Vorstellungsgespräch 8 Fehler, die Chefs im Bewerbungsgespräch vermeiden sollten

Anders als die anderen: Fehler im Vorstellungsgespräch können zu Fehlbesetzungen führen.

Anders als die anderen: Fehler im Vorstellungsgespräch können zu Fehlbesetzungen führen. © Sergej Seemann / Fotolia.com

Wenn Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch Fehler machen, entscheiden sie sich am Ende womöglich für den falschen Bewerber. Welche Klippen Sie umschiffen müssen, damit Sie den Richtigen einstellen.

Fehler 1: Sie sind nicht gut vorbereitet.

Von Bewerbern erwarten Arbeitgeber, dass sie sich vor dem Vorstellungsgespräch mit dem Unternehmen beschäftigen: Wer keine Branchenkenntnisse hat und nichts über das Unternehmen weiß, hat keine Chance.

Umgekehrt nimmt man sich aber in vielen Unternehmen nicht die Zeit, das Gespräch seinerseits gut vorzubereiten. Wenn’s hoch kommt, wird fünf Minuten vor dem Termin noch mal schnell der Lebenslauf überflogen. Das komme vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen vor, sagt Sven Hennige vom Personaldienstleister Robert Half: „Dort gibt es meist keine professionelle Personalabteilung und der Chef muss die Vorstellungsgespräche neben all seinen anderen Aufgaben bewältigen.“ Worauf es bei der Vorbereitung der Interviews ankommt, lesen Sie in unserem Artikel: Vorstellungsgespräch vorbereiten: 7 Tipps für Arbeitgeber.

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Fehler 2: Sie wollen alles allein machen.

Statt das Vorstellungsgespräch allein zu führen, sollte man besser einen oder zwei Kollegen zum Gespräch dazubitten, rät Sven Hennige. „Agieren Sie immer nach dem Vier- oder sogar Sechs-Augen-Prinzip – so haben Sie eine größere Bandbreite an Meinungen.“ Sonst erhält ein Bewerber womöglich nur deswegen den Zuschlag, weil der Chef einen guten Tag hatte oder den Kandidaten „irgendwie sympathisch“ fand.

In Unternehmen mit mehreren Abteilungen ist es eine gute Idee, wenn ein Mitglied des künftigen Teams beim Interview dabei ist. Dann kann man bei fachlichen Fragen mehr in die Tiefe gehen.

Fehler 3: Sie stellen ausschließlich Standardfragen.

„Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?“, „Was möchten Sie in fünf Jahren erreicht haben?“, „Wie würden Ihre Kollegen Sie beschreiben?“: Fragen wie diese werden in vielen Vorstellungsgesprächen gestellt – und das wissen auch die Kandidaten. „Bewerber können heute im Internet Fragen und Antworten finden, um sich auf Interviews vorzubereiten“, sagt Sven Hennige. „Das macht es Bewerbern leicht, in einem Interview von 30, 40 Minuten die Antworten liefern, die der Fragende hören will.“

Wer wirklich etwas über einen Bewerber erfahren will, sollte jenseits der Standardfragen versuchen, dessen Motivation und Werte zu ergründen. Das funktioniert am besten, indem man mit den Fragen Bezug nimmt auf Angaben aus Anschreiben und Lebenslauf. Mit welchen klugen Fragen Sie mehr über Bewerber erfahren und hinter deren Fassade blicken können, lesen Sie in unserem Artikel: Vorstellungsgespräch: Diese Fragen sollten Arbeitgeber stellen!

Fehler 4: Sie führen Monologe.

Viele Arbeitgeber missverstehen das Vorstellungsgespräch als Werbeveranstaltung für ihr Unternehmen. Doch auch – und gerade – in Zeiten, in denen Firmen um ihre künftigen Mitarbeiter buhlen müssen, sollten Chefs nicht nur von sich erzählen, sondern den Kandidaten auch Fragen stellen. Das signalisiert nicht nur Interesse: Wer einen Bewerber kaum zu Wort kommen lässt, verpasst die Chance, ihn als Person kennen zu lernen und mehr über seine Motivation, seine Werte und Ziele zu erfahren.

Fehler 5: Sie verzichten auf fachliche Tests.

