Minderleister Was tun, wenn Mitarbeiter faul sind?

Ein Minderleister ruht sich auf einem Baum aus.

Wenn ein Mitarbeiter nicht genug Arbeit schafft, kann Faulheit ein Grund sein. Oft steckt aber mehr dahinter. © Nordreisender / photocase.de

Der macht zu wenig! Viele Chefs ärgern sich über Minderleister im eigenen Unternehmen. Was Sie tun können, wenn Ihre Mitarbeiter Leistungsprobleme haben.

In jeder Firma gibt es Mitarbeiter, ohne die es schneller geht. Da erledigen die Kollegen die Aufgabe lieber selbst, als sie erst erklären zu müssen. „Als Minderleister wird ein Arbeitnehmer bezeichnet, der nicht die erwartete Leistung erbringt“, sagt Rechtsanwalt Michael Schreier aus Hamburg. Die Krux an der Sache ist: Ein Mitarbeiter wird gar nicht nach seiner Leistung bezahlt, sondern für die Arbeitszeit, die er der Firma zur Verfügung stellt. „Es gibt immer bessere und schlechtere Mitarbeiter – das ist prinzipiell nicht sanktionsfähig“, sagt Schreier. In der Praxis trennen sich Arbeitgeber und -nehmer in solchen Fällen meist mit einem Aufhebungsvertrag, der scheidende Mitarbeiter bekommt im Gegenzug eine Abfindung.

Unter welchen Bedingung ist eine Kündigung von Minderleistern möglich?

„Eine verhaltensbedingte Kündigung, etwa weil der Kollege bummelt, kann nur sehr schwer ausgesprochen und durchgesetzt werden“, erläutert Schreier. Vor Gericht landen daher meist nur Extremfälle. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat das so formuliert: Der Arbeitnehmer muss tun, was er soll, und zwar so gut, wie er kann. „Vor Gericht müsste der Arbeitgeber zuerst nachweisen, dass die Leistungen des Mitarbeiters objektiv deutlich unter dem Durchschnitt seiner Kollegen liegen“, erläutert Schreier. Der Arbeitnehmer wiederum muss deutlich machen, dass er seine Arbeit nicht gezielt verschleppt. Nur wenn beides zutrifft, eine unterdurchschnittliche Leistung und die individuelle Möglichkeit, mehr zu tun, darf der Arbeitgeber kündigen.

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Viele faule Kollegen glänzen jedoch nicht nur durch Bummelei. Sie verbringen ihre Zeit mit privaten Telefonaten oder surfen im Netz. Das allerdings ist ein Kündigungsgrund: „Wer auf Arbeit private Dinge erledigt, riskiert eine fristlose Kündigung“, warnt Schreier. Allerdings spielt dabei auch die Firmenkultur eine Rolle: Wenn der Arbeitgeber persönliche Telefonate oder das Abrufen der privaten E-Mails bei anderen Mitarbeitern duldet, darf er konsequenterweise keinem seiner Angestellten einen Strick daraus drehen.

Was sind die Gründe für die Leistungsprobleme?

Doch nicht immer muss es bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses kommen. „Viele Fälle eskalieren, weil sie nicht rechtzeitig entdeckt werden“, sagt Hannes Wacker, Gründer des dcp Institute in Hamburg. Der Wirtschaftspsychologe hat in einer Studie untersucht, wie Führungskräfte mit Leistungsproblemen ihrer Mitarbeiter umgehen. Sein Fazit: Ein Chef sollte Probleme frühzeitig ansprechen.

„Ein Leistungsabfall tritt meist dann auf, wenn mehrere Probleme zusammenkommen“, sagt Wacker. Manch ein Mitarbeiter ist inhaltlich überfordert, etwa weil die Stelle nicht zu ihm passt. Andere haben Schwierigkeiten mit den Kollegen oder dem Chef, oder es gibt familiäre oder gesundheitliche Probleme. Der Experte rät daher, genau hinzusehen, wo es wirklich hakt: „Manchmal kommt ein Kollege vor allem nicht mit der IT klar, was dann zu neuen Problemen führt.“

Wie sinnvoll ist eine Abmahnung?

Doch was tun, wenn ein Mitarbeiter dauerhaft schwächelt? „Oft hilft bereits der Schuss vor den Bug, also eine Abmahnung“, sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Schreier. Darin kann der Mitarbeiter aufgefordert werden, seiner persönlichen Leistungsfähigkeit nachzukommen. Eine Abmahnung sei immer schon eine Eskalation, hält Wacker dagegen: „Das kommt oft sehr plötzlich und führt selten zu einer Besserung.“

Wichtig sei es, bereits im Vorfeld das Gespräch zu suchen. „Erfolgreich ist eine Mischung aus Konfrontation und Unterstützung,“ sagt Wacker. „Ausschließlich Druck auszuüben, bringt oft ebenso wenig, wie immer nur Verständnis zu zeigen.“ Oft sei ein Handel hilfreich. Der Chef geht dabei einen Schritt auf seinen Mitarbeiter zu. So ein Deal könne etwa lauten: „Sie müssen vorerst keine Nachtschichten mehr machen, dafür bekommen Sie Ihre privaten Probleme in den Griff.“

