Ziel-Fokussierung Mehr Fokus bitte: Wie wir Ablenkungen widerstehen

Ziel-Fokussierung: So verlieren Sie Ihr Ziel nicht aus den Augen.

Volle Konzentration aufs Wesentliche: Um bei der Sache zu bleiben, rät Hermann Scherer dazu, vom Ergebnis her zu denken. Denn erst wer sein Ziel kennt, kann Strategien entwickeln, es auch zu erreichen. © complize / photocase.de

Viele Menschen haben Ziele und Träume – aber die meisten verzetteln sich mit Nebensächlichkeiten. Wie gelingt es, sich auf die Aufgaben zu fokussieren, die einen wirklich ans Ziel bringen?

Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit, Konzentration – nennen Sie es, wie Sie wollen, für mich ist es ein- und dasselbe und das Erfolgsrezept schlechthin: das zu tun, was einem das Wichtigste ist, und dem alles andere unterzuordnen. Und wenn Sie so ein Durchhaltevermögen an den Tag legen, kommt das Glück ganz von allein. Das behaupte ich nicht einfach, das lehrt die Erfahrung vieler erfolgreicher Menschen. Aber in meinem Umfeld, bei meinen Teilnehmern und Kunden, muss ich feststellen – und dass macht mich geradezu wütend –, dass über 90 Prozent eben nicht fokussiert sind: Sie verzetteln sich, machen zu viel gleichzeitig. Sie verlieren ihr Ziel aus den Augen, bevor sie richtig Gas geben. Sie meinen es nicht wirklich ernst.

Wie aber gelingt es, nicht vom Weg abzukommen? Wie schafft man es, sich so zu fokussieren, dass man seine langfristigen Ziele erreicht?

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1. „Leistung ist Potenzial minus Störfaktoren“

Der erste Schritt ist Bewusstmachung: Jeder von uns trägt ein riesiges Potenzial in sich, jeder ist einzigartig. Nur leider scheint bei vielen von uns, und da schließe ich mich nicht aus, dieses außergewöhnliche Potenzial unter einer großen Last von Hindernissen, Behinderungen, Hemmnissen verschüttet, wenn nicht sogar erdrückt worden zu sein.

„Leistung ist Potenzial minus Störfaktoren.“ Schreiben Sie sich das mal ganz groß an die Wand, auf Ihr Smartphone oder ins Bewusstsein. Das ist übrigens nicht von mir, das ist wahrhaft meisterlich: In dem Schweigekloster, das ich vor ein paar Jahren besuchte, durfte man einmal in der Woche mit dem Meister sprechen. Nur fünf Minuten, für die ich mir eine besonders schwierige Frage überlegt hatte: „Meister! Was ist für dich Leistung?“ Die Antwort hat mich dann regelrecht sprachlos gemacht, das Gespräch war nach zehn Sekunden vorbei und ich hatte genug Stoff zum Nachdenken für die restlichen Tage.

2. Die 71. Idee ist die beste

Um Ihr Potenzial auch nur annähernd auszuschöpfen, brauchen Sie Zeit, Konzentration und ein wenig Kreativität. Sie brauchen gute Ideen. Und da verrate ich Ihnen gleich noch ein Geheimnis: So wie jeder Potenzial hat, hat auch jeder gute Ideen. Wirklich jeder, auch Sie und ich. Gute Ideen zu haben, ist überhaupt kein Engpass. Ob Sie kreativ sind oder nicht, entscheidet sich ganz woanders, nämlich bei Ihrem Umgang mit Ihren Ideen. Genauer gesagt: Bei Ihrem Umgang mit Ihrem Ideenfilter.

