Beliebte Vorurteile 5 Sätze, die Unternehmer nie wieder hören wollen

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Bloß nicht schon wieder diese Spruch - das hat sich bestimmt schon jeder Unternehmer einmal gedacht.

Bloß nicht schon wieder diese Spruch - das hat sich bestimmt schon jeder Unternehmer einmal gedacht. © Lucas1989 / photocase.de

Manche Vorurteile und Killerphrasen können einen echt auf die Palme bringen. impulse-Blogger Sven Franzen hat fünf Sätze aufgeschrieben, die er als Unternehmer am liebsten nie wieder hören würde.

Unternehmer sind Macher, Gewinner-Typen und einige von ihnen Perfektionisten mit dem Drang zum Idealismus. Zusammengefasst: Unternehmer sind passioniert und leidenschaftlich bei der Sache, stehen für ihre Idee und Unternehmen ein. Wie ist so ein Unternehmer eigentlich gestrickt? Was ist sein Charakter? Womit bringt man Unternehmer-Typen auf die Palme und was wollen sie so gar nicht hören? Eine – höchst subjektive – Liste.

1. „Ihr Unternehmer verdient sehr viel.“

Es existiert offensichtlich der weit verbreitete Irrglaube, Unternehmer seien immer „reich“. Demzufolge muss man nur ein Gewerbe anmelden und schon kommt der Reichtum ins Haus. Mit diesem Stereotyp möchte ich aufräumen, denn dem ist nicht so. In den letzten zwölf Jahren habe ich hunderte Gründer und Start-ups begleitet, mit dem eigenen Unternehmen erfolgreich zu werden. Viele von ihnen haben einen sehr gut bezahlten Job an den Nagel gehängt, um „ihr Ding“ zu realisieren. Dafür nahmen sie auch hohe Einkommenseinbußen in Kauf. Wofür machen diese Unternehmer das dann, mag sich der eine oder andere fragen. Genau dafür: für eine Passion, für eine Idee und die eigene Umsetzung in Freiheit. Da steht Geld nicht an erster Stelle. Geld verdienen ist gut, sollte aber nicht Motivator Nummer 1 eines Unternehmers sein. Zudem tun Unternehmer auch viel und geben zurück.

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Mein Lebensmotto ist: „Wer viel gibt, bekommt auch viel zurück“. Unter anderem schaffe ich durch mein Unternehmen Arbeitsplätze, zahle Steuern, spende an karitative Zwecke und engagiere mich ehrenamtlich, ob bei den Wirtschaftsjunioren, der IHK-Vollversammlung oder als Schöffe zu Gericht. Unternehmer geben der Gesellschaft viel – das wird häufig nicht gesehen und wertgeschätzt. Abschließend: Es gibt viele Unternehmer, die viel verdienen – es sei ihnen gegönnt. Sie tragen auch viel Verantwortung und Risiken sowie die Aufbauarbeit des Unternehmens auf ihren Schultern – Hut ab, statt Kritik.

2. „Das geht nicht.“

Ein herrlicher Ausruf. Doch was genau soll ich als Unternehmer damit anfangen? Wenn ich damals bei meiner Gründung so da ran gegangen wäre, dann gäbe es mein Unternehmen heute nicht. Als ich gründete – mit 16 Jahren – gab es viele Unkenrufe wie: „Das schafft er ja eh nicht!“ oder „Woher hat der junge Kerl denn seine Kompetenz?“. Tatsächlich kann man als Minderjähriger mit 16 noch kein Unternehmen gründen. Man kann aber auch eine gesetzliche Ausnahmeregelung beantragen und es einfach tun.

Unternehmer sind Macher und Optimisten durch und durch und erwarten möglicherweise viel von ihren Mitarbeitern und Gegenüber. Ich persönlich erwarte nur, dass man mir zumindest nicht sagt, es ginge nicht. Das Ziel ist es, die Herausforderung zu lösen und Wege zu finden, dass es geht. Sämtliche Risiken und Kalkulations-Szenarien werden zwar in eine Entscheidungsfindung eingebunden, Pessimisten sind für uns jedoch mehr als nervig.

Es ist nicht nur enttäuschend, nicht einmal eine Chance zu erhalten, es ist auch nervig zu hören, dass die eigenen Ideen angeblich nicht funktionieren oder es viele Risiken gibt. Schön sind auch Ausführungen wie: „Wenn es so einfach wäre, würde das ja jeder machen“. Das tut aber nicht jeder – weil es Gründe dafür gibt, die andere davon abhalten. Genau das macht Unternehmer zu Machern: Sie wägen ab, entscheiden – und machen.

