Unternehmerin und Mutter Mama arbeitet jetzt!

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Mompreneurs Anna Yona mit ihrem Mann Ra Yona und den gemeinsamen drei Kindern.

Mompreneurs Anna Yona mit ihrem Mann Ra Yona und den gemeinsamen drei Kindern.© Anna Yona

Drei Kinder und ein Start-up: Gründerin Anna Yona schreibt in ihrem impulse-Blog über den verrückten Alltag zwischen Selbstständigkeit und Familie.

Der Messestand für Freitag ist noch nicht fertig, unser Hersteller braucht die genauen Orderzahlen, wir möchten ein Publikumsvoting gewinnen. Über die Herbstferien habe ich vergessen, Blätter fürs Laternenbasteln im Kindergarten zu pressen und unsere älteste Tochter hat das Seepferdchen noch nicht, ohne das sie das Sportabzeichen nicht machen kann. Als einzige in der Klasse.

So ungefähr sehen meine Aufgaben für diese Woche aus. Zuzüglich der vielen zeitfressenden Alltäglichkeiten wie E-Mails und Telefon, Bank, Post und Elternpflegschaft, essen, schlafen und duschen. Wobei Letzteres überbewertet ist, wie ich festgestellt habe.

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Bestimmt zitiere ich gerade den ganz normalen Alltagswahnsinn von vielen in diesem Lebensabschnitt, mit Sicherheit aber den Alltag anderer Mompreneurs – also freiberuflich tätiger Mütter.

Zwischen Büroalltag und Kinderbetreuung

Oft ist der Arbeitstag einer Mompreneur durch Kinderbetreuungs- und Bettgehzeiten definiert. Sobald die Kinder, sie sind 2, 5 und 7 Jahre alt, anwesend und wach sind, sind die Möglichkeiten eines frei denkenden und professionell handelnden menschlichen Wesens extremst eingeschränkt.

Da helfen nur enormes Organisationstalent und eiserne Nerven, wenn die Abgabe-Deadline näher rückt und der Kindergarten anruft, dass das fiebernde Kind bitte abzuholen wäre.

Aufgaben mit dem Vater aufteilen

Vor diesen Superfrauen ziehe ich den Hut und muss gestehen: Daneben bin ich das absolute Luxusweibchen. Mein Mann und ich sitzen im gleichen Boot. Wir haben gemeinsam die Firma Wildling Shoes gegründet, arbeiten mit der gleichen Leidenschaft daran, einen neuen Kinderschuh auf den Markt zu bringen, und teilen uns die Aufgaben. Wobei ich den einfacheren Part gezogen habe.

Er kümmert sich gerade hauptsächlich um Kinder und Haushalt, holt die Große von der Schule ab, erledigt Einkäufe, kocht, wäscht die Wäsche und telefoniert nebenbei mit unserem Hersteller in Portugal.

Ich darf morgens Küsse verteilen, den Kindern viel Spaß wünschen und den herrlichen Arbeitsweg von zehn Schritten ins Büro gehen. Dort die Tür hinter mir zumachen und sagen: „Mama arbeitet!“

Der Trick mit der geschlossenen Tür

Diese geschlossene Türe und imaginäre Trennlinie zwischen Spielbereich und Arbeitswelt funktioniert auch prima, wenn die Kinder spätestens um 12 Uhr mittags wieder auf der Matte stehen. Sie haben verstanden, dass ich hier ungestört sein möchte und dass ihre erste Anlaufstelle für kleine und größere Wehwehchen der Papa ist.

Aber natürlich bin ich da, wenn der Sohn mal wieder ein Möbelstück umrennt, die Tochter eine Frage zur Hausaufgabe hat und die Kleine einfach ihre Speckärmchen um meinen Hals schlingen möchte. Das ist ja auch wunderschön am Home Office.

Das schlechte Gewissen

Und doch bröckelt es hier und da unter der Fassade. Das Erste, das aufgibt, ist das gute Gewissen. Das hat man eh schon mit der Geburt der Kinder abgelegt, aber als Mompreneur wird es noch schlimmer.

Kleine Zweifel und Gewissensbisse melden sich spätestens, wenn man feststellt, dass die Kleinste noch nicht weiß, wie man eine Schere hält, und der Sohn nicht, was eine „Böschung“ ist, denn mit dem Vater sprechen die Kinder Hebräisch.

Laternen basteln und Seepferdchen bestehen

Gewissensbisse plagen mich auch, weil ich es – verdammt noch mal – verschludert habe, über die Ferien diese blöden Blätter zu pressen. Jetzt müssen wir darauf hoffen, dass die anderen, perfekt durchorganisierten Supereltern so wahnsinnig viele Blätter gepresst haben, dass für unsere Kids etwas abfällt. Damit sie mitbasteln können und nicht mit der gekauften 0815-Laterne durch die Kälte stiefeln müssen.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Seepferdchen. Wie soll der Vater der Großen auch ordentlich schwimmen beibringen, wenn er mit drei Kindern unterwegs ist, von denen er zwei ständig vor dem Absaufen bewahren muss?