Sind Sie der Typ, der eine Vielzahl an Ideen zulässt, diese sorgfältig sortiert und bewertet – oder stürzen Sie sich gleich auf die erste? Das wird dann mit Sicherheit ein Quick Win. Für den Long Win brauchen Sie nämlich in der Regel 70 Ideen, die Sie wieder aussortieren – ab der 71. Idee wird’s spannend! Bitte fragen Sie mich nicht, wie man auf so eine Zahl kommt. Das ist mir auch völlig egal. Was mir gefällt an dieser 71: Dass es Zeit braucht, bis man da überhaupt hingekommen ist.

3. Sie brauchen eine zukunftsantizipierende Timeline

Zeit und Mut, das sind die Zutaten für den dritten Schritt: Sie entwickeln eine zukunftsantizipierende Timeline, also eine Zeitleiste. Klingt vielleicht schräg, ist aber bodenständig: Sie dokumentieren nämlich zuerst einmal, wie Sie die letzten Jahre erlebt haben. So erkennen Sie sich selbst, eigene Erfolge oder auch Umwege viel genauer, können sich wertschätzen und im nächsten Schritt einen klareren Schlussstrich ziehen. Denn nun lassen Sie die Vergangenheit ruhen und springen gedanklich in die Zukunft. Wo wäre da Ihre Idealposition? Und zwar ganz unabhängig davon – und das ist das Wichtigste dabei! –, ob Ihr heutiges Leben eine solche Idealposition zulässt oder möglich erscheinen lässt. Erst wenn Sie so eine wünschenswerte Idealposition gefunden, herausmodelliert und konkretisiert haben, prüfen Sie, ob es einen möglichen Pfad von Ihrem gegenwärtigen Leben zur Idealposition gibt.

Wie sieht der Weg zum Ziel nun aus? Gibt es einen Pfad oder sehen Sie nur eine riesige Lücke zwischen Ist-Situation und Idealposition? In jedem Fall wird es an dieser Stelle anstrengend. Denn nun erarbeiten Sie Umsetzungsszenarien. Ob Sie dabei mit „daily milesstones“ und damit täglichen Zielvorgaben oder lieber mit den großen Meilensteinen arbeiten, ist sehr personenabhängig. Wer sich tägliche Ziele setzt, hat auf jeden Fall mehr Umsetzungskontrolle. Wer mit größeren Meilensteinen arbeitet, der ist vielleicht motivierter, weil er nicht gar so kleine Erbsen zählen muss. So oder so, das Gute an der Timeline im Hinterkopf: Sie haben eine zukunftsgerichtete Kernausrichtung und damit einen Kompass für Ihre Entscheidungen in der Gegenwart, der Ihnen wahre Durchbrüche erlaubt. Sie können jederzeit prüfen, ob Sie auf Zielkurs sind, und Sie erhalten gleichzeitig neue Inspiration und Ideen, was in der Zukunft angepasst, neu entwickelt oder komplett anders sein muss. Außerdem erfahren Sie, welche Baustellen die dringlichsten sind und was im Augenblick am meisten Sorgen bereitet.

4. Seien Sie verbindlich gegenüber sich selbst

Aber Sie müssen natürlich am Ball bleiben – und da sind wir wieder beim Thema. Ich rate im letzten Schritt zu einem Vertrag mit sich selbst. Informell ist das durchaus üblich: Wann immer wir eine Beziehung, eine Kooperation, einen Arbeitsvertrag eingehen, dann ist das ein Leistungsversprechen. Und wenn wir mit uns selbst in ein Zwiegespräch gehen und uns fragen, was wir so mit unserem Leben anfangen wollen, dann ist das, was wir uns als Antwort geben, sofern wir uns eine sinnvolle Antwort geben, ein Leistungsversprechen an uns selbst. So oder so.

Nur: Sie machen sich Ihr Versprechen sich selbst gegenüber bewusst, Sie legen den Fokus auf das eigene Wort und geben alles, um es zu halten. Wirklich alles, auch in der letzten Spielminute bei zwei Toren Rückstand. Selbst wenn Sie dennoch verlieren, haben Sie gewonnen. Ein Stückchen Selbstachtung nämlich.

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