Streitkultur So wird in deutschen Unternehmen gestritten

Die Boxhandschuhe bleiben am Haken: Mit einer konstruktiven Streitkultur müssen Meinungsverschiedenheiten nicht gleich mit einem Faustkampf enden.

Die Boxhandschuhe bleiben am Haken: Mit einer konstruktiven Streitkultur müssen Meinungsverschiedenheiten nicht gleich mit einem Faustkampf enden.© wabeno / Fotolia.com

Totschweigen, Machtwort oder konstruktiver Austausch? Eine Studie hat die Streitkultur in deutschen Unternehmen untersucht - und zeigt, wie sehr Führungskräfte bei der Konfliktlösung gefordert sind.

Wenn Menschen zusammenarbeiten, sind Meinungsverschiedenheiten programmiert. Entscheidend ist, was passiert, wenn es Zoff gibt: Finden die Streithähne eine einvernehmliche Lösung – oder eskalieren Konflikte mit unschöner Regelmäßigkeit? Der „Streitkulturindex für Unternehmen und Organisationen in Deutschland“ hat nun die betriebliche Streitkultur unter die Lupe genommen.

Demnach beschreiben immerhin 40 Prozent der befragten Führungskräfte die Streitkultur in ihrem Unternehmen als konstruktiv, wertschätzend und respektvoll. 60 Prozent berichten, dass sich die Streitenden in ihrem Unternehmen ohne Hilfe einigen. Bei jedem Vierten kann Streit manchmal nur mit Hilfe interner Fachleute aus der Personal- oder Rechtsabteilung sowie von Betriebsräten beigelegt werden. Externe Experten wie Rechtsanwälte, Mediatoren oder Coaches ziehen 16 Prozent der Befragten hinzu.

Anzeige

Führungskräfte sind oft überfordert

Besonders häufig allerdings sind die Führungskräfte selbst gefragt: Sie helfen bei 70 Prozent der Befragten, Konflikte zu lösen – und fühlen sich von dieser Aufgabe häufig überfordert: Mehr als drei von vier sehen Weiterbildungsbedarf beim Konfliktmanagement.

Vielleicht wird auch deswegen die Streitkultur in Betrieben erst dann zum Thema, wenn die Luft schon brennt: „In den meisten Unternehmen handeln die mit der Konfliktbehandlung beauftragten Personen und Institutionen in über 80 Prozent der Fälle rein anlassbezogen und akut. In institutionalisierter Form findet dies nur in einem Drittel der Betriebe statt“, sagt Ricarda Rolf, Leiterin der Kölner Forschungsstelle für Wirtschaftsmediation.

Ein großes Versäumnis, finden die Macher der Studiem, die die Wichtigkeit einer lebendigen und konstruktiven Streitkultur betonen: Sie sei ein wesentlicher Faktor für Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit und damit für den Unternehmenserfolg, sagt Bernd Hoffmann, Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftsmediation und Kommunikationsmanagement.

Mediatoren können helfen

Negative Auswirkungen müssen vor allem Unternehmen befürchten, in denen Konflikte verdrängt oder per „Machtwort“ gelöst werden. Das war bei 28, beziehungsweise 24 Prozent der Befragten der Fall. Bevor es dazu kommt, sollte man lieber erwägen, sich Hilfe ins Haus zu holen. Mit deren Arbeit zeigten sich die befragten Führungskräfte zufrieden: 82,5 Prozent derjenigen, die bereits mit externen Mediatoren zusammengearbeitet hatten, bewerteten sie mit gut bis sehr gut.

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.