Management So rekrutieren Sie Fachkräfte und Azubis in Südeuropa

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Die vier jungen Spanier haben einen Ausbildungsplatz im Bauunternehmen von Konrad Mezger bekommen.

Die vier jungen Spanier haben einen Ausbildungsplatz im Bauunternehmen von Konrad Mezger bekommen.© Handwerkskammer Ulm

Viele Unternehmen in Deutschland suchen händeringend nach Fachkräften und Azubis. Gleichzeitig sind in Südeuropa Tausende qualifizierte junge Leute arbeitslos. In einer neuen Serie stellt impulse.de Programme und Initiativen vor, die Arbeitgeber bei der Suche nach Mitarbeitern aus dem Ausland helfen – und erklärt, was konkret gefördert wird.

„Wir suchen guten Nachwuchs und dieser ist bei uns sehr schwierig zu bekommen“, sagt Konrad Mezger. Er ist der Geschäftsführer des Bauunternehmens Geiger und Schüle Bau in Ulm. Lange hat er vergeblich gesucht. Doch nun hat er ihn gefunden: in Spanien. Neun junge Männer aus Andalusien, zwischen 20 und 25 Jahre alt, werden im Herbst in den Betrieben seiner Firma eine Ausbildung beginnen – als Anlagenmechaniker, Rohrleitungsbauer oder Gleisbauer.

„Ich kenne die deutsche Art, Freundlichkeit und Pünktlichkeit, ich mag das“, sagt der 25 Jahre alte Manuel Pena, der einen der Plätze ergattert hat. Er wolle die Sprache lernen, die Ausbildung gut machen und „hier etwas erreichen“.

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In dem südeuropäischen Land sind 56 Prozent der jungen Menschen ohne Job – Spanien hat damit nach Griechenland die zweithöchste Jugendarbeitslosenquote in der EU. In Deutschland dagegen blieben im vergangenen Jahr 33.000 Lehrstellen unbesetzt. Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften.

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen in den nächsten vier Jahren rund 5000 junge Spanier hierzulande einen Ausbildungsplatz oder Job bekommen. Das ist zumindest das Ziel des Abkommens, das Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Mai in Madrid gemeinsam mit ihrer spanischen Arbeitskollegin Fátima Bánez Garcia unterzeichnet hat.

Vielerorts in Deutschland haben sich inzwischen Initiativen von Städten, Handwerks- oder Industrie- und Handelskammern gegründet, die gemeinsam junge Leute anwerben wollen, insbesondere aus Krisenländern wie Spanien oder Griechenland.

 

Das Förderprogramm MobiPro-EU

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit hilft Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften im Ausland. „Wir suchen im Moment vor allem in Spanien, Italien und Griechenland“, sagt Marion Rang von der ZAV. Die internationale Vermittlungsagentur arbeitet eng mit den Arbeitsverwaltungen im Ausland zusammen. „Die Kollegen suchen dort in ihren Datenbanken nach passenden Mitarbeitern, schreiben diejenigen an, die in Frage kommen und laden sie zu Jobbörsen und Auswahlgesprächen in größeren Städten des Landes ein.“ Dort können Unternehmer die Bewerber kennenlernen, Kontakte knüpfen und – wenn alles passt – auch direkt Verträge unterschreiben.

Über die ZAV können Unternehmen auch gezielt nach passenden Mitarbeitern suchen lassen. „Wenn Arbeitgeber mindestens fünf offene Ausbildungsplätze haben“, sagt Rang. Und wenn eine Firma weniger Bedarf hat? „Dann können sich auch mehrere Unternehmen zusammenschließen, zum Beispiel aus einer Stadt oder Region.“ Diese Untergrenze gilt jedoch nur für Ausbildungsplätze, nicht für Fachkräfte. Um die Mitarbeitersuche zu starten, müssen sich Firmen allerdings zunächst an den Arbeitgeberservice des Arbeitsamtes wenden  (bundesweite Service-Nummer für Arbeitgeber +49 800 4 5555 20). „Erst dann können wir aktiv werden.“

An Fachkräften werden derzeit vor allem Ingenieure oder IT-Spezialisten, Ärzte, Pflegepersonal oder Mitarbeiter für Hotels und Gaststätten vermittelt. „Das sind oft gut ausgebildete junge Leute, die in ländlichen Gegenden leben und den Schritt nach Deutschland wagen, weil sie keine Möglichkeit mehr für sich in der Heimat sehen“, sagt Rang.

