Fast Pefrekt Eine Ode an den Fehler

  • Serie
"Etwas Überraschendes ist weitaus einprägsamer als etwas Perfektes", schreibt Erik Kessels mit Blick auf dieses falsch zusammengeklebte Plakat.

"Etwas Überraschendes ist weitaus einprägsamer als etwas Perfektes", schreibt Erik Kessels mit Blick auf dieses falsch zusammengeklebte Plakat.© Erik Kessels

"Wenn Sie auffallen wollen, tun Sie sich selbst einen Gefallen und hören Sie auf, der Perfektion nachzurennen", schreibt Erik Kessels in seinem Buch "Fast Pefrekt". Warum er recht hat.

Wir alle machen Fehler. Wissen wir, klar. Wir wissen auch, wie wichtig es ist, eine positive Fehlerkultur im Unternehmen zu etablieren. Wir wissen sogar, dass Missgeschicke und Zufälle immer wieder zu Produkten geführt haben, die Firmen heute Milliardenumsätze bescheren.

Und doch: Fehler, große wie kleine, gelten den meisten Menschen als Makel. Erik Kessels sieht das anders: In seinem Buch „Fast Pefrekt“ feiert er Fehlversuche, Irrtümer, Niederlagen, Missgeschicke, kleine Pannen und große Debakel. Sein Buch handele davon, „das Sichere, Erwartbare abzulehnen zugunsten des Aufregenden, Unbekannten“, schreibt Kessels, selbst Gründer und Kreativdirektor der internationalen Werbeagentur KesselsKramer.

Anzeige

Für Perfektion hat Kessels nichts übrig. Er zeigt lieber unschraubbare Schrauben, verirrte Fotografenfinger, schwebende Hunde und einen Balkon ohne Tür. „Fast Pefrekt“ enthält hundert farbige Fotos, darunter Werke internationaler Künstler und Fotografen, aber auch Schnappschüsse von Amateuren. Ergänzt werden sie durch Zitate und essayistische Texte, mit Titeln wie „Ihre Fehler könnten die Welt verändern“, „Die Tyrannei der Perfektion“ oder ganz einfach „Seien Sie ein Versager“.

Fast Pefrekt“ ist eine Ode an den Fehler. Ein Buch, das die Leser ermutigt, Regeln zu brechen. Etwas zu wagen. Zu scheitern – und es nicht zu bedauern.

Den folgenden Text, Erik Kessels‘ Plädoyer „Seien Sie ein Versager“, haben wir dem Buch „Fast Pefrekt“ mit freundlicher Genehmigung des Dumont Verlag entnommen.


Seien Sie ein Versager!

Wie oft haben Sie schon den hirnlosen Appell gehört, um Großes zu leisten, müsse man „110 Prozent geben“? Unser mathematisches Lieblingsparadoxon impliziert, dass Vollkommenheit entsteht, wenn wir jedes Fünkchen der eigenen Energie in ein Projekt stecken.

Dummes Zeug. Wenn Sie auffallen wollen, tun Sie sich selbst einen Gefallen und hören Sie auf, der Perfektion nachzurennen – denn das ist genau das, was alle anderen auch tun.

Streben Sie stattdessen Unvollkommenheit an. Etwas Unerwartetes, Überraschendes ist weitaus einprägsamer als etwas Perfektes.

Sehen Sie sich diese Plakatwand an.

"Etwas Überraschendes ist weitaus einprägsamer als etwas Perfektes", schreibt Erik Kessels mit Blick auf dieses falsch zusammengeklebte Plakat.

„Etwas Überraschendes ist weitaus einprägsamer als etwas Perfektes“, schreibt Erik Kessels mit Blick auf dieses falsch zusammengeklebte Plakat.© Erik Kessels

Hätten Sie eine weitere fade Reklame dieser Art überhaupt bemerkt? Wahrscheinlich nicht – hätten die zerstreuten Arbeiter sie nicht durcheinandergebracht.

Erklären Sie Ihren Instinkten den Krieg und zelebrieren Sie die potenzielle Schönheit unnötiger Fehler. Versuchen Sie, etwas nahezu Perfektes zu erschaffen. Das schönste Bild, das Sie je gemalt haben. Ein atemberaubendes Blumenarrangement. Das perfekte Soufflé.

Und genau dann, wenn Sie das Gefühl haben, Sie sind fast fertig, lassen Sie los. Lassen Sie das Soufflé zusammenfallen. Überlassen Sie es dem Nachbarskind, dem Blumenarrangement den letzten Schliff zu geben. Vollenden Sie das Bild mit Augenbinde.

Vielleicht kommt etwas vollkommen Unbrauchbares dabei heraus. Vielleicht finden Sie aber auch Ordnung in der Unordnung. Eine verblüffende Abstraktion. Ein nie gekanntes sinnliches Erlebnis.

Tatsächlich könnten Sie jene unvollkommene Vollkommenheit entdecken, die im geplanten Ungeplanten und im erwarteten Unerwarteten steckt.


Aus Fehlern lernen – abonnieren Sie unsere Tipps!

Sie wollen mehr darüber erfahren, wie auch Sie eine positive Fehlerkultur im Unternehmen etablieren können? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter „Aus Fehlern lernen“!

Newsletter Aus Fehlern lernen

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.