Identifikation mit dem Unternehmen Warum viele Mitarbeiter nur Dienst nach Vorschrift machen

Endlich wieder Montag! Das denkt allerdings nur jeder sechste Beschäftigte - 68 Prozent der befragten Mitarbeiter machen Dienst nach Vorschrift.

Endlich wieder Montag! Das denkt allerdings nur jeder sechste Beschäftigte - 68 Prozent der befragten Mitarbeiter machen Dienst nach Vorschrift. © Marek / Fotolia.com

Wer gern arbeitet, leistet mehr - doch einer Studie zufolge identifizieren sich nur die wenigsten Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen. Den Hauptgrund dafür können Chefs selbst beeinflussen.

Arbeitsbeginn ist morgens um acht, bis zum Feierabend am späten Nachmittag wird routiniert gearbeitet, konform und in fest geregelten Abläufen. Sinnvoll ist nur, was zuvor als sinnvoll definiert wurde – im Zweifel vom Vorgesetzten. Der sieht seine Aufgabe als Führungskraft vor allem darin, die Schwächen und Verfehlungen seiner Mitarbeiter zu benennen und Besserung einzufordern. Anerkennung, Lob und Vertrauen? Selten. Einer neuen Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup zufolge ist ein solches Arbeitsumfeld für die meisten Beschäftigten Alltag – zum Nachteil der Unternehmen.

Zwar ist die Zahl der Mitarbeiter, die den Montag als unumgängliches Übel betrachten und schon am Morgen nichts mehr als den Feierabend herbeisehnen, wieder gesunken: Gut jeder sechste Befragte gibt an, innerlich gekündigt zu haben. 2012 hatte noch jeder vierte Beschäftigte erklärt, keinerlei emotionale Bindung an seinen Arbeitgeber zu haben. Doch auch die Zahl derer, die Feuer und Flamme für ihren Job sind, liegt nur bei 16 Prozent – und 68 Prozent der Befragten machen nach eigener Einschätzung Dienst nach Vorschrift.

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Mitarbeitergespräche gehen oft am Ziel vorbei

Für Studienautor Marco Nink steht und fällt die Begeisterung der Mitarbeiter mit dem Chef. „Je mehr eine Führungskraft auf die Stärken, Erfolge und Ideen seiner Kollegen eingeht, desto positiver sind deren Gefühle für ihren Arbeitsplatz“, sagt Nink. Positive Emotionen wiederum seien eine Voraussetzung dafür, dass Beschäftigte kreativ und innovativ arbeiteten und schließlich bessere Ergebnisse lieferten.

Mitarbeitergespräche verfehlen Ninks Umfrage zufolge jedoch häufig ihr Ziel. Nur etwa jeder fünfte Beschäftigte (22 Prozent) sagte, dass sich seine Leistung nach dem Dialog mit seinem Vorgesetzten nachhaltig verbessert habe. Lediglich rund jeder dritte Befragte (31 Prozent) konnte aus dem Gespräch etwas mitnehmen, das für seine Entwicklung hilfreich war.

Die Gespräche mit dem Vorgesetzten sollten keinen zwanghaften Charakter haben, sagt Karl Brenke. Für den Arbeitsmarktexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin sollten Vorgesetzte ihren Mitarbeitern häufig vermitteln, dass sie gebraucht werden und das Unternehmen auf ihr Können setze. „Häufig werden gerade ältere Kollegen aus Prozessen herausgenommen, sie bekommen keine wichtigen Aufgaben mehr und keine Weiterbildungsangebote“, sagt Brenke. Diese Mitarbeiter verzweifelten: „Sie ziehen sich aus allem zurück.“

Einen Chef gibt es bei Dark Horse nicht

Die Deutsche Bahn etwa setzt beim Thema Arbeitszufriedenheit auf die aktive Einbindung der Beschäftigten. Seit 2012 misst der Konzern die Stimmung der Mitarbeiter alle zwei Jahre in einer weltweiten Umfrage. Die Antworten wurden zuletzt von 180.000 Mitarbeitern in 13.000 Workshops ausgewertet und in konkrete Maßnahmen umgewandelt. „Eine gute Führungskultur bedeutet auch, Mitarbeiter einzubinden und ihre Ideen und Anregungen zu berücksichtigen“, sagt Sigrid Heudorf, die für die Beschäftigungsbedingungen im Konzern verantwortlich ist.

Mit dem traditionellen, hierarchisch organisierten Arbeitssystem gebrochen hat das Berliner Unternehmen Dark Horse. 30 Gründer Mitte 30 entwickeln für Kunden wie die Lufthansa oder SAP neue Produkte und helfen Auftraggebern, Konzepte für neue Arbeit zu entwerfen. Diese testen sie an sich selbst. Einen Chef gibt es nicht, dafür kooperative Zusammenarbeit und radikale Selbstentfaltung: „Jeder kann persönlich entscheiden, wie er sich einbringen möchte“, sagt Mitgründer Christian Beinke.

Für das gute Gefühl und den Spaß an der Arbeit sind alle verantwortlich. „Wir möchten am Anfang der Woche sagen können: „Thank God it’s Monday““, sagt Beinke. Wichtig sei es daher, die Bedürfnisse eines jeden einzelnen zu achten und darauf zu vertrauen, dass jeder seine Stärken da einbringt, wo sie gebraucht werden.

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