Manche Bewerber lügen im Vorstellungsgespräch das Blaue vom Himmel herunter, um den Job zu bekommen. Oder sie haben einfach diese besondere Ausstrahlung, die sie kompetent und glaubwürdig wirken lässt. Allzu viele Chefs lassen sich davon blenden – weil sie auf fachliche Tests verzichten.

Ein Kandidat behauptet im Lebenslauf, er spreche verhandlungssicheres Englisch? „Dann wechseln Sie im Interview einfach mal die Sprache“ , rät Sven Hennige. „So stellen Sie schnell fest, ob die Angaben stimmen.“

Auch technische Fähigkeiten lassen sich auf diese Weise abtesten: Kann der Bewerber wirklich programmieren – oder hat er nur mal ein Wochenendseminar besucht? Hat er Erfahrung mit SAP/Photoshop/Powerpoint – oder hat er nur mal über die Schulter geschaut? All das lässt sich mit wenigen fachlichen Fragen herausfinden.

Fehler 6: Sie machen falsche Versprechungen.

Die Firma ist quasi Marktführer, und die neue Stelle ist zwar nur als Facharbeiter ausgeschrieben, der Aufstieg in die Teamleitung aber beinahe nur eine Formalie: Alles schamlos übertrieben – und doch fangen einige Chefs an zu fabulieren, wenn Chefs unbedingt wollen, dass ein Bewerber bei ihnen anfängt.

„Gerne werden Kompetenzen und weitreichende Selbständigkeit zugesprochen, die die spätere Position in der Realität gar nicht hergibt“, sagt Sven Hennige. Immer wieder versuchen Chefs auch, neue Mitarbeiter mit Karrierechancen zu locken, die es gar nicht gibt.

Für eine gute Idee hält der Experte solche Manöver aber nicht: „Wenn sich das Unternehmen überverkauft, geht das schief – genauso, wie wenn sich der Kandidat anders verkauft, als er wirklich ist.“ Denn wenn der Arbeitgeber falsche Versprechungen gemacht hat, merken das Arbeitnehmer schon nach wenigen Tagen oder Wochen im neuen Job – und ziehen die Konsequenzen. „Wenn Unternehmen neue Mitarbeiter langfristig binden möchten, müssen sie an dieser Stelle unbedingt transparent sein.“

Fehler 7: Sie fällen die Entscheidung nach nur einem Vorstellungsgespräch.

Eine falsche Personalentscheidung kommt Unternehmen teuer zu stehen. Können – und wollen – Sie eine so wichtige Entscheidung wirklich nach einem halbstündigen Gespräch fällen? Sven Hennige warnt davor: „Im ersten Interview kann sich der Bewerber immer dahingehend anpassen, dass sein Gegenüber genau das von ihm hört, was er hören will.“

Er rät vielmehr dazu, das Bild des Bewerbers durch weitere Eindrücke abzurunden. Beim Probearbeiten bekommt der Arbeitgeber eine Vorstellung davon, wie der Kandidat ins Team passen könnte. Rollenspiele ermöglichen einen Einblick, wie sich die Person in typischen Situationen im Berufsalltag verhält, und wer sich Referenzen nennen lässt, kann die Meinung ehemaliger Kollegen oder Vorgesetzter einholen. Auf welche Signale Sie beim Probearbeiten eines Kandidaten achten sollten, lesen Sie in diesem Artikel: Personalauswahl: Fünf goldene Regeln für die Mitarbeitersuche.

Fehler 8: Sie ignorieren das Bauchgefühl.

Bei aller guter Vorbereitung und allen guten Ratschlägen – eines sollten Chefs im Vorstellungsgespräch auf keinen Fall ignorieren: ihr Bauchgefühl. „Wenn Sie im Interview das Gefühl haben: ‚Irgendwas stimmt nicht‘, dann stimmt meistens auch irgendetwas nicht“, sagt Sven Hennige.

In diesem Fall sollten Chefs nach Hinweisen suchen, die ihr Bauchgefühl bestätigen können. Die Körpersprache etwa kann verräterisch sein: Der Bewerber spricht selbstsicher, fummelt aber nervös an seiner Kleidung herum? Er gibt begeisterte Kommentare ab, sitzt dabei aber zurückgelehnt und mit verschränkten Armen da? Solche Signale nimmt das Gegenüber unbewusst als unstimmig wahr. Bewusst darauf zu achten, kann folgenreiche Fehlentscheidungen vermeiden helfen.

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