Aussetzer von Uber-Chef Travis Kalanick Wie schafft man als Führungskraft einen Neustart?

Travis Kalanick, Chef des Uber-Konzerns, reagierte genervt, als ein Fahrer ihn darauf ansprach, welche ruinösen Auswirkungen der Preiskampf mit Wettbewerbern des Fahrdienstes auf ihn hat.

Travis Kalanick, Chef des Uber-Konzerns, reagierte genervt, als ein Fahrer ihn darauf ansprach, welche ruinösen Auswirkungen der Preiskampf mit Wettbewerbern des Fahrdienstes auf ihn hat.© picture alliance / dpa

Uber-Chef Travis Kalanick ist blamiert: Er beleidigte einen Mitarbeiter– vor laufender Kamera. Jetzt gelobt Kalanick, sich zu ändern. Aber wie gelingt der Turnaround in Sachen Führungsstil?

Wenn der Chef plötzlich bei einem im Auto sitzt, kann sich angestauter Frust kräftig entladen. So ging es einem Uber-Fahrer, zu dem der Vorstandschef des Fahrdienstvermittlers, Travis Kalanick, für eine Fahrt ins Auto stieg.

Kurz bevor Kalanick aussteigen wollte, platzte es aus dem Fahrer heraus: „Ich habe 97.000 Dollar verloren wegen dir. Ich bin pleite wegen dir.“ Der Uber-Boss reagierte wenig diplomatisch: „Schwachsinn! Einige Leute wollen einfach keine Verantwortung übernehmen für ihren Mist. Sie beschuldigen für alles in ihrem Leben jemand anderen.“

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Bei dem Konflikt ging es um den bei Fahrern verbreiteten Vorwurf, Uber trage den Preiskampf mit Rivalen auf ihrem Rücken aus. Der Vorfall wurde für Kalanick nun zum Problem, weil er auf Video festgehalten und am Dienstag vom Finanzdienst Bloomberg veröffentlicht wurde. Das Video zeige den „jähzornigen“ Charakter Kalanicks, schreibt Bloomberg.

Kalanick: „Ich brauche Hilfe bei der Führung.“

In einem Statement entschuldigte sich Kalanick für sein Verhalten. Er sei beschämt, wie wenig respektvoll er den Fahrer behandelt habe. „Es ist klar, dass dieses Video eine Reflexion meiner selbst ist – und die Kritik, die wir erhielten, erinnert mich stark daran, dass ich mich fundamental ändern muss als Führungskraft und wachsen muss“, schrieb Kalanick. „Es ist das erste Mal, dass ich eingestehe, ich brauche Hilfe bei der Führung.“

Aber kann sich der Uber-Chef tatsächlich ändern? Oder war das nur eine Masche, um Mitarbeiter und Medien zu besänftigen? „Ich nehme ihm die Reaktion nicht ab“, sagt Leadership-Experte Alexander Groth. „Kalanick hat sicherlich professionelle Medien- und Kommunikationsberater an seiner Seite. Diese werden ihm empfohlen haben so zu reagieren, damit die Sache von den Medien nicht zu einem Skandal aufgebauscht wird.“

Der Uber-Chef verhalte sich aber vermutlich nicht aus Böswilligkeit so. „Es entspricht seiner Persönlichkeitsstruktur“, sagt Groth. „Aus einem knallharten, wettbewerbsorientierten Manager wird nicht über Nacht ein Philanthrop.“

Wie gelingt als Führungskraft ein Neustart?

Uber-Chef Kalanick mag ein Extremfall sein. Er ist aber nicht der einzige Firmenchef, der nach einem Schlüsselerlebnis merkt, dass er sich und seinen Führungsstil deutlich ändern muss. Viele (reflektierte) Führungskräfte denken irgendwann, dass sie gerne einen Neuanfang hätten, dass sie Dinge gerne anders machen wollen. Aber wie gelingt so ein Neustart? Was muss man dafür tun?

„Die wichtigste Grundlage ist, dass man sich tatsächlich ändern will“, sagt Groth. „Ist das nicht gegeben, gibt es nichts, das helfen könnte.“

Damit Führungskräfte in der Lage sind, sich zu ändern, müssten sie ihre Stärken und Schwächen kennen. „Sie schätzen sich aber manchmal ganz anders ein als ihre Mitarbeiter.“

Holen Sie sich Feedback ein!

