Mitarbeiter-Verabschiedung So halten Sie die perfekte Abschiedsrede

Sie müssen bei der Verabschiedung eines Mitarbeiters eine Abschiedsrede halten und Ihnen fehlen die Worte? Unsere Tipps helfen dabei.

Sie müssen bei der Verabschiedung eines Mitarbeiters eine Abschiedsrede halten und Ihnen fehlen die Worte? Unsere Tipps helfen dabei.© knallgrün / photocase.de

Die Verabschiedung eines Mitarbeiters steht an? Mit diesen Tipps halten Sie eine Abschiedsrede, die in Erinnerung bleibt. Plus: Wann der Chef um die Rede zum Abschied herumkommt.

Die Frage vorab: Muss ich bei der Verabschiedung wirklich eine Rede halten?

Das kommt auf die Umstände des Abschieds an, findet der professionelle Redenschreiber Wolf Zinn.

Der Mitarbeiter geht in Ruhestand.
Ganz klar: Sie müssen! „War der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin 30 oder gar 40 Jahre in der Firma, dann gehört es sich so, dass der Chef spricht“, sagt Zinn. „Die Abschiedsrede ist für den Mitarbeiter so etwas wie die Bilanz seines Lebenswerks.“

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Drückt sich der Chef vor dieser Pflicht, zeugt das von mangelndem Respekt vor den Mitarbeitern – das sendet ein fatales Signal an die gesamte Belegschaft.

Der Mitarbeiter geht zur Konkurrenz.
Jeder Mitarbeiter, der der Firma lange treu war und gute Leistungen gebracht hat, hat eine Abschiedsrede vom Chef verdient, findet Wolf Zinn. „Dass er gekündigt hat, schmälert seine Verdienste nicht.“

Der Mitarbeiter hat nur kurze Zeit im Unternehmen gearbeitet.
„Wenn jemand nur ein, zwei Jahre im Unternehmen war, braucht der nicht unbedingt eine Abschiedsrede“, findet Zinn. Eine nette Geste ist es trotzdem allemal.

Sie haben dem Mitarbeiter gekündigt oder das Arbeitsverhältnis mit einem Aufhebungsvertrag beendet.
„Wenn alle Bescheid wissen, dass der Mitarbeiter im Groll geht, ist es eine furchtbar peinliche Angelegenheit, wenn in der Abschiedsrede Lobeshymnen geschwungen werden“, sagt Zinn. Daher empfiehlt er, sich unbedingt mit dem ausscheidenden Mitarbeiter abzustimmen und ihn zu fragen, ob er auf einer Abschiedsrede besteht.

Sie kennen den Mitarbeiter gar nicht.
In großen Unternehmen oder auch in Firmen mit verschiedenen Zweigstellen kann es vorkommen, dass der Chef den Verabschiedeten gar nicht persönlich kennt – oder zumindest nie direkte Berührungspunkte mit seiner Arbeit hatte.

Eine kurze Abschiedsrede sollte aber bei langer Betriebszugehörigkeit trotzdem drin sein, findet Zinn: „Im Tenor: Ich hab‘ mir sagen lassen, Sie haben eine tolle Leistung gebracht. Ich wünsche Ihnen für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.“ Danach könne ja der direkte Vorgesetzte übernehmen.

Sie sind am Tag der Verabschiedung nicht im Haus.
Okay, diese Ausrede zählt. Wissen Sie im Voraus, dass Sie nicht im Haus sein werden, sollten Sie sich aber vorher persönlich von Ihrem Mitarbeiter verabschieden.

10 Tipps für eine Abschiedsrede, die in Erinnerung bleibt

1. Sammeln Sie Informationen!
„Eine Abschiedsrede sollte man als Chef nicht aus der Hüfte schießen“, sagt Wolf Zinn. Immerhin sei der Abschied für denjenigen, der geht, „ein ganz wichtiger Tag“. Vor allem, wenn es um eine Verabschiedung in den Ruhestand gehe, sei daher gute Vorbereitung gefragt, rät Zinn – „aus Respekt vor der Person“.

Folgende Fragen sollten Sie beantworten können:

  • Wann ist Ihr Mitarbeiter in die Firma eingetreten?
  • Was sind seine größten Erfolge?
  • Was zeichnet ihn als Mensch aus?
  • An welche Anekdoten wird man sich erinnern?

Hatten Sie selbst wenig Kontakt zum Verabschiedeten, können Sie direkte Kollegen befragen. Wer jahrelang das Büro geteilt oder in derselben Schicht gearbeitet hat, hat sicher was zu erzählen.

2. Haben Sie Mut zur Lücke!
Widerstehen Sie der Versuchung, in der Abschiedsrede den kompletten Lebenslauf Ihres Mitarbeiters runterzurattern. „Todlangweilig“ findet Zinn das: „Das will keiner hören, schon gar nicht der Laudant, denn der weiß ja, wann er eingeschult wurde und Abitur gemacht hat.“ Stattdessen sollten Sie sich auf die wichtigsten Karriereschritte beschränken.

