Vor- und Nachteile von Jobsharing Lohnt es sich, aus einem Job zwei zu machen?

Wenn sich zwei Mitarbeiter einen Job teilen, müssen sie eng zusammenarbeiten und  gut zueinander passen.

Wenn sich zwei Mitarbeiter einen Job teilen, müssen sie eng zusammenarbeiten und gut zueinander passen.© iStock / Getty Images Plus

Wenn sich zwei Führungskräfte eine Stelle teilen, profitiert auch der Arbeitgeber. Dennoch gibt es Jobsharing bisher nur in wenigen Firmen - und das hat Gründe. Warum Experten das Modell kritisch sehen.

Sich eine Führungsposition samt Personalverantwortung teilen: bei der Stundenzahl, beim Gehalt, den Entscheidungen und den Aufgaben. In vielen Unternehmen hofft man, mit Hilfe von Jobsharing erfolgreiche Mitarbeiter halten zu können, die etwa nach einer Elternzeit weniger arbeiten wollen, ohne ihre Führungsposition aufgeben zu müssen. Mit Erfolg?

„Am Anfang mussten wir viel Aufklärung und Informationsarbeit leisten“, sagt Jana Tepe von der Vermittlungsplattform Tandemploy. „Jetzt merken wir, wie sich der Markt total öffnet dafür.“ Als Grund nennt sie die wachsende Nachfrage nach flexiblen Arbeitsmodellen.

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Im Gegensatz zur Teilzeitquote von nur neun Prozent seien etwa ein Drittel der Jobsharing-Interessenten Männer, berichtet Tepe. „Es sind vor allem Führungspositionen und komplexe Aufgaben, IT-Jobs, Marketing, Beratung – also vor allem Stellen, die bisher als typische Vollzeitjobs gegolten haben, bei denen der Chef die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn man sagt, dass man reduzieren möchte.“

Welche Vorteile Jobsharing für Unternehmen bietet

Für Unternehmer biete Jobsharing viele Vorteile, meint Tepe: Eine höhere Produktivität, eine hohe Eigenmotivation, bei Abwesenheit gebe es keinen Entscheidungsstillstand. Und: Zusammen könnten zwei Bewerber mit unterschiedlichen Talenten tatsächlich die „eierlegende Wollmilchsau“ sein, die in Stellenanzeigen gerne gesucht werde.

Joanna Kolb vom Pharmahersteller Novartis ergänzt weitere Vorzüge: „Wenn sich der eine morgen entschließt, das Unternehmen zu verlassen, habe ich keinen Wissensverlust. Außerdem bekomme ich eine optimale Auslastung, umgedreht aber auch Entlastung, wenn etwa jemand krankheitsbedingt ausfällt oder jemanden pflegen muss.“ Aus eigener Erfahrung fügt sie noch an: „Und man hat zwei Hirne – man tauscht sich aus und findet gemeinsame Ideen.“

Jobsharing hat Experten zufolge aber auch Nachteile: „Das Ganze ist nicht kostenneutral. Wer das glaubt, lebt nicht in der Realität“, betont Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability der Hochschule Ludwigshafen. Damit das Modell funktioniert, reicht es nicht aus, wenn beide Tandem-Partner zusammen 100 Prozent arbeiten. Nötig sind mindestens 10 oder besser 20 Prozent mehr, weil sich die beiden intensiv austauschen müssen, um jederzeit bei allen Projekten auf dem aktuellen Stand zu sein.

Warum Experten Jobsharing kritisch sehen

Auch Holger Bonin, Arbeitsmarktforscher beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, sieht Jobsharing kritisch. „Da ist die ungeklärte Verantwortungsfrage. Was passiert, wenn einer einen Fehler macht? Was ist mit Leistungsprämien? Wie sichert man sich ab, dass der eine nicht ausbaden muss, wenn der andere nicht zuverlässig ist? Was passiert, wenn jemand Geld unterschlägt? Was, wenn jemand entlassen werden muss? Muss der andere dann mitgehen? Wenn man das Modell ernst nimmt, ist das dem Arbeitgeber egal, weil der nur die Stelle bewertet.“

Arbeitgeber würden sich deshalb nur selten auf Jobsharing einlassen – und wenn dann nur, wenn ein wichtiger Mitarbeiter ansonsten mit Kündigung drohe, sagt Rump. „Aber das muss ein Mitarbeiter sein, der diese Stelle perfekt ausfüllt, erfolgskritisches Wissen für diese Stelle und dieses Unternehmen mitbringt und von seiner Persönlichkeit und Loyalität zum Unternehmen passt.“

 


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