Uber-Chef Travis Kalanick „Ich muss an mir arbeiten, um der Chef zu werden, den ihr verdient“

Uber-Chef Travis Kalanick gibt sich selbstkritisch:  „Wenn wir an Uber 2.0 arbeiten wollen, muss ich an Travis 2.0 arbeiten."

Uber-Chef Travis Kalanick gibt sich selbstkritisch: „Wenn wir an Uber 2.0 arbeiten wollen, muss ich an Travis 2.0 arbeiten."© picture alliance / dpa

Bei Uber lief zuletzt einiges schief. Jetzt nimmt Firmenchef Travis Kalanick eine Auszeit - und will die freie Zeit nutzen, um eine bessere Führungskraft zu werden. Wie kann sich ein Chef neu erfinden? Ein Experte gibt Tipps.

Die aggressive Firmenkultur beim Fahrdienst-Vermittler Uber ist berüchtigt: Immer wieder wird kritisiert, dass Leistung und Erfolg in dem Unternehmen wichtiger seien als alles andere. Zuletzt erschütterten Vorwürfe von sexueller Belästigung, Diskriminierung und Schikane das Start-up, mehrere Top-Manager verließen das Unternehmen. Turbulente Zeiten also.

Firmenchef Travis Kalanick übernimmt nun die Verantwortung für die Krise und zieht ungewöhnliche Konsequenzen: „Die ultimative Verantwortung dafür, wo wir stehen und wie wir dort angekommen sind, liegt auf meinen Schultern“, schrieb er in seiner E-Mail an seine Mitarbeiter. „Wenn wir an Uber 2.0 arbeiten wollen, muss ich an Travis 2.0 arbeiten, um der Chef zu werden, den dieses Unternehmen braucht und den ihr verdient.“

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Kalanick nimmt eine Auszeit von unbestimmter Dauer – ein einzigartiger Schritt für den Chef eines Weltkonzerns. Er wolle nachdenken, an sich arbeiten und sich darauf konzentrieren, ein „Weltklasse-Führungsteam aufzubauen“. Außerdem brauche er Zeit, um seine Mutter zu betrauern, die er vor kurzem bei einem Bootsunfall verlor. „Die jüngsten Ereignisse haben mir beigebracht, dass Menschen wichtiger als die Arbeit sind“, schrieb er.

Wie gelingt als Führungskraft ein Neustart?

Bereits Anfang März war Kalanick wegen seines Jähzorns in die Kritik geraten: Ein Video zeigte ihn in einer hitzigen Diskussion mit einem Uber-Fahrer. Damals hatte der Uber-Chef in einem schriftlichen Statement um Entschuldigung für sein Verhalten gebeten: Er sei beschämt, wie wenig respektvoll er den Fahrer behandelt habe. „Es ist das erste Mal, dass ich mir eingestehe: Ich brauche Hilfe bei der Führung“, schrieb er.

Kalanick ist nicht der einzige Firmenchef, der sich und seinen Führungsstil deutlich ändern will. Viele (reflektierte) Führungskräfte denken irgendwann, dass sie gerne einen Neuanfang hätten, dass sie Dinge gerne anders machen wollen. Aber wie gelingt so ein Neustart? Was muss man dafür tun?

„Die wichtigste Grundlage ist, dass man sich tatsächlich ändern will“, sagt Leadership-Experte Alexander Groth. „Ist das nicht gegeben, gibt es nichts, das helfen könnte.“

Holen Sie das Feedback Ihres Teams ein!

Damit Führungskräfte in der Lage sind, sich zu ändern, müssten sie ihre Stärken und Schwächen kennen. „Sie schätzen sich aber manchmal ganz anders ein als ihre Mitarbeiter.“ Daher gilt: Um sich weiterzuentwickeln, braucht man vor allem das ehrliche Feedback seines Teams. Je nach Größe der Mannschaft, kann man sich diese Rückmeldung im persönlichen Gespräch holen, oder aber durch eine anonyme Umfrage mit einem standardisierten Fragebogen. Damit die Anonymität gewährleistet ist, sollten jedoch mindestens fünf Mitarbeiter daran teilnehmen, rät Groth.

