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21.05.2010

Wissensmanagement: Mit dem Frühwarnsystem Kosten senken

Von: Eli Hamacher und Rudolf Kahlen
Ein schneller Informationsfluss kann die Produktqualität verbessern.
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© Getty
Die meisten Chefs wollen mit dem Jahresabschluss nicht auch noch einen Überlick des Know-hows aufstellen. Sollten sie aber, gerade in Krisenzeiten. Denn wer eine Wissensbilanz hat, arbeitet besser und macht seine Hausbank glücklich.

Kein Platz mehr auf dem Flipchart, es ist voller Infos in Worten und Pfeilen. Plötzlich dreht sich Lutz Karnauchow um. Vor dem Chef der Altenpflegefirma Domino-World sitzen 21 Führungskräfte. Im Workshop geht es um das Teamthermometer, auf dem Mitarbeiter notieren, wie sie das Klima in ihrer Gruppe empfinden: im grünen Wohlfühlbereich, in der gelben Konfliktzone oder im roten Krisengebiet. "Wer zeigt seine Ergebnisse?", fragt Karnauchow. Ein kurzer Blick über seine schwarz geränderte Brille.

Der Seminarraum mit Parkett und großen Fenstern ist das Herz der Firmenzentrale. Die Gründerzeitvilla steht an der Karl-Marx-Straße in Birkenwerder, nördlich von Berlin. Wo einst ein hoher DDR-Funktionär sein Wohnzimmer hatte, spricht Karnauchow über Motivation und Mitarbeiterführung. Dieses Feld, weiß der drahtige 56-Jährige, muss beackert werden, um erfolgreicher zu werden.

Lutz Karnauchow, Chef der Firma Domino-World, hält Verbesserungen schriftlich fest
Lutz Karnauchow, Chef der Firma Domino-World, hält Verbesserungen schriftlich fest
© Georg Knoll für impulse

Karnauchow vertraut weniger auf sein Bauchgefühl. Er kennt die Stärken und Schwächen der Firma, all die Zahlen. Er schwört auf den Nutzen einer Wissensbilanz, sein strategisches Frühwarnsystem, das Schwächen in einer Organisation zeigt, anders als eine der üblichen Gegenüberstellungen firmeneigener Aktiva und Passiva.

Eine Wissensbilanz, die Zusammenstellung der immateriellen Vermögenswerte eines Unternehmens, spiegelt das Können und Wissen der Mitarbeiter, die Effizienz betrieblicher Abläufe, die Güte der Beziehungen zu Geschäftspartnern und Kunden. Diese Bilanz der Soft Skills steht am Anfang einer Veränderung, des sogenannten Wissensmanagements. Beide sorgen dafür, die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs zu erhöhen.

Was beim ersten Hinhören wie vages Wortgeklingel wirkt, hat einen handfesten, geldwerten Nutzen: Die Wissensbilanz eines Betriebs und ein gut organisiertes Wissensmanagement fließen in Kreditratings ein und helfen so, die Finanzierungskosten zu senken. Wie einfach es ist, solch ein Frühwarnsystem zu nutzen, zeigt der Schnelltest des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, den Chefs auf impulse.de/wissensbilanz für ihr Unternehmen durchlaufen können. Wer eine detaillierte Wissensbilanz erstellen möchte, nutzt am besten die kostenlose Software des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Karnauchow erstellt in diesem Frühjahr bereits die vierte Bilanz für Domino-World. Aus der sollen sich Verbesserungen ergeben, wie letztes Mal jenes Teamthermometer, das Kommunikation und Motivation der 500 Mitarbeiter in den Sozialstationen, Altenheimen und Day-Care-Centern in Berlin und Brandenburg steigern sollte. "Wissensmanagement hilft, von der reinen Finanzdenke wegzukommen", sagt der Unternehmer. "Dadurch offenbaren sich einem andere, wichtige Stellgrößen, die enormen Einfluss auf den Geschäftserfolg haben."

Dafür ist Vorarbeit nötig. "Den Anfang macht ein Workshop, an dem die Verantwortlichen für die Themen Mitarbeiter, Kunden, Dienstleistungen, Qualität, Finanzen, Strategie und Führungsprozesse teilnehmen. Für viele Unternehmer offenbart sich schon in der ersten Sitzung ein Strategiedefizit." Die wenigsten hätten eine schriftlich fixierte Vision. Um sich die zu erarbeiten, hilft es, sich eine Schlüsselfrage zu stellen: "Was würde der Welt ganz konkret verloren gehen, wenn es uns nicht mehr gäbe?"

Als wär es ein Käsekuchenrezept

Martina Schmidt-Tanger, Wirtschaftspsychologin, gibt Unternehmern Tipps, wie sie dafür sorgen können, dass Mitarbeiter Wissensmanagement nicht ablehnen.

Keiner von draußen
"Wissensmanagement ist keine IT-, sondern eine Psychologieaufgabe. Die Einführung sollte nicht externen Beratern überlassen werden, die anschließend wieder gehen. Gefragt ist der Wissensingenieur, der weiß, wie das Unternehmen tickt, der Projekte begleitet und als zentraler Ansprechpartner fungiert."

Das Klima in der Firma
"Die Unternehmensleitung darf im Vorfeld keine Untergangsszenarien verbreiten. Sprüche wie Hier weiß keiner, was der andere macht‘ demotivieren. Viel besser ist der Appell, das über Jahre angehäufte wertvolle Wissen zusammenzutragen und zu teilen, um das Unternehmen weiter voranzubringen."

Staffellauf als Vorbild
"Gegen die vorherrschende Abwehrhaltung Wissen ist Macht, warum sollte ich einen Teil davon abgeben?‘ helfen Wissenschaftspartner. Wie beim Staffellauf gibt ein Kollege dem anderen Wissen weiter, wobei persönliche Sympathien berücksichtigt werden. Das Käsekuchenrezept gebe ich ja lieber meiner besten Freundin als der ungeliebten Nachbarin."

Geben und Nehmen ohne Vorteile
"Weitergabe von Wissen sollte als selbstverständlich empfunden werden. Das gelingt, wenn Geben und Nehmen funktionieren, also jeder profitiert. Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass sich ihr Wissensvorsprung förderlich auf Gehalt und Karriere auswirkt, werden sie ihr Wissen nicht teilen wollen."

Tue Gutes und werbe dabei!
"Wie für ein neues Produkt muss für Wissensmanagement geklappert werden, gegebenenfalls auch mithilfe einer PR-Agentur. Weitere Möglichkeiten: Plakate in der Firma, interne Werbemittel wie Kugelschreiber, schriftliches Verankern der Ziele. Je emotionaler das Thema besetzt wird, desto eher wird es akzeptiert."

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