Gute Erfahrungen in Spanien

Gute Erfahrungen hat die ZAV im vergangenen Jahr besonders in Spanien gemacht. „Aus dem südeuropäischen Krisenland konnte wir 2012 172 neue Mitarbeiter an Arbeitgeber in Deutschland vermitteln, die meisten davon Ingenieure.“

Auch wenn die Fachkräfte hoch motiviert und gut qualifiziert sind – größtes Hindernis sind oftmals fehlende Sprachkenntnisse. Deutsch wird in den meisten Ländern selten als erste oder zweite Fremdsprache gelernt. „Viele Bewerber haben sich inzwischen aber schon Grundkenntnisse der deutschen Sprache angeeignet oder sind motiviert, das nachzuholen“, sagt die ZAV.

Finanzielle Unterstützung bietet dafür das im Januar gestartete Mobilitätsprogramm MobiPro-EU, das Sprachkurse im Heimatland und in Deutschland fördert. Außerdem gibt es Zuschüsse zu Reisekosten für Bewerbungsgespräche in Deutschland und für den Umzug. Auszubildende können zudem einen Zuschuss zum Lebensunterhalt beantragen. Rund 140 Millionen Euro stehen bis 2016 für das Programm zur Verfügung. (Mehr Details zum Programm finden Sie im FAQ)

Was Arbeitergeber tun sollten

Trotz der hohen Arbeitslosenzahlen in Südeuropa ist es für Unternehmen kein Selbstläufer, Mitarbeiter aus den Krisenstaaten zu rekrutieren, insbesondere abseits von Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München. „Arbeitgeber sind gut beraten, sehr deutlich zu machen, was sie bieten, auch neben dem Job“, rät die ZAV. „Dazu zählt Hilfe bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen oder die Benennung eines festen Paten in der Firma.“

Für die Wohnung der spanischen Auszubildenden von Bauunternehmer Konrad Mezger hat die Handwerkskammer gesorgt. Sie kommen im Internat der Kammer unter. Bis zum Ausbildungsstart machen sie einen Deutschkurs und Betriebspraktika, sind zwei Tage im Betrieb und vier Tage im Sprachkurs. Mezger hofft, dass sie sich gut einleben und lange in seiner Firma bleiben – auch nach der Ausbildung.

FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Förderprogramm MobiPro-EU

 

2 Kommentare
  • Jens Flammann 9. Juli 2013 21:53

    Guten Tag Verena Bast,

    wir bekommen immer wieder mit, dass es nicht ausreicht, Arbeitskräfte zu holen: Es kommen (junge) Menschen, die in unserer Kultur heimisch werden sollen und wollen.

    Dafür engagieren wir WelcomeGuide uns ehrenamtlich: mehr auf http://www.WelcomeGuide.de.

    Beste Grüße aus Mannheim,

    jens flammann.

    • Verena Bast 10. Juli 2013 15:18

      Hallo Herr Flammann,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Das ist in der Tat ein sehr wichtiger Punkt. Zahlreiche Mittelständler engagieren sich sehr dafür, dass sich ihre neuen Mitarbeiter heimisch und willkommen fühlen. Das hilft nicht nur dem Arbeitnehmer, sondern am Ende auch der Firma, weil die Mitarbeiter zufrieden sind und gerne dort arbeiten.

      Beste Grüße
      Verena Bast

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