Management Wie Nextira One durch das Schutzschirmverfahren die Sanierung gelang

Hohe Pensionsrückstellungen und ein verpasster Anschluss an technologische Entwicklungen: Anfang 2012 steckt der IT-Dienstleister Nextira One tief in der Krise. Durch das Schutzschirmverfahren schaffte das Unternehmen in letzter Minute die Wende. Ein Rückblick.

Das Gesetz kam gerade rechtzeitig. Im März 2012 war das neue Insolvenzrecht – „zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“ (ESUG) – in Kraft getreten. „Das Verfahren war wie für uns gemacht“, sagt Nextira-One-Geschäftsführer Bernd Ruppert, der den auf Sprach- und Daten-Echtzeitkommunikation spezialisierten IT-Dienstleister durch die Krise führte. Auf dem Unternehmen lasteten allein Pensionsrückstellungen in Höhe von 60 Mio. Euro – bei einem Umsatz von 160 Mio. Euro. Zudem hatte die Firma den Anschluss an die technologische Entwicklung verloren. Trotz Lohnverzicht und Kurzarbeit stand die Firma vor dem Aus.

Durch die Kombination eines Schutzschirmverfahrens mit Eigenverwaltung und Insolvenzplan gelang die Sanierung – trotz widriger Umstände. Die Rechtsvorschriften sind bis heute nicht aufeinander abgestimmt, kaum ein Akteur kannte die neuen Regeln: Beim Amtsgericht etwa gab es nicht mal Formblätter für das Verfahren.

Anzeige

Mit Rechtspflegern und Richtern wurden deshalb vorab Gespräche geführt, um ihnen das neue Verfahren nahezubringen. „Man wusste häufig nicht, was an dem Tag passieren würde“, erinnert sich Christian Graf Brockdorff von BBL Bernsau Brockdorff & Partner, der die Rolle des Sachwalters übernahm. Bei Nextira One traf er auf einen kompetenten Geschäftsführer, mit dem er die Sanierung vorantreiben konnte – keine Selbstverständlichkeit.

Wichtig sei eine detaillierte Vorbereitung des Verfahrens gewesen. „Der Imageschaden ist kleiner, je schneller es geht“, ergänzt BDO-Partner Parwäz Rafiqpoor. Tatsächlich war der Zeitpunkt der Sanierung günstig. Im Mai gab es viele Feiertage, im Juni lief die Fußballeuropameisterschaft, danach war Urlaubszeit. „Dann waren wir damit durch!“, sagt Ruppert.

Bewusst wurde in der Kommunikation mit Kunden und der Öffentlichkeit – unterstützt durch eine erfahrene PR-Agentur – vermieden, das Wort Insolvenz zu verwenden; stets war vom Schutzschirmverfahren die Rede. Tatsächlich gelang es, die Gläubiger zu überzeugen und sich von Altlasten zu trennen. Inzwischen arbeitet der IT-Dienstleister wieder profitabel.

 

 

imp_201212_zoomAus dem impulse-Magazin 12/2012
Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben im PDF-Format herunterladen und bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.