Corporate Carsharing Die neue Alternative zum Leasing

Wagen des Carsharing- Anbieters car2go

Wagen des Carsharing- Anbieters car2go© car2go

Unternehmer tun sich oft schwer damit, Autos für ihre Firma nur leihweise zu nutzen. Neue Angebote sollen das ändern. Doch einen Ersatz für eigene Fahrzeuge bieten die wenigsten.

Florian Freiherr von Hornstein ist ­eigentlich Werber. Als Partner und ­Geschäftsführer leitet er die Agenturgruppe Serviceplan in München, steuert Kampagnen für den Autobauer BMW, für den Spielzeughersteller Lego und den Fernsehsender Sky. Und seit drei Monaten hat Hornstein noch ein Amt mehr: Autovermieter.

Die Mitarbeiter der Münchner Serviceplan-Zentrale können im Intranet des Unternehmens einen Firmenwagen buchen und ihn nach Dienstschluss mit nach Hause nehmen – von Freitag bis Montagfrüh kostet sie das zum Beispiel 60 Euro. „Wir sind sehr happy mit dem Modell“, sagt Hornstein. „Viele Kollegen be­sitzen privat kein Auto. Jetzt können sie sich spontan einen Wagen mitnehmen, zum Beispiel, wenn sie abends noch größere Einkäufe machen wollen.“

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Serviceplan gehört zu den ersten Kunden des Angebots Alphacity der BMW-Flottentochter Alphabet. Die Idee: Unternehmen schaffen sich keinen klassischen Fuhrpark an. Sie überlassen ihren Angestellten auch keinen Firmenwagen, den die dann als „geldwerten Vorteil“ versteuern müssten. Stattdessen teilen sich Arbeitgeber und Arbeit­nehmer die Autos und zahlen sie auch gemeinsam – ähnlich wie beim privaten Carsharing.

Das sogenannte Corporate Carsharing ist der neueste Versuch, gewerblichen Kunden das Teilen von Dienst- und Firmenwagen schmackhaft zu machen. Noch sind Unternehmen dabei ­äußerst zurückhaltend. Zwar kann man sich in ­jeder zweiten deutschen Firma vorstellen, es einmal mit Carsharing zu probieren, konkrete Erfahrungen damit hat aber erst jeder 30. Betrieb. Das zeigt eine Umfrage der European Business School (EBS). Der Markt wächst bislang vor allem durch private Kunden.

Corporate Carsharing ist noch lange kein Ersatz für den klassischen Firmenwagen

Viele Carsharing-Konzepte für Firmen sind der Pilotphase nicht entwachsen. Ein häufiges Problem: Die Konzepte passten nur bedingt auf gewerblich genutzte Fahrzeugflotten, sagt Ralf Landmann, Partner im Automotive-Bereich von Roland Berger. „Unternehmer wollen, dass Carsharing-Autos ähnlich unkompliziert und verlässlich verfügbar sind wie eigene Flottenautos.“ Das ist noch nicht möglich. Zwar sorgten Smartphones und leistungsstarke IT-Systeme für immer bessere Voraussetzungen, doch bei den klassischen Carsharing-Anbietern sei bis heute ihre Abstammung von den umweltbewegten Autokooperativen der 80er-Jahre zu spüren, sagt Landmann. Viele setzen auf feste Stellplätze für Carsharing-Autos, dorthin müssen die Kunden den Wagen wieder zurückbringen – im Alltag ist das oft unpraktisch.

Innovationen kommen von jüngeren Anbietern wie der Deutsche-Bahn-Tochter Flinkster oder der Firma Car2go von Daimler, die ihr Carsharing auch mit speziellen Geschäftskonditionen für Firmen anbieten. Sie legen ein Areal in der City fest, in dem Nutzer die Wagen abstellen dürfen, wo sie wollen. Wer einen Wagen braucht, kann auf seinem Smartphone nachschauen, wo das nächste freie Auto steht und mit der entsprechenden App sofort buchen. Geöffnet werden die Fahrzeuge etwa mit einem Funkchip, der auf dem Führerschein klebt.

Mit einer ähnlichen Technik funktioniert das Corporate Carsharing von Alphabet, mit dem einzigen Unterschied, dass die Autos nicht von jedem, sondern ausschließlich von den Angestellten der Leasingkunden gebucht werden können – über das firmeneigene Intranet. Serviceplan-Chef von Hornstein hat fünf Car­sharing-Fahrzeuge angeschafft, zur Auswahl stehen ein Mini Cabrio, der größere Mini Clubman, der kompakte 1er und der Stadt-Geländewagen X1 von BMW: Für Dienstfahrten sind sie von 9 Uhr bis 17.30 Uhr geblockt. Nachts und am Wochenende dürfen Mitarbeiter sie jederzeit ausleihen. „Die Auslastung ist fantastisch“, sagt er. Fast permanent seien die Autos im Einsatz. Wie viel Serviceplan durch das Carsharing spart, lässt von Hornstein noch ausrechnen, er glaubt aber, dass sich die Kosten nahezu halbiert haben dürften.