3. „Ihr Unternehmer lasst andere für Euch arbeiten.“

Viele sind der Meinung, dass Unternehmer in erster Linie auf Bewirtungsbeleg nett mit Kunden essen gehen und es sich so richtig gut gehen lassen. Während der Angestellte im Büro schuftet, steht der Unternehmer auf dem Golfplatz und spielt in der Sonne Golf – soweit der Stereotyp. Richtig ist, dass die meisten Unternehmer Arbeitsplätze geschaffen und Mitarbeiter eingestellt haben, die gewisse Aufgaben übernehmen; die Gründungsarbeit steht aber auf der Rechnung der Unternehmer. Außerdem arbeiten Unternehmer – trotz Mitarbeitern – weiterhin engagiert und viel (zumindest diese, die ich kenne). Und sollte es einmal zu Herausforderungen oder Schieflagen im Unternehmen kommen, stecken die meisten Chefs zuerst selbst zurück. Denn sie leben für ihr Unternehmen – es ist ihr Lebenswerk.

So auch bei mir: Ich würde jederzeit für mein Unternehmen und meine Mitarbeiter zurückstecken, falls Herausforderungen auf uns zukommen, und habe das auch in der Vergangenheit bereits getan. In einer schwierigen Situation, als hohe Außenstände nicht bezahlter Rechnungen offen standen, verzichtete ich zuerst auf mein Gehalt und bezahlte die Mitarbeiter weiter. Der ehrbare Kaufmann eben.

4. „Das hab‘ ich Dir ja gleich gesagt!“

Als Unternehmer müssen wir häufig schnell entscheiden. Dass hierbei auch Fehlentscheidungen zum Repertoire gehören, versteht sich von selbst. Fehler kosten meist Geld und Nerven. Das sogenannte Lehrgeld ärgert, aber der Verlust lehrt zugleich. Hier braucht es kein „Sahnehäubchen“ von dritter Seite mit ungewünschten Kommentierungen wie „Das hätte ich vorher prophezeien können“ oder „Du wolltest ja nicht auf mich hören“.

Hier prallen zwei Welten aufeinander: die des Besserwissers (und zumeist Pessimist), der gerne die Welt unaufgefordert belehrt, und die des Machers, dem Unternehmer. Die Spezies des Unternehmers weiß genau, welchen Fehler sie gerade begangen hat, und spürt die Auswirkungen meist am stärksten und direktesten. Uns hilft Unterstützen und zukunftsorientiertes Vorausschauen mehr als verbales „Nachtreten“.

5. „Ihr Unternehmer könnt ja alles absetzen.“

Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass Unternehmer alles von der Steuer absetzen können. Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem klare Gesetze und damit Regeln für jeden Bürger gleichermaßen gelten. Darunter fallen überraschenderweise auch Unternehmer. Konkret heißt das: Es kann nur das abgesetzt werden, wofür es auch eine gesetzliche Grundlage gibt. Wir können nicht einfach willkürlich alles von der Steuer absetzen, unabhängig ob es dem Unternehmenszweck nahe ist und dem Unternehmen dient.

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8 Kommentare
  • Landwehr Martin 16. Mai 2016 10:49

    Sehr geehrter Herr Franzen, werte Damen und Herren!
    Zu meiner Person: Ich bin seit 1972 selbständig mit einem Handwerksbetrieb, 2 Mitarbeiter auf dem Gartengeräte-sektor, 4 Kinder. Wegen der drastischen Veränderung in der Wirtschaft ist eine Nachfolge nicht zu erkennen.
    Warum gibt es keine Macher mehr? Ich meine, es gibt viele Gründe dafür. Zum Einen finden die Kinder der großen Unternehmer teils nicht den Weg in den elterlichen Betrieb, warum auch immer, weiß ich nicht. Zum anderen werden die jungen angehenden Manager falsch belehrt. Sie werden von der Schule weg in führende Positionen gesteckt ohne praktische Erfahrung zu haben. Da werden dann gelernte Methoden hineingedrückt und alte erfahrene Leute zur Seite gedrängt. Diese Manager bekommen den Posten auf eine gewisse Zeit und werden dann nach 2-3 Jahren ausgewechselt, sollte der Erfolg nicht ausreichen. Wie soll denn da eine gesunde Kultur gedeihen? Das nächste ist die Verlagerung der Produktionen nach Fernost, um möglichst billig produzieren zukönnen. Die Folge ist, in Deutschland findet keine Massenbeschäftigung mehr statt. Es soll wohl in Deutschland und Europa die Ware erfunden und entwickelt werden, von hochdotierten Leuten, was wohl in Zukunft auch in Fernost erfolgen wird, Ergebnis? ? ? Wie will man die Masse an Menschen beschäftigen? Die Folgen erscheinen mir als besonders schwierig für unsere Nachkommen.
    Bitte darüber nachdenken, bevor es zu spät ist!
    Gruß Landwehr

  • Astrid Mohné 10. Mai 2016 11:29

    Bravo, meine Damen und Herren,

    Chapeau, chapeau für den Satz: „Die Firma ist mein Lebenswerk“!!!