Daher gilt: Um sich als Führungskraft weiterzuentwickeln, braucht man vor allem das ehrliche Feedback seines Teams. Je nach Größe der Mannschaft, kann man sich diese Rückmeldung im persönlichen Gespräch holen, oder aber durch eine anonyme Umfrage mit einem standardisierten Fragebogen. Damit die Anonymität gewährleistet ist, sollten jedoch mindestens fünf Mitarbeiter daran teilnehmen, rät Groth.

„Meine Erfahrung ist leider, dass gute Führungskräfte das Instrument lieben und diejenigen, die es nötig hätten, es meiden“, sagt Groth. „Sie halten dann zum Beispiel die Mitarbeiter nicht an, den Bogen auszufüllen und abzuschicken, sodass die Mindestzahl nicht zustande kommt. Oder sie bitten nur diejenigen Mitarbeiter, den Bogen auszufüllen, von denen sie wissen, dass sie ihnen wohlgesonnen sind oder sich trotz Anonymität nicht trauen, die Wahrheit zu sagen.“

Schlechtes Feedback transparent machen

Tatsächlich sind manche Führungskräfte geschockt, wenn sie ihre Ergebnisse bekommen und ihr Selbstbild als souveräner Leader ob der gegebenen Antworten zusammenbricht. Sie verneinen dann manchmal die Ergebnisse und halten sie für nicht wahrheitsgemäß.

Wie geht man also damit um, wenn man von den eigenen Leuten eine Watsche bekommt? „Wirklich souveräne Führungskräfte scheuen sich nicht, den Mitarbeitern die Ergebnisse in der nächsten Besprechung vorzustellen und ihnen zu sagen, an welchen Verhaltensweisen sie arbeiten wollen“, sagt Führungs-Experte Groth. „Dabei kann man die Mitarbeiter bitten zu unterstützen, indem sie Feedback geben, sobald man sich gegen seine Vorsätze verhält. Das kann man machen, muss man aber nicht.“

Definierte Werte helfen beim Neustart

Das Wichtigste sei, dass die Mitarbeiter erkennen, dass die Führungskraft etwas umsetzt und an sich selbst arbeitet. Idealerweise stellt sie die kritisierten Verhaltensweisen ab oder verbessert sich zumindest darin. Laut Groth brauche man keine Angst zu haben, sich dadurch klein zu machen. Im Gegenteil: „Damit erzielt der Chef oder die Chefin einiges an Respekt.“

Um nicht nur selbst einen Neustart zu schaffen, sondern die Kultur im ganzen Unternehmen zu ändern, empfiehlt Groth, als Unternehmen bestimmte Werte vorzugeben, die man von sich selbst, aber auch von seinen Mitarbeitern erwartet. Gemeint sei damit nicht ein Gutmenschkatalog von 20 Punkten, sondern drei bis maximal fünf leitende Werte, die man am besten noch anhand konkreter Verhaltensweisen beschreibt. „Wenn man als Vorgesetzter auf Grundlage solcher Werte beurteilt wird – und in Mitarbeiterbefragungen ermittelt, wie gut man sie umsetzt – fängt man automatisch an, sich danach auszurichten.“


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1 Kommentar
  • Isabella Goekderelian 6. März 2017 08:32

    Guten Morgen,
    der Artikel über Travis kalanick hat mihc insofern direkt angesprochen, da ich selbst auch ein eigenes Taxiunternehmen hatte und leider aufgeben musste. Eine Aussage des besagten Herrn hat mich veranlasst, weder für Uber zu fahren noch Werbung für diese Firma zu machen: „Taxifahrer sind alles Arschlöcher, die man ausrotten muss“:. Leider gab und gibt es immer noch Kollegen, denen diese Aussage am A…. vorbeigeht und die sich dennoch bei Uber anhängen, sprich sich für ein paar Euros an Uber“verkaufen. Eine Aussenwerbung am Taxi bringt gerade mal 50 Euro monatlich. Uber gab anfngs noch ein Handy dazu. Das muss nicht sein. Man kann als Taxifahrer auch ohne Uber überleben. Und zwar gut. Ich finde es empörend und menschenvrachtend, wie dieser Herr über einen Berufsstand herzieht, der ihm letzten Endes den Bestand seienr Firma ermöglicht. Und der will sich ändern? Das kann er gar nicht, schon von seiner Persönlichkeitsstruktur her. Das ist nur Retusche, die Farbe ist schnell wieder weg und der wahre Kalannick macht munter weiter. Für mich persönlich ist dieser Mann ein absolutes NO GO.
    Freundliche Grüße
    Isabella Goekderelian

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