Kein Platz mehr auf dem Flipchart, es ist voller Infos in Worten und Pfeilen. Plötzlich dreht sich Lutz Karnauchow um. Vor dem Chef der Altenpflegefirma Domino-World sitzen 21 Führungskräfte. Im Workshop geht es um das Teamthermometer, auf dem Mitarbeiter notieren, wie sie das Klima in ihrer Gruppe empfinden: im grünen Wohlfühlbereich, in der gelben Konfliktzone oder im roten Krisengebiet. "Wer zeigt seine Ergebnisse?", fragt Karnauchow. Ein kurzer Blick über seine schwarz geränderte Brille.
Der Seminarraum mit Parkett und großen Fenstern ist das Herz der Firmenzentrale. Die Gründerzeitvilla steht an der Karl-Marx-Straße in Birkenwerder, nördlich von Berlin. Wo einst ein hoher DDR-Funktionär sein Wohnzimmer hatte, spricht Karnauchow über Motivation und Mitarbeiterführung. Dieses Feld, weiß der drahtige 56-Jährige, muss beackert werden, um erfolgreicher zu werden.
![]() Lutz Karnauchow, Chef der Firma Domino-World, hält Verbesserungen schriftlich fest |
Karnauchow vertraut weniger auf sein Bauchgefühl. Er kennt die Stärken und Schwächen der Firma, all die Zahlen. Er schwört auf den Nutzen einer Wissensbilanz, sein strategisches Frühwarnsystem, das Schwächen in einer Organisation zeigt, anders als eine der üblichen Gegenüberstellungen firmeneigener Aktiva und Passiva.
Eine Wissensbilanz, die Zusammenstellung der immateriellen Vermögenswerte eines Unternehmens, spiegelt das Können und Wissen der Mitarbeiter, die Effizienz betrieblicher Abläufe, die Güte der Beziehungen zu Geschäftspartnern und Kunden. Diese Bilanz der Soft Skills steht am Anfang einer Veränderung, des sogenannten Wissensmanagements. Beide sorgen dafür, die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs zu erhöhen.
Was beim ersten Hinhören wie vages Wortgeklingel wirkt, hat einen handfesten, geldwerten Nutzen: Die Wissensbilanz eines Betriebs und ein gut organisiertes Wissensmanagement fließen in Kreditratings ein und helfen so, die Finanzierungskosten zu senken. Wie einfach es ist, solch ein Frühwarnsystem zu nutzen, zeigt der Schnelltest des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, den Chefs auf impulse.de/wissensbilanz für ihr Unternehmen durchlaufen können. Wer eine detaillierte Wissensbilanz erstellen möchte, nutzt am besten die kostenlose Software des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.
Karnauchow erstellt in diesem Frühjahr bereits die vierte Bilanz für Domino-World. Aus der sollen sich Verbesserungen ergeben, wie letztes Mal jenes Teamthermometer, das Kommunikation und Motivation der 500 Mitarbeiter in den Sozialstationen, Altenheimen und Day-Care-Centern in Berlin und Brandenburg steigern sollte. "Wissensmanagement hilft, von der reinen Finanzdenke wegzukommen", sagt der Unternehmer. "Dadurch offenbaren sich einem andere, wichtige Stellgrößen, die enormen Einfluss auf den Geschäftserfolg haben."
Dafür ist Vorarbeit nötig. "Den Anfang macht ein Workshop, an dem die Verantwortlichen für die Themen Mitarbeiter, Kunden, Dienstleistungen, Qualität, Finanzen, Strategie und Führungsprozesse teilnehmen. Für viele Unternehmer offenbart sich schon in der ersten Sitzung ein Strategiedefizit." Die wenigsten hätten eine schriftlich fixierte Vision. Um sich die zu erarbeiten, hilft es, sich eine Schlüsselfrage zu stellen: "Was würde der Welt ganz konkret verloren gehen, wenn es uns nicht mehr gäbe?"
Als wär es ein Käsekuchenrezept |
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Martina Schmidt-Tanger, Wirtschaftspsychologin, gibt Unternehmern Tipps, wie sie dafür sorgen können, dass Mitarbeiter Wissensmanagement nicht ablehnen. |
Keiner von draußen |
Das Klima in der Firma |
Staffellauf als Vorbild |
Geben und Nehmen ohne Vorteile |
Tue Gutes und werbe dabei! |
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