Wenn der Chef den Mitarbeiter zu Unrecht kritisiert

Hinzu kommt: Das Etikett „Minderleister“ muss keineswegs zutreffen. Norbert Copray, Gründer der Fairness-Stiftung, weiß das aus der Beratung von Mobbingopfern: „Es gibt täglich Situationen, in denen Mitarbeiter abgekanzelt werden, weil sie angeblich nicht genug Leistung bringen.“ Oft erreichen Führungskräfte damit das Gegenteil von dem, was sie bezwecken: „Wenn der Mitarbeiter das Gefühl hat: ‚Egal, was ich tue, der Kritik werde ich doch nicht gerecht‘, stellt er irgendwann die Bemühungen ein.“

Mitunter macht der Chef auch absichtlich Vorgaben, die nicht in der vorgeschriebenen Zeit erledigt werden können. Die Arbeitnehmer müssen dann Überstunden machen, um die Aufgaben abzuarbeiten.

Der Mitarbeiter selbst kann Impulse setzen und den Chef ansprechen, wenn er sich in eine Ecke gedrängt fühlt. „Da geht es zuerst einmal darum, die Erwartungen zu klären“, sagt Wacker. Was will der Vorgesetzte eigentlich von mir? Reden wir aneinander vorbei? Betroffene sollten über ihre Belastungen mit vertrauten Kollegen oder Führungskräften reden: „Wenn ausgesuchte Kollegen wissen, dass man zum Beispiel einen Angehörigen pflegt, können sie auch unterstützen“, rät der Experte.

Viele Tätigkeiten nimmt die Führungsebene gar nicht erst wahr: „Ein Arbeitnehmer, dem vorgeworfen wird, er leiste zu wenig, sollte seine Arbeit dokumentieren“, rät Schreier daher. Denn wer einmal den Stempel Minderleister erhalten hat, bekommt meist keine Perspektive mehr im Betrieb – selbst wenn er den Kündigungsprozess gewinnt.

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3 Kommentare
  • Charlene Wolff 24. Mai 2016 10:27

    Manchmal liegt die Minderleistung des Mitarbeiters auch am Unternehmen. Beispiel: die Gleitzeit wurde abgeschafft, Wege zum Kunden zur Privatsache erklärt, den Mitarbeitern versucht, variable Gehaltsverträge auszudrücken. Das Unternehmen drängte mit viel Macht, auf Gehälter zu verzichten. Das eingesparte Geld wurde an Manager als Bonus ausgeschüttet, wer sich nicht auf die Variablen Gehälter einließ, bekam 10 Jahre lang keine Gehaltserhöhung mehr. Warum soll der Mitarbeiter sich da noch anstrengen und engagieren?

    • Nikolai Neb 29. Mai 2016 11:55

      Warum soll ein Mitarbeiter sich in einer solchen Situation noch überhaupt engagieren? Ganz einfach. Er soll sich engagieren weil er immer noch in einem solchen Drecksladen angestellt ist und an seinen Arbeitsvertrag, ob dieser gut oder schlecht ist, immer noch gebunden ist! Darum und nicht anders.
      Das erste was ich tue, wenn mir mein Unternehmen inakzeptable Arbeitsbedingungen oder nicht leistungsgerechte Bezahlung aufzudrehen versucht, ist das Umschauen nach einem neuen geeigneterem Unternehmen und bevor ich in der alten Firma mich mit schlechten Leistungen blamiere, gehe ich selber mit erhobenem Haupt und setze damit auch das Zeichen für das Unternehmen, was seine Mitarbeiter zu Unrecht behandelt. Aber bevor ich gehe, arbeite ich noch sogar mit der doppelten Kraft, um meinen Abschied und den Verlust eines fähigen Mitarbeiters für das Unternehmen bemerkbar und schmerzhaft zu machen.
      Und wenn mehrere Mitarbeiter, die ein Kern des Unternehmens bilden und Leistungsträger darin sind, meinem Beispiel folgen, wovon ich auch ausgehe, wenn die von Ihnen geschilderte Situation im Unternehmen auch tatsächlich herrscht, dann wird ein solches Unternehmen unter Umständen einen derartigen Schaden davon tragen, dass es mancheinem Unternehmen dann sogar seine Kundschaft zur Konkurrenz wegläuft, sein Image zerstört ist und seine Umsätze so richtig einbrechen. So soll es in einem Idealfall laufen, wenn ein Unternehmen sein kostbarstes Gut – die Mitarbeiter nicht zu schätzen weiß.

      • Ludger Ketteler 2. Juni 2016 15:22

        Sie überschätzen Sich aber gehörig! Glauben Sie ernsthaft, dass ein solch inkompetenter Unternehmer oder Vorgesetzter Leistung und ableitend daraus den Erfolg oder Mißerfolg des Unternehmens in Zusammenhang setzt.

        Kein Mensch ist für ein Unternehmen nicht ersetzbar. Übrigens setze ich Ihre Selbsteinschätzung und die Selbsteinschätzung eines o.g. Chefs auf ähnlicher Stufe.

        Denken Sie einmal darüber nach.

        Mit freundlichen Grüßen

        LK

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