Führungsverhalten Wie Chefs Ihre Führungsqualitäten überschätzen

Wow, bin ich gut. Chefs neigen bei der Einschätzung ihrer Führungsqualitäten zur Selbstüberschätzung.

Wow, bin ich gut. Chefs neigen bei der Einschätzung ihrer Führungsqualitäten zur Selbstüberschätzung.© petr0 / Photocase

80 Prozent der Vorgesetzten sind mit ihrem Führungsverhalten zufrieden. Junge Nachwuchskräfte haben da allerdings eine andere Meinung.

Ein Problem haben Deutschlands Führungskräfte meist nicht: mangelndes Selbstbewusstsein. Mit ihrer Führungskompetenz sind sie zufrieden. Das hat die Initiative Zukunftsfähige Führung (izf) in einer Studie herausgefunden. Das Problem: Ihre jungen Mitarbeiter schätzen die Qualitäten ihrer Chefs deutlich negativer ein.

Im Auftrag des izf befragte das Institut für Demoskopie Allensbach Führungskräfte und Nachwuchskräfte – das heißt Berufstätige mit akademischem Abschluss, die höchstens fünf Jahre berufstätig sind. Neben der Frage, was einen Chef in Zukunft ausmacht, wurden die 278 Chefs und 273 Nachwuchskräfte gefragt, wie sie die heutigen Führungskompetenzen und Verhaltensweisen einschätzen. Das Ergebnis: Viele Chefs überschätzen sich in allen Bereichen.

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80 Prozent der Chefs sind mit sich zufrieden

Zwar sprach die überwiegende Mehrheit der Nachwuchskräfte positiv über die allgemeine Führungskultur: 60 Prozent der Arbeitnehmer sind „im Großen und Ganzen“ mit dem Führungsverhalten ihres direkten Vorgesetzten zufrieden. Aber: Das Selbstbild der Chefs ist noch deutlich positiver. 80 Prozent glauben, einen guten Job zu machen.

Die Studie fragte auch diverse Führungsfähigkeiten ab. Kann der Chef Anerkennung aussprechen? Geht er respektvoll mit Mitarbeitern um? Sind seine Anweisungen klar und verständlich? Ergebnis: Bei 26 der 27 Eigenschaften stellten sich die Chefs ein besseres Zeugnis aus, als sie es von ihren Mitarbeitern bekamen.

Dabei mangelt es den Führungskräften anscheinend nicht an fachlicher Qualifikation. Zwei Drittel der Mitarbeiter finden, dass sich ihr Chef in seinem Metier sehr gut auskennt. Das sehen die Chefs selbst in etwa genauso. Wenn es aber um Kernkompetenzen in der Führungsarbeit geht, gehen Fremd- und Selbstwahrnehmung deutlich auseinander.

Mangelnde Kritikfähigkeit

70 Prozent der Führungskräfte sind etwa der Meinung, dass sie es gegenüber ihren Mitarbeitern gut begründen, wenn sich bei der Arbeit etwas ändert. Aber nur 38 Prozent der Mitarbeiter teilen diese Ansicht.

Auch in Sachen Kritikfähigkeit sind Chefs wohl zu selbstzufrieden. 67 Prozent der Führungskräfte finden, dass sie Kritik gut annehmen. Nur 38 Prozent der jungen Mitarbeiter sehen das genauso. Sie regen sich auch darüber auf, dass ihre Chefs sich nicht an gemachte Absprachen halten. 84 Prozent der Chefs sind hingegen der Meinung, dass es hier kein Problem gibt.

Nur wenige Chefs nutzen digitale Möglichkeiten zur Mitarbeiterführung

Nur in einer einzigen Führungskompetenz beurteilten sich die Führungskräfte negativer, als dies ihre jungen Mitarbeiter taten. Bei der Nutzung digitaler Möglichkeiten zur Mitarbeiterführung stellen sich nur 18 Prozent der Führungskräfte selbst ein gutes Zeugnis aus. Hier sind die Nachwuchskräfte gnädig: 24 Prozent sagen, dass ihre Chefs hier mit der Zeit gehen.

Der Grund für fehlende Führungskompetenzen der Chefs ist zumindest teilweise in fehlender Hilfe bei Führungsfragen zu finden. Die Studie fragte nämlich auch ab, ob es in den befragten Unternehmen und Behörden Leitlinien zur Mitarbeiterführung gebe. Während im öffentlichen Dienst und bei Großbetrieben häufig Regeln für den Umgang mit Mitarbeitern aufgestellt werden, bekommen in Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitern nur 40 Prozent der Chefs eine solche Hilfestellung.

2 Kommentare
  • Frank Schneegans 2. Juni 2016 17:09

    In den Organisationen der Zukunft (Frederic Laloux: Reinventing Organizations siehe hierzu auch [bitte keine Eigenwerbung – die Redaktion]) wird der Anteil an diesen Missverständnissen deutlich weniger, weil die selbstorganisierenden Unternehmen ausgesprochen offenes Feedback leisten und das intensive Bemühen um ein gemeinsames Verständnis erzeugt wird.

  • Wolfram Bernard 31. Mai 2016 11:00

    Was muss ich mir unter „digitale Möglichkeiten zur Mitarbeiterführung“ vorstellen? In den Mitarbeitern implantierte Mikroprozessoren/-empfängern zu deren Fernsteuerung via Smartphone-App?

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