    Als Alleinerziehende Mutter, Ethnologin und Autorin habe ich meine Kids bereits mit 5 Monaten mitgeschleppt…in mein Traumland Südafrika. Nicht ohne meine Kids zum Kap war die Devise für eine Nische : Familienreisen.
    „Das geht aber gar nicht….wehe Du tust das MEINEM Enkelkind an…wurden mir die schlimmsten Warnungen mitgeben…vor den bösen Schwarzen in den Townships..und Kriminalität und hhaahhha Aids ….mein kleiner Sohn ist nach seinem Patenonkel benannt. LENNOX, kommt von Lennox Taus Khayelitscha, Township Südafrika….noch nie ist uns etwas passiert..

    Vielen Dank
    Lg
    Astrid Mohné

  • Christoph Strebel 9. Mai 2016 21:40

    In einem Ingenieurbüro las ich:
    „Alle wussten, das geht nicht. Doch dann kam einer, der wusste das nicht, und der hat es dann gemacht.“

    • harald schubert 10. Mai 2016 13:28

      einer der schönsten und wichtigsten Sätze. Respekt

    • Nate 12. Mai 2016 10:58

      »Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer und tat es einfach. Und siehe da: Es ging wirklich nicht.«

  • Michael Reich 9. Mai 2016 19:58

    Sehr geehrter Herr Franzen,

    es ist in der Tat bedauerlich, daß Unternehmercharaktere von vielen Nicht-Unternehmern so verzerrt dargestellt werden.
    Das liegt wohl daran, daß es in Deutschland an einer ausgeprägten Unternehmenskultur
    fehlt. Dazu kommt, daß es den klassischen Unternehmer großer Betriebe immer seltener gibt und dieser Unternehmenstypus vom angestellten Manager abgelöst wird.
    Ich selbst bin kein Unternehmer im klassischen Sinn, habe mich jedoch immer als
    unternehmerischer Angestellter gesehen. Dies wird jedoch häufig von bestimmten Kollegen und auch von so manchem Vorgesetzten nicht gerne gesehen. Diese Erfahrung habe ich häufig in meinem Berufsleben erleben müssen.
    Ich denke jedoch, daß ein Unternehmergeist auf alle Angestellten übergreifen sollte,
    um Produktivitätszuwächse langfristig zu sichern. Dies hätte auch zur Folge, daß das oft schlechte Image der Unternehmer steigt.

    Mit freundlichem Gruß

    Michael Reich

  • HKN 9. Mai 2016 11:10

    Sehr geehrter Herr Franzen,

    klares „Ja“ zu „1.“, „3.“ und „5“. Aber „2.“ und „4.“ kann ich so nicht mittragen: wer das „Das geht nicht“ nicht hören will, und – nachdem es tatsächlich nicht ging – das „Das habe ich vorher gesagt“ auch nicht, kommt mir eher selbstverliebt und beratungsresitent rüber.

    Herzliche Grüße und weiter viel Erfolg!
    HKN

    • Ralf Philipp Stern 9. Mai 2016 13:55

      Sehr gehrter Herr,

      so wie Sie kann „man“, Sie, das sehen und interpretieren.
      Gleichzeitig ist auch ein „und“ oft hats eben beim 10 mal geklappt. Haette Edison beim hundertsten mal aufgegeben, weil er nach Ihrer Sicht nicht als sag ich mal „selbstverliebt“ gelten wollte, gaebe es vielleicht bis heute keine Gluehbirne.

      Und .. Es geht den meisten Machern um eine Loesung die weit ueber kurzfristigen persoenlichen Nachteilen steht!

      Das ist auch eine Sichtweise. Wie es noch x andere gibt. Soll sagen es kann auch genau umgekehrt gesehen werden wie Sie es sehen. Jeder nach seiner moeglichen Sicht. Unabhaengig von Wahrheitsanspruchsunterstellung. Meist kann jeder nur das denken, wie er Selbst im Innern ist! Gruss.

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