„Meine Erfahrung ist leider, dass gute Führungskräfte das Instrument lieben und diejenigen, die es nötig hätten, es meiden“, sagt Groth. „Sie halten dann zum Beispiel die Mitarbeiter nicht an, den Bogen auszufüllen und abzuschicken, sodass die Mindestzahl nicht zustande kommt. Oder sie bitten nur diejenigen Mitarbeiter, den Bogen auszufüllen, von denen sie wissen, dass sie ihnen wohlgesonnen sind oder sich trotz Anonymität nicht trauen, die Wahrheit zu sagen.“

Tatsächlich sind manche Führungskräfte geschockt, wenn sie ihre Ergebnisse bekommen und ihr Selbstbild als souveräner Leader ob der gegebenen Antworten zusammenbricht. Sie verneinen dann manchmal die Ergebnisse und halten sie für nicht wahrheitsgemäß.

Machen Sie öffentlich, an welchen Schwächen Sie arbeiten wollen!

Wie geht man damit um, wenn man von den eigenen Leuten eine Watsche bekommt? „Wirklich souveräne Führungskräfte scheuen sich nicht, den Mitarbeitern die Ergebnisse in der nächsten Besprechung vorzustellen und ihnen zu sagen, an welchen Verhaltensweisen sie arbeiten wollen“, sagt Führungs-Experte Groth. „Dabei kann man die Mitarbeiter bitten zu unterstützen, indem sie Feedback geben, sobald man sich gegen seine Vorsätze verhält. Das kann man machen, muss man aber nicht.“

Das Wichtigste sei, dass die Mitarbeiter erkennen, dass die Führungskraft etwas umsetzt und an sich selbst arbeitet. Idealerweise stellt sie die kritisierten Verhaltensweisen ab oder verbessert sich zumindest darin. Laut Groth brauche man keine Angst zu haben, sich dadurch klein zu machen. Im Gegenteil: „Damit erzielt der Chef oder die Chefin einiges an Respekt.“

Legen Sie leitende Werte fest!

Um nicht nur selbst einen Neustart zu schaffen, sondern die Kultur im ganzen Unternehmen zu ändern, empfiehlt Groth, als Unternehmen bestimmte Werte vorzugeben, die man von sich selbst, aber auch von seinen Mitarbeitern erwartet. Gemeint sei damit nicht ein Gutmensch-Katalog von 20 Punkten, sondern drei bis maximal fünf leitende Werte, die man am besten noch anhand konkreter Verhaltensweisen beschreibt. „Wenn man als Vorgesetzter auf Grundlage solcher Werte beurteilt wird – und in Mitarbeiterbefragungen ermittelt, wie gut man sie umsetzt – fängt man automatisch an, sich danach auszurichten.“

Wie Sie Unternehmenswerte mit Hilfe positiver Referenzbilder im Unternehmen verankern können, erfahren Sie in unserem Artikel: „Abstrakt formulierte Werte? Funktionieren nicht!“


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1 Kommentar
  • Isabella Goekderelian 6. März 2017 08:32

    Guten Morgen,
    der Artikel über Travis kalanick hat mihc insofern direkt angesprochen, da ich selbst auch ein eigenes Taxiunternehmen hatte und leider aufgeben musste. Eine Aussage des besagten Herrn hat mich veranlasst, weder für Uber zu fahren noch Werbung für diese Firma zu machen: „Taxifahrer sind alles Arschlöcher, die man ausrotten muss“:. Leider gab und gibt es immer noch Kollegen, denen diese Aussage am A…. vorbeigeht und die sich dennoch bei Uber anhängen, sprich sich für ein paar Euros an Uber“verkaufen. Eine Aussenwerbung am Taxi bringt gerade mal 50 Euro monatlich. Uber gab anfngs noch ein Handy dazu. Das muss nicht sein. Man kann als Taxifahrer auch ohne Uber überleben. Und zwar gut. Ich finde es empörend und menschenvrachtend, wie dieser Herr über einen Berufsstand herzieht, der ihm letzten Endes den Bestand seienr Firma ermöglicht. Und der will sich ändern? Das kann er gar nicht, schon von seiner Persönlichkeitsstruktur her. Das ist nur Retusche, die Farbe ist schnell wieder weg und der wahre Kalannick macht munter weiter. Für mich persönlich ist dieser Mann ein absolutes NO GO.
    Freundliche Grüße
    Isabella Goekderelian

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