Personalauswahl Fünf goldene Regeln für die Mitarbeitersuche

Wenn Sie ein paar Dinge bei der Personalauswahl beherzigen, können Sie Fehlentscheidungen vermeiden.

Wenn Sie ein paar Dinge bei der Personalauswahl beherzigen, können Sie Fehlentscheidungen vermeiden.© Vesna Cvorovic - Fotolia.com

Fehlentscheidungen bei der Personalauswahl sind teuer - und kosten Unternehmen viel Zeit. Wir haben Unternehmer und Experten nach Tipps gefragt, die helfen, Fehlgriffe zu vermeiden.

Wie kann man Fehlgriffe bei der Personalsuche vermeiden? Und was tun, wenn das Bauchgefühl beim Bewerber nicht stimmt? Wir haben uns in unserem Netzwerk umgehört und Experten gefragt, wie sie selbst bei der Personalauswahl vorgehen – und was sie anderen Arbeitgebern raten. Zum Ende der Serie über Vorstellungsgespräche: einige goldene Regeln, die helfen können, Fehlentscheidungen bei der Personalauswahl zu verhindern.

Führen Sie einen Probetag ein!

„Ich frage Bewerber immer, ob Sie sich vorstellen können, in die Zukunft zu investieren – sprich, ob Sie bereit sind, mehrere Tage kostenlos Probe zu arbeiten“, sagt Joachim Wiedmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Baumaschinenunternehmens aus Überlingen am Bodensee. „An der Reaktion der Bewerber stelle ich dann gleich fest, ob der Bewerber bereit ist, in Vorleistung zu gehen. Ich teile den Bewerbern auch mit, dass Sie nach der Probezeit von den Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie zusammengearbeitet haben, anonym bewertet werden. Dabei stelle ich übrigens öfters fest, dass ich den Bewerber beim Vorstellungsgespräch völlig anders einschätzte als die Kollegen, die mit ihm gearbeitet haben. Das Beste, was mir passierte, ist, dass ein Mitarbeiter zu mir kam und sagte ‚Chef, den können wir auf gar keinen Fall einstellen.‘ “

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Auch Goran Barić, Geschäftsführer der Personalberatung PageGroup Deutschland, hat damit gute Erfahrungen gemacht – und rät Unternehmen zu Probetagen für Bewerber: „Das bedeutet sicherlich einen Extra-Aufwand für Unternehmen, aber es zahlt sich aus“, sagt Barić. „Für eine Stunde im Bewerbungsgespräch das Level hochzuhalten und mit einer guten Rhetorik zu überzeugen, mag möglich sein. Wenn Sie einen Bewerber jedoch den ganzen Tag im Unternehmen haben, mit ihm Mittag essen gehen und ihm eine Aufgabe stellen, die später auf ihn zukommt, verfügen Sie über eine Entscheidungsgrundlage mit mehr Substanz.“

Während des Probetags sollten Arbeitgeber versuchen, den Bewerber mit anderen Kollegen und Führungskräften ins Gespräch zu bringen. „So können Sie die verschiedenen Eindrücke am Ende des Tages zusammenführen“, sagt Barić. „Wenn alle unabhängig voneinander ein gutes Gefühl haben und der Kandidat inhaltlich überzeugt hat, dann ist das ein positives Zeichen. Unternehmen profitieren von Probetagen für Bewerber zusätzlich: Sie zeigen, dass sie offen mit ihren Strukturen umgehen und nichts zu verbergen haben.“

Darauf sollten Sie achten: Wie verhält sich der Bewerber? Wie geht er durch die Reihen? Verschließt er sich und senkt den Kopf – oder blickt er nach vorne und grüßt freundlich die Kollegen, die er noch nicht kennt? Geht er auf die Leute zu und stellt sich ihnen vor? Ist er also jemand, der sich schnell ins Team integriert – oder verhält er sich ganzen Tag wie ein Fremdkörper?

Tipp: Verbinden Sie den Probearbeitstag mit dem letzten Gespräch zwischen Bewerber und dem finalem Entscheider.

Achten Sie auf die Körpersprache!

„Unternehmen sollten gezielte und offene Fragen stellen“, rät Barić. „So lässt sich am besten feststellen, ob sich die Antworten mit dem decken, was im Lebenslauf steht oder was der Kandidat bereits am Telefon mitgeteilt hat. Passt seine Körpersprache zu dem, was er gerade erzählt? Oder nicht? Das wäre ein Indiz dafür, dass etwas vorgespielt sein könnte.“

Das Bauchgefühl muss stimmen!

„Selbst wenn der Bewerber vom Anforderungsprofil her perfekt passt, der Bauch aber Nein sagt, heißt das Nein“, sagt Albrecht Müllerschön, Berater und Coach für Personal- und Organisationsentwicklung.

Bitte maximal zu zweit!

Vorstellungsgespräche sollten mit maximal zwei Personen geführt werden. „Es macht keinen Sinn, den Bewerber mit vier oder fünf Kollegen zu interviewen“, sagt Goran Barić, Geschäftsführer der PageGroup Deutschland. „Sie wollen doch, dass der Bewerber frei und offen ist und sich bestmöglich beweisen kann. Mehr als zwei Gesprächspartner schüchtern ein. Sie werden nie die Performance von ihm sehen, die er in einem Normalzustand zu leisten vermag.“

Sagen Sie nett ab!

„Egal wie schlecht das Vorstellungsgespräch am Ende verläuft: Wenn der Kandidat nicht in Frage kommt, sollten Sie immer hoch professionell bleiben und ihm kein schlechtes Gefühl geben“, rät Barić. „In der heutigen Zeit können Bewerber Erfahrungen über Arbeitgeber schnell über soziale Medien verbreiten. Das ist einerseits eine Chance, aber auch ein Risiko, mit der jeder Arbeitgeber ernsthaft und sensibel umgehen muss. Unternehmen können sich schnell ein negatives Arbeitgeberimage einfangen, das sie dann über lange Zeit wieder ausbügeln müssen.“

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