Kommunikationsprobleme Wie sich Chefs und Mitarbeiter besser verstehen

Kommunikationsprobleme treten nicht nur auf, wenn sich einer der Gesprächspartner die Ohren zuhält: Immer wieder erschweren Missverständnisse zwischen Chef und Mitarbeitern den Arbeitsalltag.

Kommunikationsprobleme treten nicht nur auf, wenn sich einer der Gesprächspartner die Ohren zuhält: Immer wieder erschweren Missverständnisse zwischen Chef und Mitarbeitern den Arbeitsalltag.© Lucas1989 / photocase.de

Kommunikationsprobleme sorgen für Ärger, Verzögerungen und Stress im Arbeitsalltag. Was Führungskräfte am häufigsten falsch machen - und wie sich Chefs und Mitarbeiter besser verstehen.

impulse: Herr Goes, Missverständnisse zwischen Chef und Mitarbeiter führen oft zu Mehrarbeit und Demotivation. Was kann der Chef tun, damit die Kommunikation besser läuft?

Stefan Goes: Die meisten Menschen glauben, ihre kommunikativen Fähigkeiten verbessern zu können, indem sie lernen, besser zu reden. Es geht aber ums bessere Zuhören: Gute Redner waren zuvor gute Zuhörer. Das lässt sich an kleinen Kindern wunderbar beobachten. Auch sie lernen am besten und am schnellsten durch Zuhören, Beobachten, Nachahmen.

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Wie lässt sich das im Arbeitsalltag praktisch umsetzen?

Je besser eine Führungskraft weiß, wie ihre Mitarbeiter ticken, desto besser kann sie mit jedem einzelnen umgehen und so kommunizieren, dass sich alle bestmöglich verstehen. Herausfinden lässt sich das durch offenes Aussprechen von Vorlieben und Abneigungen oder durch langsames Herantasten. Das funktioniert auf die gleiche Weise, mit der ein Liebespaar intuitiv herausfindet, welche Zärtlichkeiten dem anderen gut gefallen.

Was sollen Chefs und Mitarbeiter tun, die keine Zeit für zärtliches Herantasten haben?

Damit meine ich ja nicht, dass man besonders weich und nachsichtig miteinander redet. Wenn ich in mittelständischen Unternehmen frage, wie sich die Mitarbeiter ihren idealen Chef vorstellen, heißt es meist: Er soll klare Ansagen machen. Man darf allerdings nicht übersehen, dass auch das Führungsverhalten gewissen Moden unterliegt. In den 50er-Jahren hat keiner einen autoritären Chef in Frage gestellt, der den Laden ohne Widerspruch zu dulden auch mal mit lautstarken Anweisungen kommandierte. Heute erwartet die junge Generation der Berufstätigen einen Chef, der respektvoll mit ihnen umgeht – nach dem Motto: „Ich tue, was Du willst, aber ich will es verstehen.“

Und wie kann ein Chef dazu beitragen, dass seine Mitarbeiter ihn verstehen?

Ein Chef, der verstanden werden will, könnte seinen Mitarbeitern zum Beispiel eine Bedienungsanleitung von sich selbst geben. Das setzt natürlich ein Mindestmaß an Selbstkenntnis voraus. Es reicht zu wissen, was man mag und was man nicht mag – um dies den anderen dann mitzuteilen. Etwa eine klare Priorisierung von Themen in Besprechungen. Und eine Abneigung gegen Anrufe morgens um 7 Uhr.

Welche typischen Fehler unterlaufen Führungskräften am häufigsten?

Oft reden sie sehr unpräzise und laden somit geradezu ein zu Missdeutungen. Ein Beispiel: „Ich brauche den Bericht bis Freitag um elf Uhr“, ist besser als die vage Bitte: „Es wäre schön, wenn ich den Bericht noch diese Woche bekommen könnte“. Außerdem sprechen sie viel zu wenig die Gefühle ihrer Mitarbeiter an.

Die Gefühle ansprechen – wie geht das denn?

Wer ein besonderes Engagement von seinen Mitarbeitern erwartet, wer sie begeistern will, darf ihnen nicht mit rationalen Argumenten kommen, sondern muss ein positives Gefühl in ihnen auslösen. Mit den richtigen Schlüsselwörtern kann ich als Führungskraft steuern, in welche Richtung ich meine Leute fühlen lassen will.

Welche Schlüsselwörter könnten das beispielsweise sein?

