• Sieben Tipps für ein gutes Gewissen

    Geschäfte mit gutem Gewissen zu machen, ist in Schwellenländern oft eine Herausforderung

    Die Menschenwürde ist unantastbar. Egal, wo

    Der erste Satz des Grundgesetzes sollte für ­verantwortungsvolle Unternehmer nicht nur in Deutschland gelten, sondern überall auf der Welt.

    Unternehmer können etwas verändern

    Je vernetzter die globalisierte Welt, desto größer die Macht von Unternehmen. “Für Mittelständler ist das Thema noch neu”, sagt Christoph ­Lütge von der TU München. “Aber das Bewusstsein, dass jede Firma in vielen Ländern auch ein politischer Akteur ist, wächst.” Bei Bürger­rechten wie Meinungsfreiheit ließen sich Auto­kraten durchaus von internationalen Investoren beeinflussen. “Unternehmer haben oft die Macht, etwas zu verändern”, sagt Lütge. Das fängt im Kleinen an: So sorgen einige Unternehmen dafür, dass sich an ihre Verhaltens­regeln, den Code of Conduct, nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Lieferanten halten.

    CSR ist nicht nur eine englische Abkürzung

    Corporate Social Responsibility – ein sperriger Begriff, der oft nur eine Floskel ist. “Meist ist das Thema auf Hochglanzbroschüren beschränkt”, sagt Wirtschaftsethiker Lütge. “Das ist auf Dauer unglaubwürdig.” Werte müssten gemanagt werden wie Lieferketten. Initiativen und Selbstverpflichtungen, die von Dritten geprüft werden, helfen dabei. Ein Ansatz ist die Initiative Global Compact des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan. Dahinter verbirgt sich ­eine Art Zehn Gebote für Firmen. Es geht um Menschenrechte, Arbeitsnormen und Umweltschutz. Tausende Firmen machen bereits mit.

    Es gibt keine universell geeigneten Standards

    “Es wird komplexer, wenn nicht die Ethik des Individuums im Vordergrund steht, sondern zum Beispiel die Familie”, sagt Josef Wieland vom Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik, der den ISO-Standard 26 000 zur gesellschaftlichen Verantwortung mitentwickelt hat. Mitarbeiter des taiwanischen Elektronikzulieferers Foxconn etwa, wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik, hätten wenig Interesse an Ruhe­zeiten und weniger Überstunden. Vielmehr plage sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich ausruhen, statt für das Wohl ihrer Familie zu arbeiten. “Man muss die Leute fragen, was sie wirklich brauchen”, sagt Wieland.

    Doppelmoral lässt sich auf Dauer nicht geheim halten

    Sie hauten mächtig auf den Putz. Ein “Wertebaum” stehe für den hohen ethischen Anspruch von Weis Industries aus Waiblingen in Baden-Württemberg. “Wir rufen uns den Wertebaum immer wieder in Erinnerung und prüfen, ob die Werte auf allen Gebieten beachtet wurden”, tönte Geschäftsführer Hubert Sajonz in dem Buch “Es ist an der Zeit: Mittelständische Vorreiter ethischen Handelns”. Im Firmenkodex steht: Korruption werde bei “jeglichem geschäftlichen Handeln im In- und Ausland ab­gelehnt”. Blöd nur: Als das Buch erschien, ­ermittelte schon die Staatsanwaltschaft. Der dringende Verdacht: ein außergewöhnlich krasser Fall von Korruption. “Ausgerechnet der Geschäftsführer und persönlich haftende Gesellschafter, der die Belegschaft so auf Integrität einschwört, steht selbst unter Korruptionsverdacht”, schrieb die “Stuttgarter Zeitung”. “Eine Nachfrage, wie man angesichts der ethischen Grundsätze mit dem Verdachtsfall in der Unternehmensspitze umgehe, blieb ohne Reaktion.”

    Die ethischen Grenzen muss jeder für sich ausloten

    Viele Unternehmer orientieren sich an Em­bargos und Freigaben des Auswärtigen Amtes, wenn es um die Entscheidung geht, in welchem Land sie Geschäfte machen. Aber Despoten wie Hosni Mubarak, Muammar al-Gaddafi oder ­Baschar al-Assad haben eines gemeinsam: Im Westen galten sie lange als vertrauenswürdige Geschäftspartner, die in ihren Ländern für Stabilität und Sicherheit sorgten. Als sich mit Blick auf Ägypten, Libyen und Syrien der politische Wind drehte, fanden sich westliche Unternehmer plötzlich in der Schmuddelecke. Pech für alle, die sich hinter der Politik versteckt hatten, statt sich eine Meinung zu bilden.

    Auch auf die Außenwirkung kommt es an

    Es hätte eine schöne Kampagne werden können: Kia, ein Unternehmen mit Herz für die Armen. Auf Facebook schrieb der Autobauer neben das Bild eines weinenden Kindes: “Für jedes Like, das wir erhalten, versorgen wir eine sudanesische Familie mit Essen für einen Tag.” Die Empörung war groß. “Wenn Kia wirklich etwas ­daran liegt, sollte es den Familien einfach so helfen und nicht damit um Aufmerksamkeit für die Marke buhlen”, so eine Reaktion. Wenn Unternehmer Entscheidungen treffen, kommt es nicht nur darauf an, wie diese ethisch zu bewerten sind. “Es geht darum, vorher abzuschätzen, wie es ankommt”, sagt Ethiker Andreas Suchanek von der Handelshochschule Leipzig.

    • Quelle: impulse
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