Management So werden Sie zum Selbstversorger

Viele Scheunendächer sind für Photovoltaik-Anlagen gut geeignet.

Viele Scheunendächer sind für Photovoltaik-Anlagen gut geeignet.© protectnature - Fotolia.com

Wer Energie erzeugen will, muss von der Wahl der richtigen Anlage über die Baugenehmigung bis zur Anmeldung der Anlage viele Dinge beachten. impulse weist Ihnen den Weg durch den Energie-Dschungel.

Der beste Standort
Wann eignet sich mein Haus für eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage?

Anhand folgender Fragen kann man zunächst für sich selbst beantworten, ob eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage überhaupt in Frage kommt:

1. Hält das Dach, auf dem die Anlage installiert werden soll, noch mehr als 20 Jahre? Das ist die Mindestlaufzeit einer Anlage. Muss das Dach vorher saniert werden, sollte man die Installation der Anlage und die Sanierung gleichzeitig durchführen.

2. Hat das Dach eine Neigung von 30 bis 35 Grad und zeigt nach Süden? Dann sind die Voraussetzungen für eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage ideal. Kleine Abweichungen mindern zwar die Stromproduktion – eine Anlage kann sich aber immer noch lohnen. Eine Anlage auf einem Dach, das Richtung Norden zeigt, wäre allerdings eine Fehlinvestition. Denn dort gelangen garantiert nicht genügend Sonnenstrahlen hin. Unter dem Menüpunkt Technikberatung kann man auf www.solartechnikberater.de ausrechnen, welchen Ertrag eine Anlage auf dem eigenen Dach bringen würde.

Ein Hinweis zu dieser Website: Sie wird vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) betrieben, der größten Interessenvertretung von Solarunternehmen in Deutschland. Rund 1000 Betriebe haben sich hier zusammengeschlossen.

3. Gibt es Bäume, andere Häuser, Schornsteine oder Satellitenschüsseln, die Schatten auf das Dach werfen? Fallen Schatten auf die Anlage, produziert diese weniger Strom. Vor dem Bau sollte man nicht nur auf bereits bestehende Bäume, Häuser oder andere Hindernisse achten, sondern auch überlegen, ob künftig welche in unmittelbarer Nachbarschaft wachsen könnten beziehungsweise gebaut werden.

Wann eignen sich mein Dach oder mein Garten für eine Kleinwindkraftanlage?

Das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen eine Kleinwindkraftanlage ist die mittlere Jahreswindgeschwindigkeit in der Höhe, in der sich die Rotorblätter der Anlage einmal drehen sollen. Im Binnenland fängt ein guter Standort bei vier Metern pro Sekunde an, an der Küste gelten mindestens fünf Meter pro Sekunde als guter Standort. Bäume oder andere Gebäude können die Windgeschwindigkeit mindern.

Der Deutsche Wetterdienst stellt eine Deutschlandkarte mit den durchschnittlichen jährlichen Windgeschwindigkeiten in zehn Metern Höhe zum Download zur Verfügung. Trotzdem sollte man die Windgeschwindigkeit am geplanten Standort unbedingt noch einmal selbst messen, beziehungsweise messen lassen. Windmessgeräte gibt es schon ab 50 Euro. Allerdings sind sie oft sehr ungenau. Zuverlässiger ist ein Windgutachten vom Fachmann. Das kostet je nach Region schnell mehrere hundert, oft sogar mehr als 1000 Euro. Bevor man allerdings am falschen Standort eine Anlage baut, sollte man den Fachmann hinzuziehen.

Wann eignet sich mein Haus für ein Blockheizkraftwerk oder eine Kälteanlage?

Standortvoraussetzungen wie bei einer Photovoltaik-, Solarthermie- oder Windkraftanlage gibt es bei einem Blockheizkraftwerk nicht. Alles, was man braucht, ist etwas Platz im Heizungskeller – ungefähr so viel, wie man für einen großen Kühlschrank benötigt.

