Mutige Schurken mit Augenklappe und Säbel - mit diesem romantischen Bild der Freibeuter der Meere hat Piraterie wenig zu tun. Die heutigen Seeräuber kooperieren mit Terroristen, machen zunehmend von der Waffe gebrauch und bescheren Unternehmen Schäden in mehrfacher Millionenhöhe.
In den ersten neun Monaten 2009 sind weltweit mit 306 Angriffen mehr Piratenattacken gemeldet worden als im gesamten Vorjahr, heißt es im Piraterie-Report des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB). Eine Studie der Allianz Global Corporate & Specialty mit dem Titel "Piraterie - ein altes Risiko mit modernen Gesichtern" empfiehlt spezielle Kriegsversicherungspolicen für Schiffe, die in risikoreichen Gebieten verkehren.
Nicht nur Piraten schaden den Lieferketten
"Ausfallversicherungen sind meines Erachtens das schlechteste Mittel, dem Problem zu begegnen, da dieses nur die Folgen finanziell im gewissen - das heißt: Versicherten - Umfang abdeckt, aber keine strukturelle Lösung darstellt", sagt hingegen Klaus-Peter Jung vom Logistikberater Miebach Consulting.
Eine Studie von Miebach und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zweifelt zudem daran, dass das drängendste Sicherheitsproblem auf internationalen Handelswegen die Piraterie sei. Raub, Diebstahl oder "unerklärlicher Warenverlust" besonders auf den Landtransportwegen oder auch im Lagerhaus schädigen die Geschäfte der Unternehmen deutlich mehr als die Banditen der Meere, heißt es.
Risiko steigt mit der Globalisierung
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"Die Risiken können sie alle gar nicht versichern - die Versicherungssumme wäre zu hoch", unterstreicht Michael Kaltenbach, Logistikexperte in der Beratungssparte von IBM. Der Lkw fährt in einen Graben, eine Brücke wird weggespült, ein Zulieferer produziert mit unzulässiger Chemie, ein Unternehmen in der Wertschöpfungskette wird ständig bestreikt - die Risiken sind mannigfaltig, durch Naturphänomene verursacht oder von Menschenhand erzeugt.
"Durch die Globalisierung ist das Risiko größer geworden", sagt Günther Reinelt, Einkaufsleiter bei Miele in Gütersloh. Der Gerätehersteller überprüft jeden Zulieferer nicht nur in der Qualifikationsphase, um Risiken zu erkennen und sie auf einen beherrschbaren Rest einzudämmen. Im Idealfall passe jeder im Wertschöpfungsprozess auf die vorgelagerte Stufe auf, sagt Reinelt.
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