Personalwechsel Wie Sie neuen Abteilungsleitern das Leben unnötig schwer machen

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Jetzt nicht umfallen! Beim Personalwechsel sollte man klare Entscheidungen treffen, sonst haben es die Nachfolger schwer.

Jetzt nicht umfallen! Beim Personalwechsel sollte man klare Entscheidungen treffen, sonst haben es die Nachfolger schwer.© werti / photocase.de

Sich von langjährigen Kollegen zu trennen ist schwer - selbst wenn sie Fehler gemacht haben. Warum ein harter Schnitt trotzdem besser sein kann, schreibt Unternehmerin Marie-Christine Ostermann.

Klare Verhältnisse zu schaffen, ist eine sehr wichtige Aufgabe in der Personalführung, damit die Mitarbeiter motiviert und effizient arbeiten können. Zu dieser Erkenntnis bin ich schon ganz zu Beginn meiner unternehmerischen Tätigkeit gekommen.

Aber solche Entscheidungen sind keineswegs immer leicht, weder für mich, noch für den Seniorchef, der mit zahlreichen Mitarbeitern viele Jahrzehnte zusammengearbeitet hat. Bei langjährigen Beziehungen ist es manchmal umso schwerer, konsequent zu handeln. Trotzdem führt in der Regel kein Weg daran vorbei.

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Eine Beförderung zur Abteilungsleitung zu bekommen, ist für die betroffene Person natürlich meist eine große Freude und Ehre. So auch in unserem Unternehmen. Allerdings kann so ein Aufstieg auch mit Startschwierigkeiten und Hindernissen verbunden sein, wenn keine klaren Verhältnisse herrschen.

Was ist wichtiger: Vertrauen oder Know-how?

Ein Jahr vor meinem Einstieg in unser Familienunternehmen war ein Mitarbeiter zum Leiter einer Abteilung in unserem Unternehmen berufen worden. Eigentlich ein großer Grund für ihn zur Freude. Belastend war für ihn aber, dass der ehemalige Abteilungsleiter noch da war. Er hatte jahrzehntelang die Abteilung erfolgreich geführt – und dann einen gravierenden Fehler begangen und das Vertrauen der Geschäftsleitung zum großen Teil verloren.

Statt sich von diesem Mitarbeiter zu trennen oder ihn in einen ganz anderen Bereich zu versetzen, wurde er vom Chef der Abteilung zum Stellvertreter heruntergestuft. Denn nach jahrzehntelanger sehr guter Arbeit wollte man sich nicht von diesem Mitarbeiter und seinem Know-how trennen und auch eine Versetzung kam nicht infrage.

Wenn der nötige Abstand fehlt

Die Startvoraussetzungen für den neuen Chef der Abteilung waren somit sehr schwierig. Zum einen war es als ehemaliger Kollege nicht einfach für ihn, die Akzeptanz der anderen Mitarbeiter zu gewinnen. Zumal die Änderung aufgrund des vorgefallenen Fehlers plötzlich kam und nicht langfristig geplant und vorbereitet war.

Wenn man erst viele Jahre der Kollege war, ist es nicht so leicht, dann gleich der Chef zu sein. Der nötige Abstand fehlt. Erschwerend kam zum anderen hinzu, dass die Mitarbeiter natürlich den neuen Stellvertreter immer noch als ersten Mann der Abteilung sahen, weil sie es jahrelang so gewohnt waren und dieser eine starke Führungspersönlichkeit war.

Der jetzige zweite Mann konnte die Situation auch nicht akzeptieren – und versuchte immer wieder, dem neuen Chef der Abteilung das Leben schwer zu machen und ihm zu zeigen, dass er der erfahrenere und kompetentere Chef war. Es war für beide eine nicht zufriedenstellende, energieraubende Situation mit vielen Streitigkeiten und auch für das Personal der gesamten Abteilung war die Sache kompliziert. Die Organisation wurde trotzdem so beibehalten, wegen der so geschätzten langjährigen Erfahrung des zweiten Mannes.

Es kann nur einen Abteilungsleiter geben

Der neue Abteilungsleiter brachte noch nicht viel Führungserfahrung, aber Talent, Kompetenz und Fachwissen mit, um die Abteilung sehr gut zu leiten. Trotzdem war die Konkurrenzsituation insgesamt demotivierend für alle Beteiligten. Nach einigen Monaten kündigte der Stellvertreter schließlich und verließ das Unternehmen.

Erst ab diesem Zeitpunkt konnte der neue Abteilungsleiter den Respekt der Mitarbeiter als Chef in der Abteilung ganz erwerben. Es kam Ruhe in die Abteilung und inzwischen ist der Abteilungsleiter akzeptierter, erfahrender und durchsetzungsstarker Chef in seinem Bereich mit sehr guten Leistungen der gesamten Abteilung.

Personalwechsel braucht Konsequenz

Gelernt haben wir folgendes: Auch nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit muss man mutig klare und konsequente Entscheidungen treffen, wenn unerwartet große Fehler passiert sind. Ein neuer Chef kann am Anfang zwar viel Talent und auch Kompetenz mitbringen, aber nicht immer so viel Führungserfahrung.

Besser und kräftesparender ist trotzdem meist der Sprung ins kalte Wasser, als das Festhalten an alten Strukturen und das Kräftemessen mit dem früheren Vorgesetzten. Auch wenn Familienunternehmer langfristige Bindungen oft sehr schätzen, so ist es wichtig, konsequent neue und andere Wege zu gehen, wenn die Basis für eine enge, vertrauensvolle weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben ist.

Und natürlich muss idealerweise auch in mittelständischen Betrieben für jede Führungsposition ein qualifizierter Stellvertreter eingearbeitet sein, der die Fähigkeit hat, den Chefposten langfristig auch ganz zu übernehmen. Denn jeder Mitarbeiter ist bei entsprechender Organisation im Betrieb ersetzbar, vor unerwarteten Veränderungen ist aber niemand sicher.

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1 Kommentar
  • Evstradios Banis 3. Februar 2016 23:14

    Guter Beitrag. Kann ich nur bestätigen!

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