Neulich hat einer aus dem Marketing "Sie" zum Chef gesagt. Den hat das schwer getroffen. Schließlich duzt er alle Mitarbeiter und erwartet es umgekehrt auch von ihnen. Denn Gunnar Grosse sieht sich weniger als Chef, sondern eher als Vater. Sein Unternehmen ist für ihn mehr als eine Firma, die ihm Gewinn einbringt. Es ist für ihn eine Großfamilie, um die er sich kümmert. Damit, und da schließt sich der Kreis, die Firma Gewinn einbringt.
Von der sächsischen Provinz aus hat Grosse ein außergewöhnliches Unternehmen aufgebaut. 1992 gegründet, macht Komsa heute 700 Millionen Euro Umsatz. Damit gilt es als Deutschlands bedeutendster Großhändler auf dem hart umkämpften Markt für Mobiltelefone. Für diesen Erfolg muss allerdings kein Mitarbeiter 60-Stunden-Wochen schieben, auf Urlaub verzichten oder die Kinder nur an Sonntagen sehen.
Kind und Karriere? Firmeneigene Kita macht's möglich
Grosse ist ein knallharter Manager, doch das Privatleben seiner Leute ist ihm heilig. Entsprechend familienfreundlich sieht die Personalpolitik bei Komsa aus: flexible Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis, individuelle Teil- und Elternzeiten, Telearbeit von zu Hause aus. Fortbildungen und Teambesprechungen finden vormittags statt. "Wir sind immer offen für neue Modelle", sagt Grosse.
Dass Komsa die Arbeit dem Lebensrhythmus der Mitarbeiter anpasst, zahlt sich aus. Nicht einmal in der Produktion braucht die Firma eine Stechuhr. Das Prinzip Vertrauen funktioniert, die Belegschaft fühlt sich dem Unternehmen verbunden. "Man muss das enorme Potenzial der Mitarbeiter in Richtung der Unternehmensziele lenken, an sie glauben und sie so motivieren, dass sie diese Ziele erreichen wollen", sagt Grosse. "Dann leisten zehn Leute plötzlich so viel wie zwölf."
Die normalste Sache der Welt
Besonders stolz ist Grosse auf die firmeneigene Kindertagesstätte. 70 Plätze, ein deutsch-englisches Betreuerteam, geöffnet das ganze Jahr. Vor allem die Frauen im Betrieb nutzen das Angebot und bleiben nur kurz in Elternzeit. Entsprechend hoch ist ihr Anteil, sie machen fast die Hälfte der knapp 1100 Beschäftigten aus. Mehr als 40 Prozent arbeiten in Führungspositionen. "Das hier ist keine klassische Männerwelt", sagt Grosse. Tüchtige Frauen gebe es zuhauf, und für Topjobs seien sie perfekt. "Ein Baby zu bekommen ist auch in so einem Posten die normalste Sache der Welt."
Karriere mit Kind zu machen gilt in Grosses Heimatland Schweden als ganz normal, in der sächsischen Heimat seiner Eltern will er dieses Denken noch fördern. Den Fokus auf Familie sieht er im Wettbewerb um die hellsten Köpfe als entscheidenden Pluspunkt: "Ein Unternehmen, das außer dem Job keine Lebensqualität bieten kann, hat Schwierigkeiten, gute Leute zu bekommen." Schließlich konkurriert Grosse mit den Großen der Branche. Nokia und Siemens bieten ihren Leuten Jobs in New York, Schanghai und im Silicon Valley. Komsa sitzt im 4700-Einwohner-Nest Hartmannsdorf bei Chemnitz. "Da muss man schlau sein und die Palette der Angebote für die Mitarbeiter ständig erweitern."
Gemeinschaftsgefühl durch flache Hierarchien
Gegen den Standortnachteil macht auch J. Schmalz mobil. Sitz des international tätigen Herstellers von Vakuumtechnik ist der großstadtfreie Nordschwarzwald. Um die Mitarbeiter eng an sich zu binden und attraktiv für Neulinge zu sein, hat das Unternehmen ein dickes Boni-Paket gepackt. Darin stecken Zuschüsse zu Fahrtkosten und Mittagessen, Gratisgetränke, kostenlose Grippeimpfungen, ergonomische Büroplätze, Nichtraucherbonus und Sportangebote. Zudem zahlt J. Schmalz 15 Prozent des Jahresgewinns an die Mitarbeiter und belohnt innovative Ideen mit einer Prämie.
Mitreden ist erwünscht, daher haben die beiden Unternehmenschefs einen Mitarbeiterbeirat installiert und lassen die Vorgesetzten von ihren Teams bewerten. "Als familiengeführtes Unternehmen legen wir großen Wert auf partnerschaftliches Zusammenarbeiten", sagt Kurt Schmalz. Dazu gehöre ebenfalls, dass die Mitarbeiter über alle Unternehmenszahlen stets Bescheid wissen. Das Gemeinschaftsgefühl soll auch im firmeneigenen Schulungszentrum wachsen. Mehr als 100 Kurse laufen dort jedes Jahr, vom Fachseminar bis zum Rückentraining.
Um sich den Wettbewerbsvorteil Wissen für die Zukunft zu sichern, bildet J. Schmalz seinen Nachwuchs selbst aus. Gemessen an der 600 Mitarbeiter starken Belegschaft am Standort Glatten, liegt die Azubiquote bei überdurchschnittlichen 14 Prozent. Sieben Ausbildungsberufe und fünf Studiengänge sind im Angebot. Und wenn es den Studenten im Schwarzwald-Idyll doch zu langweilig wird, können sie eine zeitlang in einer der weltweit 16 Niederlassungen arbeiten.
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