Egal ob Photovoltaik, Solarthermie, Kleinwindkraftrad, Blockheizkraftwerk oder Kälteanlage – für alle Anlagen gilt: Da die Investition in der Regel einige tausend, meist sogar einige zehntausend Euro beträgt und sich in den meisten Fällen erst nach zehn bis 15 Jahren rechnet, sollte man eine Anlage nur installieren, wenn einem das Gebäude oder das Grundstück auch gehören. Bei Miethäusern müsste ohnehin der Vermieter zustimmen.

 

Der beste Anbieter
Wo kaufe ich …

… eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage?
Über das Branchenbuch findet man Solarfachfirmen, sowie Elektriker, Dachdecker und Heizungsbauer, die sich auf Verkauf und Installation der Anlagen spezialisiert haben. Online kann man unter www.solartechnikberater.de unter dem Menüpunkt Handwerkersuche anhand der eigenen Postleitzahl nach Anbietern in der Nähe suchen.

…eine Kleinwindkraftanlage?
Da Kleinwindkraftanlagen in Deutschland auf Grund ihrer verhältnismäßig geringen Stromproduktion eher ein Nischenprodukt sind, findet man eine umfassende Liste mit Anbietern und Installateuren am besten über die Website des Bundesverbands Kleinwindkraftanlagen (http://www.bundesverband-kleinwindanlagen.de/firmenverzeichnis-dev/herstellervertrieb/).

…ein Blockheizkraftwerk oder eine Kälteanlage?
Viele Heizungsinstallateure bieten die Anlagen an. Die Installateure findet man über das Branchenbuch.

Ich habe verschiedene Anbieter gefunden – wie wähle ich den Richtigen aus?

Grundsätzlich sollte man mindestens drei bis vier Angebote von unterschiedlichen Unternehmen einholen und miteinander vergleichen. Alle Anbieter sollte man nach denselben Details und den jeweiligen Preisen fragen. Wichtige Aspekte sind:

– Von welchem Hersteller ist das Produkt, das mein Installateur einbauen möchte?
– Welche Leistung bringt die Anlage?
– Welche technischen Komponenten (z.B. Wechselrichter) werden eingebaut und welche Leistung haben diese?
– Was kostet die Installation?
– Wie teuer sind die Arbeitsstunden der Monteure und wie lange werden sie für die Installation benötigen?
– Wie hoch ist der Gesamtpreis?
– Wann wird die Anlage installiert?
– Wann wird die Anlage in Betrieb genommen?

Zusätzlich sollte man sich Kunden nennen lassen, bei denen der Anbieter bereits eine Anlage installiert hat, und diese nach ihren Erfahrungen fragen. Kleinwindkraftanlagen sollte man sich unbedingt an einem möglichst windigen Tag ansehen, um die Stabilität und die Lautstärke der sich drehenden Rotorblätter selbst zu prüfen.

Sobald man die Angebote erhalten hat, lohnt es sich, sie in Ruhe miteinander vergleichen. Man kann sie auch von einem Experten prüfen lassen. Das kostet natürlich Geld. Einige Ingenieure und zum Teil auch der TÜV bieten diese Dienstleistung an. Auch sie findet man am besten über das Branchenbuch.

 

Genehmigungen, Vertrag, Netzanschluss & Co.
Ich habe mich für einen Anbieter entschieden – was mache ich als nächstes?

Die Genehmigungen

Bevor man einen Kaufvertrag abschließt, sollte man unbedingt schriftlich beim örtlichen Bauamt nachfragen, ob für die Anlage eine Genehmigung nötig ist. Baurecht ist Ländersache – deshalb gelten überall andere Regeln. Steht das Haus unter Denkmalschutz, braucht man zumindest für Anlagen auf dem Dach oder an der Fassade in der Regel eine Sondergenehmigung. Für Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf Feldern braucht man immer eine Genehmigung.

