Business-Knigge für Österreich Einfach mal locker machen

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Meetings im Caféhaus sind trotz entspannter Atmosphäre professionell.

Meetings im Caféhaus sind trotz entspannter Atmosphäre professionell.© Creativemarc - Fotolia.com

Die Österreicher sind doch genau wie wir, oder? Vorsicht. Wer unseren Nachbarstaat im Süden wie ein siebzehntes Bundesland behandelt, kann nur verlieren. Auf impulse.de erklären Unternehmer, wie die Zusammenarbeit am besten klappt - und warum das Lied "Wir würden nie zum FC Bayern München gehen" tabu ist .

Deutsche und Österreicher haben vieles gemeinsam – aber eben nicht alles. „Die kulturellen Unterschiede sind natürlich nicht so ausgeprägt, wie es zum Beispiel im Vergleich mit Asiaten ist“, sagt der deutsche Unternehmer Achim Schäflein, „aber es gibt schon ein paar Dinge, die Deutsche beachten sollten.“ impulse.de hat mit drei deutschen Geschäftsleuten gesprochen, die viel Erfahrung mit österreichischen Partnern haben. Hier lesen Sie ihre Tipps für eine gelungene Geschäftsbeziehung:

Tipps zum Business-Knigge für Österreich

1. Sprechen Sie jeden Österreicher mit seinem vollständigen Titel an – selbst wenn der sehr, sehr lang ist

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Guten Tag, Frau Magister Bomba! An diese Anrede musste sich Hania Bomba, CEO bei dem österreichischen Unternehmen Regioplan, erst einmal gewöhnen. In Deutschland gehört der akademische Grad „Magister“ schließlich nicht zur Anrede. „In Österreich ist das aber normal“, erzählt sie, „die Titel werden hier sehr wichtig genommen.“ Egal ob Doktor, Ingenieur, Professor, Diplombetriebswirt oder eben Magister. Sie rät: Immer alle akademischen Titel und Grade nennen, auch wenn es siebzehn verschiedene sein sollten. „Sie gehören einfach zum Namen dazu, auch bei einer Mail oder einem Brief.“

2. Siezen Sie Ihre Geschäftspartner

In Österreich werde die Anrede nicht nur in Hinsicht auf akademische Grade und Titel tendenziell noch einen Schritt höflicher gehandhabt als in Deutschland, sagt Achim Schäflein, Inhaber und Geschäftsführer der deutschen Schäflein AG. Das Logistikunternehmen ist gerade nach Österreich expandiert. Seiner Erfahrung nach wird das ‚Sie‘ dort konsequenter beibehalten, als in Deutschland: „Es dauert deutlich länger, bis Geschäftspartner miteinander ins ‚Du‘ kommen“, sagt Schäflein.

3. Machen Sie Ihre Wertschätzung deutlich

„Die Österreicher haben es gar nicht gern, wenn Deutsche ihr Land so behandeln, als wäre es ein weiteres Bundesland“, sagt Hania Bomba. Leider haben unsere südlichen Nachbarn häufig die Wahrnehmung, dass deutsche Geschäftspartner ihnen gegenüber herrisch auftreten. Das liegt nicht nur an geschichtlichen Altlasten und Vorurteilen, sondern zum Teil auch an der Sprache: „Der deutsche Akzent hört sich für den Österreicher sehr hart an, schon dadurch entsteht oft dieser Eindruck“, sagt Bomba. Den österreichischen Akzent nachzuahmen ist dafür sicher keine Lösung. Doch den Eindruck der Härte kann man auch anders ausgleichen: „Wir Deutschen müssen aufpassen, dass wir sehr wertschätzend sind“, sagt Bomba.

4. Punkten Sie mit deutscher Pünktlichkeit, aber lassen Sie den Kontrollwahn zuhause

In einem sind uns die Österreicher wohl ähnlicher, als viele andere Nationen: Termine, die einmal vereinbart sind, finden auch statt. Und zwar pünktlich. Hier dürfen Sie die deutsche Tugend also hemmungslos ausspielen und damit Pluspunkte sammeln. „Die deutsche Zuverlässigkeit wird sehr geschätzt“, sagt Christoph Augustin, Geschäftsführer der ECE Projektmanagement Austria GmbH. Aber verkneifen Sie sich lieber, nach dem Meeting noch eine Mail mit der Zusammenfassung zu schicken: „Schriftliche Protokolle nach Gesprächen sind in Österreich unüblich“, sagt Hania Bomba.

5. Machen Sie sich locker und seien Sie offen für Zwischenlösungen

Wenn Österreicher über Deutsche witzeln, dann geraten Begriffe wie „Generelles Rauchverbot“ gerne in die Schusslinie. „Ein Rauchverbot gibt es hier zwar auch“, erzählt Hania Bomba, „aber eben kein generelles. Der Österreicher ist lockerer, der sagt eher: Regeln ja, aber man kann auch mal ein Auge zudrücken.“ Auch im Geschäft schätzen Österreicher Zwischenlösungen – wer darauf eingeht, kann gute Kompromisse erzielen.

