Management Turnaround beim Autozulieferer Kiekert: „Ansprechbar sein, das ist wichtig in der Krise“

Dass ihr Arbeitgeber kurz vor der Insolvenz stand, war vielen Mitarbeitern bei Kierkert gar nicht klar. Als Karl Krause 2006 das Ruder des angeschlagenen Automobilzulieferers übernahm, brachte er nicht nicht nur die Zahlen in Ordnung - er brach auch mit einem Tabu: Der Manager fing an, mit den Mitarbeitern zu reden.

Sie waren Opfer. Die Firma war ein Paradebeispiel dafür, wie Heuschrecken deutsche Mittelständler fressen. Rund 530 Mio. Euro hatte der Finanzinvestor Permira für den bis dahin börsennotierten Autozulieferer Kiekert, einen Spezialisten für Türschlösser, bezahlt und die Schulden dann aufs Unternehmen abgewälzt. Im Oktober 2006 wurde Kiekert von zwei Londoner Hedge-Fonds übernommen – und saniert. Sie holten einen erfahrenen Manager und promovierten Maschinenbauingenieur an Bord: Karl Krause. Der brachte nicht nur die Zahlen in Ordnung, sondern brach auch mit einem Tabu. Er fing an zu reden: mit Mitarbeitern, Kunden, Partnern, Journalisten.

„Um klarzumachen, dass jetzt eine Notfall-OP ansteht, musste ich den Leuten erst mal klarmachen, dass ihr Arbeitgeber kurz vor der Insolvenz steht“, sagt Krause. „Das war vielen Mitarbeitern überhaupt nicht klar.“ Er legte alle Zahlen und seine Pläne für die nächsten 18 Monate offen, sprach in Betriebs- und Abteilungsversammlungen, ging so oft wie möglich durch die Fabriken. „Ansprechbar sein, das ist wichtig in der Krise.“ Eine Mitarbeiterzeitschrift wurde eingeführt. Zudem wurden und werden die heute 4300 Angestellten alle 14 Tage per E-Mail informiert, was in der Firma ansteht – in den Sprachen aller Länder, in denen Kiekert Autoschlösser und Zentralverriegelungen produziert.

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Der neue Chef stellte auch einen Pressesprecher ein. „Früher hat sich Kiekert eingemauert, so waren ständig Gerüchte im Umlauf“, sagt Krause. Heute redet er mit – und nimmt so Einfluss. „Negative Botschaften wie Entlassungen muss ich doch kommentieren und erklären, warum sie nötig sind.“ Der Erfolg dieser Kommunikationsstrategie: Zunächst wurde es still
um Kiekert. Keine Skandale mehr, keine Gerüchte. Dann meldete sich die Firma aus Heiligenhausen mit guten Nachrichten zurück. Der Umsatz wuchs, Kiekert machte wieder Gewinn. Im März stieg die Pekinger Firma Hebei Lingyun ein. „Unser Wunschpartner“, sagt Krause. Mit der Übernahme sei ein internationales Zulieferunternehmen mit über 1,2 Mrd. Euro Umsatz entstanden. „Wir kommen entgegen den Klischees mit den Chinesen wunderbar zurecht, aber das ist eine eigene Geschichte.“

 

 

imp_201212_zoomAus dem impulse-Magazin 12/2012
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