Bei der Besprechung eines neuen Projekts sollte ein Chef nicht vom Budget sprechen, denn das ist ein fremdsprachlicher Fachausdruck, der schon gewisse Grenzen, eine Beschränkung, in sich trägt. Da kann kein positives Bild im Kopf des Mitarbeiters entstehen. Besser ist es, von den Mitteln zu sprechen, die zur Verfügung stehen. Das ist schönes, anschauliches Deutsch.

Haben Sie noch einen Tipp, wie man die Mitarbeiter bei den Gefühlen packen kann? 

Konkret werden! Will etwa der Chef eines Dachdeckerbetriebs seine Zimmerleute loben, sollte er keine Plattitüde äußern wie „Gute Arbeit, Jungs, weiter so“. Sondern zum Beispiel sagen: „Das ist der beste Dachstuhl, den ich in dieser Gegend seit Jahren gesehen habe.“ Noch besser ist es, wenn er dieses Lob in Gegenwart des Kunden ausspricht.

 

1 Kommentar
  • Nico Weiß 17. Februar 2016 23:18

    Wahre Worte! Vor allem den letzten Absatz finde Ich sehr wichtig.

    Nach dem Motto: „nicht getadelt ist genug gelobt“ verfahren nur Vorgesetzte, doch keine Führungskräfte! Ein gutes Buch zu dem Thema: Dale Carnegie: „Wie man Freunde gewinnt“

    Die Logik hinter dem Lob ist recht simpel:
    Wenn ich meinem Mitarbeiter 100 mal sage was er falsch gemacht hat, entsteht in dessen Kopf das Bild, dass er keine Aufgabe richtig macht und seine Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Das führt zur typischen „Dienst nach Vorschrift“ Einstellung. („Egal was und wie ich es Tue, es ist eh falsch“)

    Wenn ich im Gegenzug meinen Mitarbeiter an der richtigen Stelle Lobe und dies mit positiven Eigenschaften des Mitarbeiters untermauere entstehen gleich mehrere positive Effekte: Einerseits fühlt der Mitarbeiter, dass seine Arbeit und er als Mensch Wertgeschätzt wird und einen wichtigen Beitrag zum Erfolg geleistet hat (und das hat sich der Mitarbeiter auch wirklich verdient, denn seine Arbeit hat einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Projektes geleistet), andererseits möchte Er den zugesprochenen Eigenschaften gerecht werden und wird sich zukünftig noch Intensiver bemühen, den positiven Eindruck des Vorgesetzten zu entsprechen (Psyschologischer Spiegeleffekt). Wichtig: Lob auch wirklich so meinen und nicht nur aussprechen um auch einmal etwas positves gesagt zu haben.

    Ein schönes Beispiel aus meinem Arbeitsalltag im Fahrzeugvermietgeschäft: Ein Fahrer, der hauptsächlich für Fahrzeugauslieferungen und Fahrzeugreinigung zuständig ist wird von der Teilzeitkraft zur Vollzeitkraft befördert. Durch richtiges Lob, Anerkennung und einen wirklich kleinen monetären Anreiz hat dieser es in wenigen Monaten geschafft, ohne jegliche Verkaufsschulungen, Zusatzprodukte wie Haftungsreduzierugen besser an den Kunden zu verkaufen, als das eigentlich dafür Vorgesehene Verkaufspersonal in den Filialen. Resultat: Das Ansehen des Mitarbeiters bei den anderen Fahrern ist gestiegen, er ist nun Verantwortlicher für alle anderen Fahrer und das Filialergebnis hat sich nachhaltig verbessert.

    Ein weiteres starkes Tool: Vertrauen und Verantwortung
    Einem Mitarbeiter dem ich Verantwortung übertrage, dem Vertraue ich als Führungskraft auch. Das spürt der Mitarbeiter sehr deutlich und wird sein Bestes geben, seiner Verantwortung gerecht zu werden. Wahrscheinlich kennt jeder die Art Chef, der Vertriebler, Projektmanager, Einkäufer und Personaler zugleich ist. Doch was vermittelt er damit seinen Mitarbeitern? Nur, dass er Ihnen es nicht zutraut die Aufgabe Allein zu lösen. Das Sprichwort: „Viele Köche verderben den Brei“ beschreibt das Resultat am besten.
    Meine Überzeugung: 95% der Probleme in Unternehmen ist auf mangelhafte Kommunikation (zwischen Mitarbeitern, Vorgesetzten Kunden usw.) zurückzuführen.

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