Poolfahrzeuge kommen Unternehmen oft teuer zu stehen, wenn sie ehrlich rechnen: „In deutschen Flotten gibt es tausende Autos, die nur wenig gefahren werden, selbst an Werk­tagen höchstens zu 60 Prozent“, sagt Fuhrparkberater Peter Hellwich. Bei den Garagenhütern machten fixe Bestandteile häufig mehr als 50 Prozent der Kosten aus. Wer sich die Autos mit anderen Unternehmen, den eigenen Mitarbeitern oder sogar fremden Privatleuten teile und dafür bezahlen lasse, erhöhe die Produktivität der Flotte, sagt Hellwich. Auch Firmen, die in demselben Industriegebiet sitzen, könnten ihre Fahrzeuge gemeinsam beschaffen und verwalten lassen, um Kosten zu senken.

Ein Ersatz für den klassischen Firmenwagen, den Mitarbeiter als Teil des Gehalts gestellt bekommen, sind Carsharing-Autos aber noch lange nicht, sagt Alphabet-Chef Marco Lessacher. „Der Firmenwagen ist in Deutschland immer noch ein emotionales Thema.“ Er trägt zum Jobprestige bei, Mitarbeiter lassen ihren Kindersitz auf der Rückbank und ihr Hörbuch im CD-Wechsler. Mit Kollegen oder Fremden teilen wollen sie den Dienstwagen nicht.

Rentsharing umgeht die Steuerlast

Hier soll eine Carsharing-Variante Abhilfe schaffen, die es schon seit Anfang der 80er-Jahre gibt, und die nun wieder in den Blick von Fuhrparkmanagern rückt: das Rentsharing. Das Modell umgeht die Steuerlast. Bei klassischen Dienstwagen schafft der Arbeitgeber das Auto an und überlässt es seinem Angestellten kostenlos. Für die private Nutzung muss der Firmenwagenfahrer jeden Monat ein Prozent des ­Bruttolistenpreises und die Fahrten zwischen Wohnung und Firma versteuern – als geldwerten Vorteil. Beim Rentsharing dagegen vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorab, wann und wie der Fahrer den Wagen privat nutzt. Dafür zahlt der Arbeitnehmer eine monatliche Miete oder – ähnlich wie beim Alphabet-Modell – eine Gebühr pro privat gefahrenem Kilometer. „Das Entgelt muss wirtschaftlich angemessen sein, dann entfällt die Versteuerung eines geldwerten Vorteils“, sagt Roland Wehl, Geschäftsführer des Rent­sharing-Anbieters AMS. Je nach Nutzung und Steuerklasse könne das Modell für beide ­Parteien günstiger sein, verspricht Wehl. Die Pauschalversteuerung sei meist teurer als die Miete. Und der Arbeitgeber spare zudem Fahrzeugkosten.

AMS hat sich 2010 mit dem Fuhrparkdienstleister Leaseplan zusammengetan, der das Rentsharing-Modell inzwischen unter seinem Namen vertreibt. Die Verträge laufen in der ­Regel zwei bis fünf Jahre. AMS hat nach eigenen Angaben rund 5.000 Rentsharing-Kunden, die meisten davon Mittelständler mit Flotten von 20 bis 40 Fahrzeugen.

Das Architekturbüro AGN in Ibbenbüren gehört mit einem Fuhrpark von 70 Fahrzeugen zu den größeren AMS-Kunden. Seit 2011 lässt der geschäftsführende Gesellschafter Bernhard Bergjan sukzessive alle Firmenwagen auf Rentsharing umstellen. Anhand von Berechnungen des Automobilklubs ADAC hat Bergjan ermittelt, was bestimmte Fahrzeugmodelle pro gefahrenem Kilometer kosten. Diese Summe -je nach Modell zwischen 15 und 27 Cent – bezahlen seine Mitarbeiter nun für jeden Kilo­meter, den sie ihren Firmenwagen privat nutzen. Auch die Treibstoffkosten übernehmen sie selbst. Bergjan spart auf diese Weise rund acht Prozent der Ausgaben für seinen Fuhrpark, die meisten Mitarbeiter kommen ebenfalls günstiger weg als mit der Ein-Prozent-Versteuerung, solange sie weniger als 8000 Kilometer im Jahr privat fahren. Das, sagt Bergjan, treffe auf die meisten Kollegen zu.