Vielleicht kann ich diese Woche, wenn alle E-Mails und Kundenfragen beantwortet sind, nach Überarbeitung der Präsentation für Donnerstag die Große schnell einpacken und jeden Tag eine halbe Stunde mit ihr schwimmen gehen? Das Publikumsvoting und der Messestand organisieren sich schon von selbst.

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
4 Kommentare
  • Johanna 25. Oktober 2015 07:21

    Und was soll einem dieser Text nun sagen? Dass man die Tür im Homeoffice zu machen soll? Und dass Familie und Beruf eine Herausforderung ist?
    Sollte ein Blog nicht mehr bieten als die Beschreibung eines durchschnittlichen Familienlebens?

  • Renate Witt-Frey 25. Oktober 2015 06:07

    Dankefür den lebendigen Artikel. Ich glaube, viele Frauen kennen das und viele kennen auch das schlechte Gewissen und das Hin- und Her zwischen Job-Verantwortung und Mutterdasein. Meine Kinder sind inzwischen erwachsen. Ich wollte immer beides und durch Selbstständigkeit im Familienunternehmen (bis 2014, heute mache ich „mein eigenes Ding“ )konnte ich es besser verbinden als manch andere, dafür bin ich sehr dankbar. Bei meinem Sohn arbeitete ich zeitweise zuhause, ich habe das nicht so gut hingekriegt, weil oft BEIDES da war. Er hat es eher schweigend hingenommen, jedoch arge Eingewöhnungsprobleme im Kindergarten gehabt. Da bekam ich dann nachmittags kleine Zettelchen mit Zeichnungen über seine Sorgen… Da war wohl meine Trennung entscheidend, es kam beides zusammen, neu in der KiTa, meine erste Trennung. Meine Tochter, heute 20, hat immer laut gesagt, was sie braucht. Als sie klein war, gab es eine genauere Trennung zwischen Job und Familie. Sie wurde schnell selbstständig und ist heute erfolgreiche Friseurin in einer weltweiten Friseurkette. Als sie klein war, hab ich nach 2 Monaten wieder angefangen zu arbeiten. Ich hätte gern länger die erste Zeit genossen, aber die Firma rief… Im Großen und Ganzen war alles so in Ordnung. Ganz ohne Arbeit konnte ich mir mein Leben nie vorstellen und ich liebe meinen Job – und meine Kinder.

  • Minette von Riedesel 22. Oktober 2015 09:50

    Vielleicht tröstet es ja ein kleines wenig, zu wissen, dass es auch mir als Vollzeitarbeitende alleinerziehende Mama, immer wieder so ging. Allerdings habe ich nur einen Sohn, mittlerweile 17. Er hat ein ganzes Zimmer voll Holzeisenbahn – mein gesammeltes schlechtes Gewissen, weil er immer der erste und auch der letzte war, der im Kindergarten oder Hort abgeholt wurde. Weil es oft keine Hilfestellungen gab. Weil er sich mit 7 nach einer Woche „zeigen“ alleine in einer neuen Stadt zurechtfinden musste.
    Aber: ich hab‘ einen tollen, sehr eigenständigen Sohn. Und die zeit die wir zusammen haben ist eben einfach Quality time, die wir genießen. Vielleicht deutlich mehr als diejenigen, die Mama als full-time-Job haben und genervt sind. Genervt, nicht nur von ihren kindern sondern genervt, weil sie mit sich selbst nicht zufrieden sind.
    Sie klingen trotz allem Stress so, als ob es Ihnen gut ginge. Und damit haben Sie in meinen Augen den größten Gewinn: nur wenn es Ihnen gut geht, Sie erfüllt sind, dann kann es auch Ihren Kids gute gehen (und der Beziehung auch).
    Viel Glück!

    • Anna Yona 24. Oktober 2015 16:03

      Liebe Minette,
      wahrscheinlich schafft man es ohne schlechtes Gewissen gar nicht durch die Rush-Hour des Lebens. Irgendwer und irgendwas kommt immer zu kurz. Aber Sie haben absolut Recht – man darf sich von diesem schlechten Gewissen keine schlechte Laune machen lassen. Im Gegenteil – man sollte den Trubel dieses Lebensabschnitts in vollen Zügen genießen.
      Ich würde Quality Time auch gar nicht an ein Mindestmaß von Minuten knüpfen wollen – auch die kurzen, aber intensiven Momente können unheimlich wertvoll sein.

      Meinen Respekt davor, dass Sie das alles so gemeistert haben! Das macht Mut und inspiriert! Vielen Dank!

      Beste Grüße,
      Anna

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