Candidate Experience So bewerten Kandidaten ihre Erfahrungen bei der Bewerbung

Top oder Flop? Die Candidate Experience hat einen wichtigen Einfluss darauf, wie attraktiv Bewerber ein Unternehmen finden.

Top oder Flop? Die Candidate Experience hat einen wichtigen Einfluss darauf, wie attraktiv Bewerber ein Unternehmen finden. © zakokor / Fotolia.com

Wer gute Mitarbeiter will, braucht einen schnellen, transparenten Bewerbungsprozess. Doch Bewerber fühlen sich oft schlecht behandelt. An welchen Stellen deutsche Unternehmen ihren Umgang mit Kandidaten verbessern müssen.

Geeignete, engagierte und talentierte Mitarbeiter zu finden, ist heute für viele Unternehmen eine echte Herausforderung. Umso wichtiger ist für Firmen auf Personalsuche, die Wunschkandidaten nicht schon im Laufe des Bewerbungsverfahrens zu vergraulen – etwa weil sie Vorstellungsgespräche schlecht vorbereiten oder Kandidaten lange in der Luft hängen lassen. Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu hat nun die so genannte Candidate Experience ausgewertet: Wie zufrieden sind Bewerber mit ihren Bewerbungserfahrungen in deutschen Unternehmen? Hierzu sollten Bewerber die einzelnen Schritte im Bewerbungsprozess auf einer Skala von eins (sehr schlecht) bis fünf (sehr gut) bewerten.

Zu langsam, zu unprofessionell, zu wenig wertschätzend

Die Auswertung der mehr als 75.000 Bewertungen zeigt, dass die Bewerbungsprozesse alles andere als optimal laufen: In keiner Kategorie erreichen Unternehmen mehr als 3,58 Punkte – in Schulnoten ausgedrückt entspricht das einer Zwei bis Drei. Am wenigsten auszusetzen haben Bewerber an dem Tempo, mit dem Unternehmen auf Bewerbungen reagieren. Den letzten Platz belegt mit nur 3,0 Punkten die zeitgerechte Zu- und Absage. Dabei kann gerade eine schnelle Zusage entscheidend sein: Wartet man zu lange, hat der Wunschkandidat womöglich schon einen anderen Job angenommen.

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Mit den Reaktionen der Unternehmen sind Bewerber zumindest halbwegs zufrieden (3,54). Luft nach oben hingegen scheint es bei der Informationspolitik der Unternehmen zu geben: Die Vollständigkeit der Informationen bewerten die Kandidaten nur mit 3,07 von fünf möglichen Punkten. Noch weniger Punkte – nämlich nur 3,04 – gab für einen erwartbaren Bewerbungsprozess. Dabei ist es für die Bewerber besonders wichtig, immer zu wissen, was als nächstes passiert: Klare Informationen geben Sicherheit.

Die Bewertungen im Überblick

  1. Schnelle Antwort (3,58)
  2. Zufriedenstellende Reaktion (3,54)
  3. Erklärung der weiteren Schritte (3,22)
  4. Angenehme Atmosphäre (3,22)
  5. Zufriedenstellende Antworten (3,18)
  6. Wertschätzende Behandlung (3,16)
  7. Professionalität des Bewerbungsgesprächs (3,13)
  8. Vollständigkeit der Informationen (3,07)
  9. Erwartbarkeit des Bewerbungsprozesses (3,04)
  10. Zeitgerechte Zu-/Absage (3,00)

Schlechte Candidate Experience schreckt auch künftige Bewerber ab

„Bewerber wollen heute einen Bewerbungsprozess, der einfach, schnell und transparent ist“, sagt Ekkehard Veser, Geschäftsführer DACH von kununu.  Hinterlassen Unternehmen schon im Bewerbungsverfahren einen unprofessionellen Eindruck, schließen die Kandidaten aus dieser Erfahrung darauf, dass das bei einer Anstellung so weiter geht.

Veser weist darauf hin, dass eine schlechte Candidate Experience auch Auswirkungen auf künftige Bewerbungen haben kann. Denn potenzielle weitere Bewerber lesen heute im Netz genau nach, wie es anderen Bewerbern ergangen ist, und überlegen anhand dieser Informationen, wo sie sich bewerben wollen. Dass ein Kandidat am Ende eingestellt wurde, ist laut Veser nicht ausschlaggebend dafür, ob er das Unternehmen für einen attraktiven Arbeitgeber hält. „Entscheidend ist vielmehr, wie der Bewerber den Gesamtprozess wahrnimmt und über ihn spricht.“

3 Kommentare
  • Franziska 12. August 2016 22:13

    Bei Ergebnissen auf kununu wäre ich äußerst vorsichtig. Zum einen tummeln sich dort viele unzufriedene, abgelehnte Bewerber und nicht ganz zu unrecht gescheiterte Mitarbeiter. Zum anderen lesen sich viele Bewertungen wie Unternehmens-PR.

    Kununu prüft absolut Nichts nach. Jeder kann dort mit einer einfachen E-Mail-Adresse jedes Unternehmen bewerten.

    Bei Amazon gibt es wenigstens noch „Verifizierte Käufe“. Außerdem existiert ein Warenwirtschaftssystem, das die Abverkäufe misst. So kommen die „Bestseller“-Listen von Amazon zu stande. In der Marktwirtschaft der mit Abstand beste Indikator für Erfolg.

    Auf Kununu übertragen müsste man die Lebenszeit des Unternehmens berücksichtigen. Wer immer schlecht bewertet wird, aber seit 30, 40 … Jahren am Markt ist, kann nicht wirklich schlecht sein. Das sollte auch das New-Economy-Start-Up Kununu eigentlich wissen.

  • Andreas Manietta 6. August 2016 10:13

    Hallo Frau Egerer,

    haben Sie eine Quelle zur Studie? Mich würde vor allem die methodische Herangehensweise interessieren.
    Die Ergebnisse von Kununu widersprechen nämlich unserer Auswertung, die wir innerhalb unseres Netzwerkes durchgeführt haben.

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