Der Bumerang kam aus Australien. Dass es die Meldung aus dem "Hamburger Abendblatt" vom Februar bis zu Kunden und Lieferanten ans andere Ende der Welt schaffen würde, hätten die Verantwortlichen beim Schleifmittelhersteller Hermes in Hamburg nie erwartet. "Drohen Entlassungen?", fragte das Blatt – um im Text zwischen Einschätzungen von Betriebsrat und Gewerkschaft lapidar zu erklären: "Die Geschäftsleitung war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen."
Das sei eine "ganz unglückliche Geschichte" gewesen, sagt Günter Becker, Mitglied des Gesellschafterbeirats von Hermes. Der Geschäftsführer des Schleifwerkzeugspezialisten mit 1300 Beschäftigten hatte sich schon ins Wochenende verabschiedet, als die "Abendblatt"-Journalistin beim Unternehmen nachfragte und vom Pförtner eine Abfuhr bekam: Es würden keine Privatnummern von der Geschäftsleitung herausgegeben.
Kommunikationspanne mit Folgen
Eine Kommunikationspanne erster Güte, mit Folgen für das kriselnde Unternehmen. Denn offenbar übersetzten Konkurrenten die Zeitungsmeldung und spielten sie Geschäftspartnern von Hermes in Übersee zu. Dort sorgte der Text für Unruhe bei Kunden und Lieferanten des Schleifmittelherstellers – und für kritische Nachfragen in der Zentrale.
![]() Zoom Peter Matthews ist seit Juli Geschäftsführer bei Hermes |
"Es ist echt erstaunlich: Diese Zeitungsmeldung hat den Weg um die ganze Welt und zurück nach Deutschland geschafft", sagt Peter Matthews. Seit Anfang Juli ist er neuer Geschäftsführer bei Hermes. Vor allem die Kommunikation mit Kunden und Lieferanten will er verbessern und sich Zeit für die Presse nehmen. "Kommunikation ist zwingend erforderlich", betont er.
'Hanseatische' Zurückhaltung
Die Rückendeckung der Gesellschafter hat Matthews jedenfalls. "Unsere Kontakte zur Presse waren minimal in den vergangenen Jahrzehnten, das kann man wohlwollend als 'hanseatisch' bezeichnen", resümiert Beiratsmitglied Becker. Damit sei jetzt Schluss: „Notgedrungen, aber auch aus einer tiefen Einsicht heraus.“
Bloß nichts sagen – das scheint das Motto vieler Mittelständler zu sein, in guten, vor allem aber in schlechten Zeiten. Eine Studie der Initiative Unternehmenskultur bestätigt diesen Eindruck. "Die zentrale Erkenntnis war sicherlich, dass viele Mittelständler durchaus daran interessiert sind, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden – dass sie aber oft nicht wissen, wie sie das schaffen sollen", sagt Wolfgang Exler-Bachinger, Geschäftsführer der Initiative und Inhaber einer Frankfurter PR-Agentur.
Wunsch und Wirklichkeit
Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander: Vier von fünf Mittelständlern halten Veröffentlichungen über ihr Unternehmen demnach für wichtig, aber nur jedes vierzehnte sieht sich in den Medien gut repräsentiert. Immerhin: Jeder zweite Chef findet die Berichterstattung verbesserungswürdig. "Wir haben festgestellt, dass die positiven Auswirkungen der Unternehmenskommunikation in der Krise von einem Konto stammen, auf das ein Unternehmen jahrelang eingezahlt hat", sagt PR-Profi Exler- Bachinger. Wer offen sowohl über Erfolge als auch über Niederlagen spricht, profitiert in schwierigen Zeiten von einer fairen Berichterstattung – und bleibt von bösen Überraschungen verschont.
Das könne zum Beispiel bei Verhandlungen mit der Bank helfen, sagt Exler- Bachinger. "Banken sind froh, wenn jemand offen mit ihnen kommuniziert, und trauen dem Chef dann eher zu, eine Krise zu managen." Vor allem dann, wenn der schon vorher ein oder zwei Krisen erfolgreich in den Griff bekommen und darüber offen gesprochen hat. "So jemanden hält man dann auch für fähig, die dritte Krise zu managen, und ist vielleicht mit Krediten etwas großzügiger als bei jemandem, den man nicht kennt."
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