3. Erzählen Sie Geschichten!
Die spannendere Alternative zu Stationen im Lebenslauf sind kleine Anekdoten, empfiehlt Zinn: „Sobald eine Geschichte erzählt wird, passen die Leute auf.“

Mit „Wisst ihr noch …“-Geschichten beziehen Sie auch die anderen Mitarbeiter in die Abschiedsrede mit ein. Das funktioniert sogar, wenn Sie die Ereignisse gar nicht persönlich miterlebt haben, sagt Zinn: „Dann können Sie über Bande spielen: ‚Ich habe mir erzählen lassen …’“.

Ein wenig Nostalgie kommt ohnehin gut an: „War der Mitarbeiter lange im Unternehmen, könnten Sie beispielsweise auch das Eintrittsjahr aufgreifen und einen kleinen Flashback in die Zeit von Schulterpolstern und Modern Talking machen, als es im Unternehmen noch keine Computer gab, sondern Schreibmaschinen.“

4. Fesseln Sie von Beginn an!
Aller Anfang ist schwer – das gilt auch fürs Redenschreiben. Entsprechend verkrampft fallen viele erste Sätze aus. Bei „Wir sind heute hier zusammengekommen, um Herrn Franz Müller in den Ruhestand zu verabschieden“ graust es den professionellen Redenschreiber Wolf Zinn. Sein Rat: „Direkt in die Vollen: Beginnen Sie mit einem Zitat, einem kleinen Gag, einer Anekdote, die vom Verabschiedeten handelt. Dann ist Ihnen die Aufmerksamkeit der Zuhörer sicher.“

Auch Ironie funktioniert und sorgt für einen leichtfüßigen Einstieg in die Abschiedsrede – etwa so: „Es ist ein Naturgesetz, dass man bei der Verabschiedung mehr Lob bekommt als im gesamten Berufsleben. Das, lieber Herr Müller, soll bei Ihrer Verabschiedung nicht anders sein.“

5. Zeigen Sie Gefühle!
„Wehmut, aber auch Freude: Ein Abschied ist ein emotionaler Anlass“, sagt Zinn. Diesen Gefühlen sollten Sie in Ihrer Rede Ausdruck verleihen. Wehmut gilt es jedoch sparsam zu dosieren: Sie halten schließlich keine Grabrede. Eine wohldosierte Prise Humor verhindert, dass es allzu rührselig wird.

Übergroße Nüchternheit allerdings wirkt immer fehl am Platz. „Auf keinen Fall sollten Sie die Abschiedsrede aufbauen wie einen klassischen Fachvortrag – womöglich mit dem Einleitungssatz: Ich möchte Ihnen heute erstens, zweitens, drittens erzählen“, sagt Zinn.

6. Wecken Sie keine schlafenden Hunde!
Darf man in der Abschiedsrede kritische Phasen in der Zusammenarbeit oder schwierige Eigenschaften des Mitarbeiters ansprechen? Bloß nicht, sagt Zinn entschieden: „Das ist ein No-Go.“ Immerhin falle die Rede unter die Kategorie Laudatio.

Ebenso sollte die Rede den Verabschiedeten nicht bloßstellen. Bei der Auswahl der Anekdoten ist daher etwas Feingefühl gefragt: Die Geschichte, wie der Mitarbeiter bei einer Weihnachtsfeier stockbesoffen der Praktikantin an den Hintern gefasst hat, sorgt vielleicht für Erheiterung bei der Belegschaft, lässt aber den ausscheidenden Kollegen peinlich berührt zurück.

Auch bei vermeintlich liebenswerten kleinen Macken rät Zinn zur Vorsicht: „Das geht nur, wenn der Verabschiedete zu der Macke steht und darüber lachen kann.“ Grundsätzlich gelte: „Lieber die positiven Eigenschaften rausstellen“.

7. Zollen Sie Anerkennung!
Jede Abschiedsrede ist zugleich eine Dankesrede: Würdigen Sie die Verdienste Ihres Mitarbeiters, indem Sie seine positiven Eigenschaften und Erfolge herausstellen. Im Idealfall beantwortet Ihre Abschiedsrede die Frage: Was für ein Mensch ist der Verabschiedete und was machte ihn wertvoll für das Unternehmen?

8. Übertreiben Sie’s nicht!
„Schwingt der Chef ganz große Lobeshymnen, kann’s schnell peinlich werden“, sagt Zinn. „Man sollte nicht so tun, als ob das Unternehmen zusammenbricht, wenn der Mitarbeiter geht.“ Denn das sende ein falsches Signal an die Mitarbeiter, die bleiben.

9. Fassen Sie sich kurz!
Wie lang sollte eine Abschiedsrede sein? „Mindestens fünf Minuten und nicht mehr als 15″, nennt Zinn als Faustregel. Alles darüber werde „schnell langweilig“.

10. Werden Sie persönlich!
Am Ende der Rede stehen die besten Wünsche für die Zukunft und den neuen Lebensabschnitt. Hier darf es gern persönlich werden, sagt Zinn – vor allem bei der Verabschiedung in den Ruhestand. „Ist ihr Mitarbeiter leidenschaftlicher Golfer, mag er Pferde, spielt er Fußball?“ Für dieses Hobby hat er künftig mehr Zeit.

Zum Abschluss übergeben Sie das Abschiedsgeschenk. Auch das sollte möglichst individuell sein – „und keine Uhr, die der Mitarbeiter im Ruhestand ja hoffentlich nicht mehr so dringend braucht“. Direkte Kollegen haben sicher Ideen, womit man dem Verabschiedeten eine Freude machen könnte.

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