Motiviert Lob? Wen Lob wirklich motiviert

Daumen hoch

"Toll gemacht, Daumen hoch!" Mit Lob will man andere anspornen. Aber motiviert Lob tatsächlich? Niederländische Wissenschaftler kommen zu einem überraschenden Ergebnis. © suze / photocase.de

Chefs loben Mitarbeiter, um sie zu motivieren. Eine Studie zeigt, dass Anerkennung tatsächlich anspornt - jedoch nicht den Gelobten. Motiviert wird ausgerechnet der Kollege, der daneben steht und leer ausgeht.

Auf den Fußballplatz klopft der Trainer dem besten Spieler anerkennend auf die Schulter. In der Grundschule malt die Lehrerin ein Sternchen unter die Hausaufgaben. „Gut gemacht, weiter so!“, soll das heißen. In einer Firma ist das nichts anderes: Natürlich gibt es dort keine Sternchen, sondern anerkennende Worte. Motivieren soll so ein verbales Schulterklopfen, die Mitarbeiter zu weiteren Top-Leistungen anspornen. Doch so einfach ist das nicht, wie eine Studie der Universität Konstanz zeigt. Sie stellte fest: Lob funktioniert – aber anders, als man es vielleicht erwarten würde. Die Anerkennung motiviert weniger denjenigen, dem sie gilt. Vielmehr fühlen sich andere, die das Lob beobachten, aber selbst leer ausgehen, angespornt.

Wie Lob und Leistung zusammenhängen

Gemeinsam mit Nicky Hoogveld vom Niederländischen „Ministry of Economic Affairs“ hat Nick Zubanov, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Konstanz, 2012 ein Experiment durchgeführt, dessen Ergebnisse jetzt im „Journal of Behavioral and Experimental Economics“ veröffentlicht wurden.

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In dem Experiment beobachteten die Wissenschaftler 300 niederländische Erstsemester-Studenten, die an 15 unterschiedlichen Kursen der Mikroökonomie teilnahmen. Die Studenten wurden aufgeteilt in eine Beobachtungs- und eine Kontrollgruppe. Alle schrieben eine Klausur. Wer in der Beobachtungsgruppe dabei gut abgeschnitten hatte und zu den besten 30 Prozent gehörte, wurde dafür gelobt. Die Lehrenden taten dies offensiv: Sie baten alle Kursteilnehmer um ihre Aufmerksamkeit und sprachen den Studenten ein Kompliment aus. In der Kontrollgruppe wurden die Klausurergebnisse nicht kommentiert, weder positiv noch negativ.

Was passierte bei der nächsten Klausur? Die Studenten, die bei der letzten Klausur zu den Besten gehörten und dafür gelobt wurden, schnitten diesmal keineswegs noch besser ab. Anders sah es bei denjenigen aus, die beim letzten Mal knapp unter den besten 30 Prozent lagen. Bei ihnen war eine deutliche Leistungssteigerung zu beobachten. In der Kontrollgruppe konnte dieser Effekt nicht festgestellt werden.

Mit Lob Normen festlegen

Nick Zubanov erklärt diesen Effekt von Lob mit der Konformitätstheorie. Ihr zufolge wird unser Verhalten durch unser jeweiliges Verständnis der geltenden Normen beeinflusst. Wir werden also von dem Wunsch getrieben, nicht aus dem sozialen Rahmen zu fallen oder zu einer bestimmten Gruppe zu gehören. „Das trifft auch auf die Arbeits- und Universitätswelt zu. Die Leistung der Studierenden wird nicht nur durch den persönlichen Nutzen beeinflusst, wie dem Bestehen einer Prüfung, sondern auch durch die für diese Leistung vermutete Norm gesteuert“, sagt Zubanov.

Im Experiment änderte das Lob also das Verständnis der Norm. Salopp gesagt: Die Studenten, die nicht gelobt wurden, erfuhren, wie sehr man gepriesen wird, wenn man eine gute Leistung bringt – und zu dieser Gruppe der Gepriesenen wollten sie gern dazu gehören. Diejenigen, die gelobt wurden, erfuhren dagegen, dass sie die Norm bereits erfüllen. Sie hatten also keinen Anlass, sich zu verbessern.

Zubanov und seine Kollegen weisen daraufhin, dass es noch andere, stärkere Gründe für eine Leistungssteigerung gebe als die Konformitätstheorie. Dennoch glauben sie an den motivierenden Effekt, den ein Lob haben kann.


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2 Kommentare
  • Peter Spannagl 9. März 2017 14:57

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ein Fachmagazin sollte eigentlich auf dem letzten Stand des Diskussion sein:

    Lob hat noch nie motiviert, wenn überhaupt dann Anerkennung und zwar nach den Regeln des Feedbackgebens, eben deskriptiv.

    Loben tut man einen Hund, nach dem Motto: „Das hat er aber gut/fein…gemacht!“

    In der Studie heißt es ja auch Anerkennung „The power of (no) recognition“ und recognition ist nun mal Anerkennung und nicht Lob (praise).

    Mit besten Grüßen und dem Wunsch nach mehr Differenziertheit!

    Peter Spannagl

    • Verena Bast 10. März 2017 10:33

      Sehr geehrter Herr Spannagl,

      wir beziehen uns in dem Artikel auf eine offizielle Pressemitteilung der Universität Konstanz. Die Mitteilung trägt die Überschrift „Wem nutzt Lob?“. Auch innerhalb der Pressemitteilung ist sowohl von „Lob“ als auch „Anerkennung“ die Rede. Das haben wir in dem Artikel wiedergegeben. In der Studie selbst, die auf Englisch verfasst ist, ist ebenfalls von „praise“ die Rede. „These students did very well“, heißt es dort.

      Aber Sie haben natürlich recht, es gibt einen Unterschied zwischen Lob und Anerkennung.

      Herzliche Grüße aus der Online-Redaktion

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