Karriere durch Misstrauen Warum paranoide Menschen oft Chefs werden

Paranoide Mitarbeiter  wittern überall um sich herum Fallen und Gefahren. Doch genau dieses Misstrauen kann ihnen den beruflichen Aufstieg erleichtern.

Paranoide Mitarbeiter wittern überall um sich herum Fallen und Gefahren. Doch genau dieses Misstrauen kann ihnen den beruflichen Aufstieg erleichtern.© fergregory / Fotolia.com

Lästert da jemand über mich? Werde ich hintergangen? Mitarbeiter, die überall Gefahr wittern, können doch nicht erfolgreich sein. Oder doch? "Paranoia hilft beim Aufstieg", sagt jedenfalls ein Professor aus Hamburg.

Kennen Sie Kollegen, die abends immer ihren Schreibtisch ratzekahl leerräumen, aus Angst, jemand könnte in ihren Unterlagen schnüffeln? Die niemandem über den Weg trauen, ständig das Gefühl haben ausgenutzt, hintergangen und betrogen zu werden? Für das Betriebsklima können solche paranoiden Eigenschaften eine Belastung sein. Kurios ist aber: Gerade Mitarbeiter mit paranoiden Zügen werden häufig Chef!

Das legt zumindest eine Studie des Psychologen Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University in Hamburg nahe. Der Professor für Psychologie hat ein halbes Jahr lang 441 Angestellte unterschiedlicher Bereiche befragt. Die Teilnehmer beantworteten Fragen zu ihrer Position im Unternehmen und zu paranoiden Gedanken. Das Ergebnis: Innerhalb der sechs Monate schafften vor allem Teilnehmer mit paranoiden Verhaltensweisen in ihrem Unternehmen den Aufstieg. Die gesamte Studie hat das Magazin frontiers in psychology veröffentlicht.

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Warum steigen paranoide Mitarbeiter auf?

Einen Grund für den beruflichen Erfolg von Menschen mit paranoiden Zügen sieht Van Quaquebeke darin, dass die Betroffenen glauben, andere würden ihnen etwas Böses wollen. Daher beobachten sie ihr Umfeld genau und können sich in Situationen, die für sie unvorteilhaft sind, besonders gut anpassen. „Diese Anpassungsfähigkeit ist eine zentrale Voraussetzung für den Karrierefortschritt“, erklärt Van Quaquebeke.

Paranoiker sind auf Krisen vorbereitet

Außerdem hätten Menschen mit paranoiden Eigenschaften schwierige Herausforderungen für das Unternehmen oft schon gedanklich durchgespielt und seien deshalb auf das Schlimmste gefasst. Deshalb seien sie auf Krisen besser vorbereitet als andere.

Auch wenn man meinen könnte, dass Menschen mit paranoiden Zügen nicht die optimalen Voraussetzungen zur Mitarbeiterführung mitbringen, sieht Van Quaquebeke sie als bestens geeignet für Führungspositionen. Er zitiert in seinem Beitrag zahlreiche andere Studien, die diese These unterstreichen. Die Logik dahinter: Menschen mit paranoiden Zügen können sich in einer zunehmend unsicheren Wirtschaftswelt gut anpassen und ihr Unternehmen zum Erfolg führen können.

Die Mitarbeiter der paranoiden Chefs wurden von Van Quaquebeke übrigens nicht befragt.

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