Management Online präsent sein: So können Unternehmer vorgehen

Ob sich ein Onlineshop wirklich lohnt, sollte gut überlegt sein.

Ob sich ein Onlineshop wirklich lohnt, sollte gut überlegt sein.© DigiClack - Fotolia.com

Smartphones beherrschen zunehmend unser Einkaufsverhalten und treiben die Verschmelzung von klassischem Ladengeschäft und Onlineshop voran. Wie können Mittelständler den Trend nutzen? Dafür ist eine aufwendige Technik und Logistik erforderlich. Der E-Commerce Professor Dr. Holger Schneider erklärt im impulse-Interview, wie die virtuelle Verlängerung des Ladenlokals gelingt.

2007 hat Steve Jobs das iphone vorgestellt. Innerhalb von acht Jahre haben Smartphones die Art, wie wir kommunizieren und uns informieren grundlegend verändert. Das Mobiltelefon wird in Zukunft noch wichtiger werden, insbesondere großen Einfluss auf unser Einkaufverhalten gewinnen, sagt Holger Schneider von der Fachhochschule Wedel. Der E-Commerce-Experte erklärt im impulse-Interview, was der Trend für Mittelständler bedeutet und wie sie ihn nutzen können.

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Die Welten von Online und Offline wachsen immer stärker zusammen. Stationäre Händler eröffnen Online-Shops, der Internet-Händler Amazon hat jetzt seine erste Filiale eröffnet. Welchen Ratschlag haben Sie für mittelständische Unternehmer?

Schneider: Es ist heute keine Frage mehr, ob man online präsent sein sollte, sondern wie man das Thema angeht. Viele mittelständische Unternehmer wollen einen Webshop, um die sinkenden Umsätze aus dem Ladengeschäft wieder aufzufangen.

Das scheint ja auch naheliegend.

Das Problem ist aber, dass sich viele Unternehmer damit eine neue Baustelle eröffnen, die sie gar nicht unter Kontrolle bekommen. Denn einen Onlineshop aufzubauen und zu betreiben ist nicht trivial. Die Kunden werden nicht alleine den Shop finden und dort einkaufen, es muss Online-Marketing betrieben werden. Einen Onlineshop braucht man deshalb nur, wenn man in der Lage ist, ihn professionell zu betreiben und dafür Kapazitäten zur Verfügung hat.

Wie findet man heraus, ob ein Online-Shop fürs eigene Geschäft sinnvoll ist?

Schneider: Es wird nicht jeder diesen Strukturwandel schaffen können. Bestimmt gibt es stationäre Händler, für die sich ein Onlineshop überhaupt nicht lohnt. Eine genaue Kalkulation ist nötig, bevor man sich verzettelt und in den Onlinehandel einsteigt, von dem man keine Ahnung hat und der im Zweifel noch schneller dazu führt, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Lieber auf die Kernkompetenzen besinnen und durchrechnen, wie ein gesunder Schrumpfungsprozess umgesetzt werden kann.

Das klingt nicht ermutigend.

Vor allem Unternehmen, die Spielwaren, Elektronikartikel, Bücher und andere leicht vergleichbare Artikel anbieten, werden in ihren Kompetenzen durch das Internet bedroht. Bei beratungsintensiven Produkten stehen die Chancen besser, gegen die Online-Konkurrenz durchzuhalten. Schwierig ist es für mittelständische Unternehmen, die genau in der Mitte feststecken. Sie schaffen es nicht die billigen Onlinepreise mitzugeben, es gelingt ihnen aber auch nicht, neue Konzepte auf die Filialen einheitlich zu übertragen.

Welche Wege gibt es dann aus der Misere?

Schneider: Nicht jeder braucht einen eigenen Online-Shop. Auf einer eigenen Homepage können die Öffnungszeiten und das Warensortiment möglichst suchmaschinenoptimiert abgebildet werden, damit man bei Google auch gefunden wird. Es hilft ja nichts, wenn man schöne Produkte im Angebot und gute Öffnungszeiten hat, aber bei einer lokalen Suche nicht gefunden wird. Dabei könnte der Kunde aus dem Nachbarort schnell vorbeigehen und sich das Produkt kaufen. Das ist ein großer Vorteil zum Onlinehandel mit ein bis drei Tagen Lieferzeit.

Dann bleibt das Internet als Vertriebsweg aber weiter unerschlossen.

Eine andere Alternative ist Google Shopping. Wenn Google über verschiedene Schnittstellen das Sortiment, und möglicherweise sogar Preise und Verfügbarkeit mitgeteilt werden, braucht man nicht zwingend einen eigenen Onlineshop. Die Verfügbarkeit in der stationären Filiale wird sogar entsprechend in der Suchergebnisliste ausgelobt und auf einer Karte angezeigt. Im Optimalfall verfügt der Händler über ein Warenwirtschaftssystem, das an das Kassensystem gekoppelt ist. So können die Verfügbarkeitsinformationen automatisch aktualisiert werden.

 

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