6. Ein Meeting im Caféhaus ist immer noch ein Meeting

Bei geschäftlichen Besprechungen gehen es die Österreicher gerne gemütlich an: „Meetings sind in Deutschland meistens stark strukturiert, die Agenda wird oft im staccato abgearbeitet und sie finden im Büro statt. Das ist in Österreich anders. Hier wird ein Meeting auch gerne mal ins Caféhaus verlegt“, sagt Christoph Augustin. Das heißt aber nicht, dass es deshalb weniger professionell zugeht. „Ein Gespräch ist im Caféhaus durchaus genauso zielführend, es findet eben nur in einem netteren Rahmen statt.“

7. Zum Netzwerken geht’s auf den Golfplatz, in den Wald – oder auf’s Parkett

„Sport ist in Österreich sehr wichtig, um Kontakte aufzubauen“, sagt Hania Bomba. Die gute Nachricht zuerst: Sie brauchen nicht Ski fahren zu lernen. Das ist nämlich eigentlich total out – schließlich kann jeder Österreicher mit Bravour eine Piste herunterwedeln. Viel angesagter sind momentan andere Sportarten: „Golf ist sehr in“, sagt Bomba, „aber noch angesagter ist es, zur Jagd zu gehen. Wem das liegt, der kann damit sehr schnell neue Kontakte knüpfen.“

Für alle, die mit Golfspielen und Jagen nichts anfangen können: Trauen Sie sich auf einen Ball! „Bälle sind nach wie vor sehr beliebt in Österreich“, sagt Hania Bomba. „Gute Tanzkenntnisse sind aber nicht vorausgesetzt, es gibt immer einen kleinen Nebensaal, in dem normale Musik läuft.“ Wenn Sie dem Gegenüber Interesse an seiner Kultur vermitteln wollen, dürften Sie auch ruhig als Deutscher mal den gemeinsamen Besuch einer Ballveranstaltung vorschlagen.

8. Schimpfen Sie nicht auf den FC Bayern München

Fußball sei in Österreich ein sehr gutes Small-Talk-Thema, sagt Achim Schäflein, Chef der Schäflein AG. „Mir sind nur wenige Österreicher begegnet, die von Wintersport geschwärmt haben, obwohl das ja das gängige Vorurteil wäre. Aber beim Fußball, da sind sie alle mit Begeisterung dabei.“ Im Salzburger Raum hat Schäflein bei Gesprächen etwas Interessantes beobachtet: „Viele dort sind eher Fan vom deutschen FC Bayern als von den Red Bull Salzburg“, sagt er. Wer also zu der Fraktion gehört, die gerne lautstark „Wir würden nie zum FC Bayern München gehen“ singt, sollte sich beim Small Talk erst einmal vorsichtig zurück halten.

Tipp für das Geschäftsessen in Wien: Das Fischrestaurant „Lubin“

„Das ‚Lubin‘ ist eines der besten Fischrestaurants der Stadt“, findet Hania Bomba. Dort wird kroatische Küche in gemütlichem Ambiente serviert, zu moderaten Preisen. „Dazu gibt es eine sehr gute Auswahl kroatischer Weine“, lobt Bomba. Das Fischrestaurant Lubin ist vom Wiener Hauptbahnhof aus mit dem Auto in etwa 20 Minuten erreichbar.

Unsere Gesprächspartner:

Der deutsche Unternehmer Achim Schäflein ist mit seiner Firma gerade nach Österreich expandiert: Im Mai eröffnete die Schäflein Logistics GmbH, ein Tochterunternehmen der Schäflein AG, einen neuen Standort in Hallein bei Salzburg.

Hania Bomba wurde 1978 in Polen geboren, zog als Kind nach Deutschland und hat seither einen deutschen Pass. Seit 13 Jahren lebt die studierte Dolmetscherin und Übersetzerin in Österreich. Seit 1999 arbeitet sie für die Firma Regioplan, wo sie neben dem Inhaber die zweite Geschäftsführerin ist. Regioplan ist auf standortrelevante Themen rund um den Einzelhandel spezialisiert und unterstützt europaweit Unternehmen bei der Positionierung von Handelskonzepten. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Ikea und Deichmann.

Christoph Augustin ist seit 2010 Geschäftsführer der ECE Projektmanagement Austria GmbH. Die österreichische Landesgesellschaft ist eine Tochter der Hamburger ECE Projektmanagement GmbH. & Co.KG. Die ECE wurde 1965 von Werner Otto gegründet und befindet sich bis heute im Besitz der Familie Otto. Das Unternehmen ist europäischer Marktführer auf dem Gebiet innerstädtischer Shopping-Center. Christoph Augustin pendelt für seine Tätigkeit hauptsächlich zwischen Hamburg und Wien, besucht aber auch häufig die Center der ECE in Innsbruck, Klagenfurt und Linz.

 

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