Um private und dienstliche Fahrten korrekt zu trennen, zeichnet ein GPS-Modul die gefahrenen Kilometer auf und gibt sie per Mobilfunk an die Buchhaltungssoftware weiter. Abends gibt der Fahrer ein, welche Fahrten dienstlich und welche privat waren.

„Anfangs waren wir skeptisch“, gibt AGN-Chef Bergjan zu. Vor allem fürchtete er, sein ­Finanzamt könnte die neue Regelung nicht durchgehen lassen und auf der Ein-Prozent-­Regel bestehen. Es gibt zwar Grundsatzentscheidungen der Steuerbehörden, aber so ganz traute der Mittelständler dem Modell nicht. ­Also rief er beim Amt an und ließ sich be­s­tätigen: kein Problem. „Jetzt“, sagt Bergjan, „sind wir überzeugt.“


Alternativen zum Leasing

Vermieter, Carsharing-Firmen und Flottenfinanziers haben ­verschiedenste Mietmodelle im Angebot. Ein Überblick über die wichtigsten Alternativen zum klassischen Leasing.

Langzeitmiete
Unternehmen mieten Firmenwagen ab einem Monat Laufzeit. Ansonsten funktioniert alles ähnlich wie bei der klassischen Autovermietung: Auf Wunsch wird das Auto angeliefert, sonst holt es der Mitarbeiter bei einer Verleihstation ab. Der Fahrer darf während der Mietdauer eine begrenzte Anzahl von Kilometern zurücklegen, zum Beispiel 2000 pro Monat. Eine Langzeitmiete ist pro Tag 30 bis 50 Prozent günstiger als die klassische Kurzzeitmiete, aber deutlich teurer als Leasing (zwei- bis dreimal mehr als ein vergleichbarer Leasingwagen).

Anbieter: Neben Spezialisten wie der Firma Maske aus Breddorf bei Bremen haben praktisch alle Autovermieter ­Langzeitverträge im Angebot, auch ­Flottenfinanziers wie Leaseplan bieten diese Variante an.

Carsharing
Das Prinzip: Mehrere Nutzer teilen sich einen Pool von Fahrzeugen. ­Dazu schließen sie mit ihrem örtlichen Anbieter einen Rahmenvertrag ab oder werden Mitglied in einem Carsharing-Verein oder einer Genossenschaft. Zusätzlich zur monatlichen Mitgliedsgebühr werden die gefahrenen Kilometer und die ­Fahrzeit abgerechnet. Sprit ist meist ­inklusive. Carsharing ist nur in ­größeren Städten verfügbar.

Anbieter: Bei klassischen Car­sharing-Firmen wie Cambio stehen die Wagen auf festen Stellplätzen. Andere Firmen wie Greenwheels und Car2go ­definieren bestimmte Straßen in ­einer Stadt, in denen Kunden die ­Wagen beliebig abstellen können. Bei der Deutsche-Bahn-Tochter Flinkster gibt es beides.

Rentsharing
Auch hier least das Unternehmen den Firmenwagen vom Anbieter und überlässt den Wagen dem ­Mitarbeiter zur Nutzung. Chef und ­Mitarbeiter vereinbaren aber vorab, wann und wie der Firmenwagen auch privat gefahren werden darf – zum Beispiel werktags ab 18 Uhr und an den Wochenenden. Dafür bezahlt der Mitarbeiter seiner Firma eine monatliche Miete, muss im ­Gegenzug aber keinen geldwerten Vorteil versteuern. Die Finanzbehörden erkennen das Pkw-Gemeinschaftsleasing an, die Mietrate darf allerdings nicht zu niedrig angesetzt sein.

Anbieter: Bislang bietet dieses Modell nur der Berliner ­Flottenfinan­zier AMS, inzwischen in Kooperation mit Leaseplan.

Corporate Carsharing
Hier wird der Unternehmer selbst zum Carsharing-Anbieter. Er least Poolfahrzeuge von einem Flotten­finanzier und überlässt diese dann den eigenen Mitarbeitern zur geschäftlichen oder privaten Nutzung. Der Fuhrparkdienstleister stellt die notwendige technische ­Infrastruktur zur Verfügung, damit Buchung, Wartung und Abrechnung problemlos klappen. Mitarbeiter bekommen zum Beispiel Funkchips auf die Führerscheine geklebt, mit denen sich die Autos öffnen lassen. Fahrer müssen vor der Fahrt angeben, ob sie privat oder dienstlich fahren. Ist die Fahrt privat, geht eine zeitabhängige Mietzahlung von ihrer Kreditkarte ab.

Anbieter: Die BMW-Fuhrparkmanagement-Tochter Alphabet hat ihr Alphacity genanntes Programm Ende 2011 vorgestellt und ist bislang allein am Markt.

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