Kleinwindkraftanlagen, die höher als zehn Meter sind, muss man in allen Bundesländern genehmigen lassen. Bei kleineren Anlagen gelten je nach Bundesland unterschiedliche Regeln. Generell bekommt man für eine Anlage in einem Gewerbegebiet leichter eine Genehmigung als in einem Wohngebiet.

Bei Blockheizkraftwerken muss man zusätzlich auf Folgendes achten: Je nach Größe und Lautstärke der Anlage braucht man vom Bauamt eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Bevor ein Blockheizkraftwerk zum ersten Mal genutzt wird, muss außerdem ein Schornsteinfeger die Anlage prüfen und ihren Betrieb genehmigen.

Der Kaufvertrag

Im Kaufvertrag sollte unbedingt der Liefertermin festgelegt werden. Mit dem Anbieter sollte man sich auch schriftlich einigen, was passiert, wenn dieser Termin überschritten wird. Für diesen Fall kann man beispielsweise eine Vertragsstrafe vereinbaren. Außerdem sollten im Vertrag möglichst detailliert alle Einzelleistungen mit ihrem jeweiligen Preis aufgeführt sein.

Die Anmeldung

Neue Photovoltaik- und Solarthermieanlagen müssen online bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Kleinwindkraftanlagen meldet man auch bei der Bundesnetzagentur. Allerdings geht das noch nicht online. Stattdessen füllt man ein Formular aus und schickt es per Mail an die Bundesnetzagentur. Blockheizkraftwerke und Kälteanlagen meldet man beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle an.

Geld vom Staat

Da man für den Strom, den die Anlage produziert und ins öffentliche Netz einspeist, eine EEG-Vergütung bekommt, sollte man beim örtlichen Gewerbeamt fragen, ob eine Gewerbeanmeldung nötig ist. Die meisten Anlagenbesitzer sind Kleinunternehmer. Das hat einen großen Vorteil: Das Finanzamt erstattet ihnen die Mehrwertsteuer für die Anschaffungskosten der Anlage zurück. Darüber hinaus kann man die Anlage über mehrere Jahre von der Steuer absetzen.

Gut versichern

Um für Schäden gewappnet zu sein, sollte man in jedem Fall eine Haftpflichtversicherung abschließen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, die Deckungssumme der Hausratversicherung zu erhöhen. Zusätzlich kann man eine eigene Solarversicherung abschließen, die zum Beispiel eine Hagel- und Blitzversicherung enthält und bei Brandschäden einspringt. Wer eine große Anlage baut, kann auch über eine Ertragsversicherung nachdenken. Die zahlt, wenn der Gewinn in einem trüben Sommer gering ausfällt.

Die Anlage ist auf meinem Dach, im Keller oder Garten installiert. Wie kommt jetzt der Strom in mein Haus oder ins öffentliche Stromnetz?

Vor der Installation der Anlage beantragt der Installateur einen Netzanschluss beim Energieversorger. Im Gebäude legt er dann alle notwendigen Kabel und Leitungen. Die führen in der Regel von der Anlage bis in den Heizungskeller. Zum Schluss installiert der Netzbetreiber ebenfalls im Keller des Hauses einen sogenannten Einspeisezähler. Der zählt, wie viele Kilowattstunden Strom ins Netz gelangen. Wer den erzeugten Strom zum Teil selbst nutzt, bekommt einen dritten Zähler, der ebenfalls vom Netzbetreiber installiert wird und die selbst verbrauchten Kilowattstunden zählt.

Am Ende eines Monats sollte man die Zählerstände ablesen und prüfen, ob die EEG-Vergütung durch den zuständigen Energieversorger überwiesen wurde.

Noch ein Tipp: Bevor die vom Hersteller zugesagte Garantie der Anlage abläuft, sollte man rechtzeitig Geld für mögliche Reparaturen zurücklegen.
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