Aha-Momente Weshalb Unternehmer ihren Alltag mit allen Sinnen wahrnehmen sollten

In der April-Ausgabe von impulse berichten wir über Aha-Momente von Unternehmern.

In der April-Ausgabe von impulse berichten wir über Aha-Momente von Unternehmern.© Dale LaFollette / Flickr / Lizenz: CC BY-ND 2.0

Viele Unternehmer können von einem Schlüsselmoment erzählen, der am Beginn ihres Erfolgs stand. Solche Aha-Momente können ganz unterschiedlich sein - und haben doch eins gemeinsam: Man muss sich auf sie einlassen.

Als sich Christopher Fuhrhop ans rettende Ufer schleppte und entkräftet auf dem Strand liegen blieb, wäre er nie auf die Idee gekommen, dass aus seinem schweren Sportunfall Jahre später ein aufstrebendes Start-up hervorgehen würde. Fuhrhop war beim Kitesurfen vor der französischen Küste ins Meer gestürzt, der Schirm war gerissen und trieb neben ihm auf dem Wasser. Plötzlich war der junge Mann in Lebensgefahr. Er musste lange schwimmen, bevor er sich mit letzter Kraft retten konnte.

Heute verkauft Fuhrhop Mini-Rettungsbojen, an denen sich Wassersportler festhalten können, bis Hilfe eintrifft. 40.000 Stück hat er mit seinem 15-köpfigen Team schon produziert. Er gewann den Deutschen Gründerpreis und sammelt gerade Geld über eine Crowd­investing-Kampagne ein.

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Die Kunst: Den Moment erkennen – und die Idee umzusetzen

Rückblickend können viele Entrepreneure von einem Schlüsselmoment erzählen, der am Beginn ihres unternehmerischen Erfolgs stand. Das kann ein Beinahe-Unglücksfall sein wie bei Christopher Furhop. Aber auch ein Erfolgserlebnis, weil die Herstellung eines Produkts plötzlich gelingt, der erste Kunde begeistert ist oder das neuartige Material funktioniert. In diesem Moment merken die wenigsten, dass sich gerade etwas Entscheidendes tut. Viele Erfindungen entstehen aus Zufallsentdeckungen, Partygesprächen oder aus einem spontanen Impuls.

Die Kunst liegt vor allem darin, den entscheidenden Moment nicht nur zu erkennen, sondern die Idee auch umzusetzen. Vom Sportunfall bis zur Unternehmensgründung hat es bei Fuhrhop einige Jahre gedauert. Aber der Gedanke an ein Rettungssystem spukte seit dem Unfall in seinem Kopf herum.

Die Baden-Badener Unternehmerin Cordula Schulz etwa zögerte, den Familienbetrieb zu übernehmen. Erst eine E-Mail von ihrem Vater brachte die Wende. „Die Nachricht kam genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt sie rückblickend.

„Wieso hat das vorher noch niemand erfunden?“

Manchmal dauert es länger, bis aus einem Schlüsselmoment ein Geschäft wird. Die Gründer des Sprachendienstleisters Lingoking waren schon einige Zeit auf der Suche nach einer zündenden Geschäftsidee. Zwei von ihnen arbeiteten bei einem Münchener Start-up und hatten Gründerluft geschnuppert. Sie wollten selbst auch eine Firma starten. Als sie eines Abends über ihren verpatzten Korsika-Urlaub mit Verständigungsproblemen in der Autowerkstatt sprachen, machte es klick. Übersetzungsdienstleistungen – das war die Idee!

„Wieso hat das vorher noch niemand erfunden?“ – so beschrieben einige Unternehmer den Moment, als sie realisierten, dass hinter einer spontanen Idee ein unentdecktes Geschäftsmodell stecken könnte. Die Erfinder von Ergobag wunderten sich, dass Wanderrucksäcke ergonomisch gestaltet waren, nicht aber Schultaschen. Die Gründerin von Velo Easy staunte, dass nur vereinzelt abschließbare Fahrradgaragen an öffentlichen Plätzen standen, trotz hoher Diebstahlrate.

Niemand sieht einen Aha-Moment auf sich zukommen

Nicht immer kommen die Ideen von Unternehmern selbst, sondern auch von Freunden, Kollegen oder Mitarbeitern. Anita Freitag-Meyer wurde von ihren Angestellten mit einem Geburtstagsgeschenk in Form eines speziellen Kekses überrascht – und nahm diesen kurzerhand ins Sortiment auf. Sie wagte den Schritt, obwohl die meisten neuen Produkte in der Gebäckbranche scheitern. Die Unternehmerin glaubte an den Einfall ihrer Mitarbeiter. Und sie hätte den Überraschungsmoment nicht selbst herbeiführen können, selbst wenn sie ­gewollt hätte. Die Überraschung und die Geschichte hinter dem Geschenk hatten entscheidenden Anteil daran, dass Kunden und Follower bei Facebook sie mit Lob überhäuften.

Niemand sieht einen Aha-Moment auf sich zukommen, deshalb ist es umso wichtiger, dass Unternehmer ihren Alltag mit allen Sinnen wahrnehmen. Wer sich nicht auf die Möglichkeit einlässt, dass eine Begegnung, eine Entdeckung oder ein Gespräch alles verändern kann, der wird auch nicht davon profitieren.

 

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