Krankenstand Blaumacher sind das kleinere Problem

Trotz Krankheit zur Arbeit gehen: In der Fachsprache wird dieses Problem Präsentismus genannt.

Trotz Krankheit zur Arbeit gehen: In der Fachsprache wird dieses Problem Präsentismus genannt.© lenets_tan - Fotolia.com

Gesund, aber trotzdem nicht im Büro? Blaumacher sind für Unternehmer ärgerlich. Laut einem Psychologen ist ein anderes Problem aber viel häufiger.

Nach Einschätzung eines Arbeitspsychologen gehen mehr Menschen krank ins Büro als sich völlig ohne Grund krankmelden. „Es wird sicherlich Leute geben, die auch mal blaumachen“, sagte Professor Conny Antoni von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Umfragen deuteten aber darauf hin, dass es verbreiteter sei, trotz Unwohlseins arbeiten zu gehen.

Gerade hat das Institut YouGov untersucht, wie oft Arbeitnehmer ihrem Chef eine Krankheit vorgaukeln. Die Befragten sollten angeben, was sie in den vergangenen zwölf Monaten getan haben, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen. 6 Prozent gaben an, sie hätten gesagt, sie seien krank, obwohl sie gesund waren. Ebenfalls 6 Prozent sagten, sie hätten eine Krankheit schlimmer dargestellt, als sie in Wahrheit gewesen sei. Eine andere Entschuldigung erfanden 4 Prozent der Befragten. 58 Prozent der Befragten gaben an, nichts davon gemacht zu haben, um den Job zu schwänzen. Die Umfrage ist nach Angaben von YouGov repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

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Arbeitnehmer leiden an Präsentismus

Krankfeiern sei wahrscheinlich etwas, was man nicht so gerne zugebe, sagte Psychologe Antoni von der Universität Trier zur Einordnung. Nach seinen Angaben deuten andere Studien aber vor allem darauf hin, dass es mehr Arbeitnehmer gibt, die krank ins Büro gehen. Der Fachbegriff hierfür sei Präsentismus. „Man ist anwesend, geht zur Arbeit, obwohl man sich krank fühlt“, erklärte Antoni.

In einer Untersuchung von 2012, dem sogenannten Stressreport, hätten 36 Prozent angegeben, sie seien im zurückliegenden Jahr zur Arbeit gegangen, obwohl sie krank gewesen seien. Daten auf europäischer Ebene hätten ähnliche Werte ergeben, sagte Antoni. Auch eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK hatte das Phänomen untersucht. Demnach kuriert sich vor allem die durch Karriere und Familie belastete „Rushhour“-Generation zwischen 30 und 40 Jahren nicht aus.

Das Thema sei in den letzten Jahren stärker in den Fokus gerückt, erklärte Antoni. Ob man sich trotz Krankheit nicht krankmelde, hänge auch davon ab, ob man um seinen Arbeitsplatz fürchte. Menschen gingen eher krank zur Arbeit, wenn sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschlechtere, oder wenn sie ihr Verhältnis zum Chef und zum Team noch nicht sicher einschätzen könnten.

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1 Kommentar
  • Martin Erler 2. November 2015 15:41

    Erstens: Sich krank fühlen oder krank sein sind zwei Paar Stiefel.
    Zweitens: Man redet den Leuten mittlerweile Krankheiten ein, wenn ich sehe wieviel Werbung zu Schmerzmitteln etc. im Fernsehen läuft kann man nur krank werden.
    Drittens: Ich glaube auch, das was wirklich krank macht, sind die Unsicherheiten, die durch unverständliche und unlogische Gesetze, die in Masse auf die Arbeitnehmer und Arbeitgeber herniederprasseln, entstehen.

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