konzernen.

Linda Kozlowski leitet von Kalifornien aus die globale Expansion bei Evernote. Die Software für effizientes Arbeiten hat in Deutschland nach eigenen Angaben drei Millionen Nutzer, weltweit sind es mehr 100 Millionen. Kozlowski hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Berufsfeldern Internationales Marketing und Business Development und arbeitete zuvor unter anderem für den chinesischen Handelsriesen Alibaba in Hongkong.

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