Werbekampagne für Azubis Wie ein Metzger einen Facebook-Hit landete

Die großen Werbeagenturen können einpacken: Ein kleiner Metzgermeister aus Freising hat die coolste Rekrutierungskampagne des Jahres entwickelt. Wie Steffen Schütze mit viel Witz neue Azubis gewinnt.

„Berufswunsch: Irgendwas mit Tieren…“ prangt über dem Bild auf dem ein hübsches Mädchen einen Mett-Igel streichelt. Auf einem anderen steht eine Prinzessin mit Krone und rosa Kleid vor der Wurstauslage: „Hauptrolle für die Schöne und das Beef zu vergeben. Bewirb Dich für eine märchenhafte Ausbildung!“

Mit Motiven wie diesen hat der Metzgermeister Steffen Schütze seine Facebook-Kampagne zur Lehrlingssuche eröffnet hat. Der 35-jährige Inhaber der Metzgerei Hack im bayerischen Freising sucht dringend neue Azubis. Nur hat sich in den vergangenen zwei Jahren niemand beworben, trotz Werbung in Regionalzeitungen und Schulen. Seitdem er 2008 das Geschäft übernommen hat, gab es nur drei Bewerbungen. „Das Image der Metzger ist einfach nicht cool genug“, sagt Steffen Schütze.

Anzeige

Neue Ideen für die Azubi-Werbung

Damit war klar: „Man muss andere Wege gehen, um die Jugend anzusprechen und das Image des Berufs aufzupolieren“, sagt Schütze. Dafür hat er sich einiges überlegt: Seinen Azubis bietet Schütze etwa ein iPhone 6 inklusive Flatrate während der ganzen Lehrzeit. Dazu bekommt jeder Azubi jährlich ein Budget von 400 Euro, dass er für persönliche Interessen ausgeben kann, etwa für Sprach-, Koch- oder Schlagzeugkurse. Zudem werden Essen und Getränke während der Arbeitszeit gestellt. „Welcher Bankazubi kann das schon von sich sagen“, erzählt Schütze. „Damit möchte ich meinen Azubis den Rücken stärken, wenn ihre Freunde den Metzgerberuf als uncool abtun.“ Ohnehin sei der Metzgerberuf mehr als Tiere zerlegen und der Fleischverkauf hinter der Theke. Seine Azubis müssten kreativ Events und Caterings organisieren, viel über die Zubereitung der Gerichte wissen und die Kunden intensiv beraten.

Schützes Herausforderung bestand darin, dass viele Schulabgänger nicht wissen, was er als Ausbildungsbetrieb zu bieten hat. Daher kam er auf die Idee mit der Werbekampagne, die er auch Facebook schaltete. Hilfe bekam er aus der Nachbarschaft: Ein Kunde, der sich im Marketing auskennt, überlegte sie die Slogans. Ein befreundeter Fotograf machte die Bilder und eine Nachbarin stellte sich als Model zur Verfügung. „Beim ersten Shooting wurden zehn Bilder gemacht. Es lief gut und wir haben wenige Tage später gleich ein zweites gemacht“, erzählt Schütze.

Was die Werbekampagne bewirkte

Kaum waren die Bilder auf Facebook schoss die Zahl der Facebook-Fans der Metzgerei Hack in Freising in die Höhe. Jahrelang waren es rund 600 Fans, jetzt sind es fast 4000. Und es gab noch einen viel größeren Erfolg: Wenige Wochen nach dem Start der Werbekampagne kamen sieben Bewerbungen ins Haus – aus Hamburg, Berlin, der Insel Borkum und aus Bayern.

Einen 16-jährigen Realschulabgänger aus Freising hat Steffen Schütze direkt eingestellt. „Sollte sich noch jemand Geeignetes melden, stelle ich auch noch einen Zweiten ein“, sagt Schütze. Gleichzeitig dienen die Angebote als Türöffner für Interessierte. Gleich drei Praktikanten haben sich im Juli angemeldet, um das Arbeitsleben in der Metzgerei kennenzulernen. Außerdem habe er schon eine Teilzeit-Kraft für die Betreuung von Facebook eingestellt. „Für den Job ‚Irgendwas mit Medien‘ habe ich aber schneller jemanden gefunden als bei ‚Irgendwas mit Tieren‘“, gibt er amüsiert zu.

Für Steffen Schütze sind die Bewerbungen aus der ganzen Bundesrepublik ein schönes Zeichen. Er selbst zog mit 16 Jahren von Leipzig nach Bayern, um eine Ausbildung zum Metzger zu beginnen. Damals gab es kaum Lehrstellen in den neuen Bundesländern. Also verschlug es ihn nach Haag an der Amper bei Freising, wo er bei einem kleinen Familienbetrieb lernte. Darauf folgte der Meistertitel und einige Jahre bei dem Bio-Betrieb Hermannsdorfer Landwerkstätten. 2008 machte er sich schließlich mit der Metzgerei Hack in Freising selbstständig. Seitdem hat er sich mit der Schlemmer-Box und dem Weißwurst-Burger einen Namen gemacht.

Wie es zum Namen „Metzgerei Hack“ kam

Der Name „Metzgerei Hack“ ist, obwohl dies nahe liegt, keine Marketing-Gag. Vielmehr heißt der ehemalige Chef von Schütze aus Haag an der Amper Hans Hack. „Wir haben jetzt eine gemeinsame Produktion. Hans Hack beliefert mich jeden Tag“, erzählt Schütze. Deshalb heiße seine Metzgerei auch Hack und nicht Schütze. „Mir war die Transparenz über die Herkunft der Lebensmittel für den Kunden sehr wichtig, wichtiger als die Transparenz über den Inhaber“, betont er. Aber sicher sei natürlich: „Mein ehemaliger Chef konnte mit seinem Nachnamen nur Metzger werden“, sagt Schütze mit einem Lachen.

Sein Ziel sei es, jedes Jahr einen Azubi einzustellen. Im September und Oktober dieses Jahr möchte Schütze die Aktion weiterführen. „Der Zeitpunkt dieses im Mai war nicht gut gewählt. Eigentlich weiß schon jeder, was er im nächsten Jahr machen wird. Aber die Kampagne war gerade fertig geworden und wir wollten anfangen. Im Herbst wird es besser gehen.“

Schütze ist optimistsch, dass die Aktion wieder gut funktionieren wird. Bisher war die Resonanz in den sozialen Netzwerken und von den Kunden sehr positiv. Trotz empörter Veganer und Kritiker, dass Azubis jetzt schon mit Smartphones gelockt werden müssten. „Eine gute Aktion ist für mich, wenn es Pro und Contra gibt, sich die Leute eine eigene Meinung bilden müssen“, sagt Schütze. Und ein Erfolg ist ihm ohnehin sicher: „Im Landkreis Freising weiß jetzt jeder, dass ich Lehrlinge suche.“

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.