Arbeiten mit dem Partner „Schatz, wir treffen uns gleich zum Meeting“

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Anna Yona und ihr Ehemann Ran bei der Schuhprobe. Die gemeinsame Arbeit mit dem Partner hat Vor- und Nachteile.

Anna Yona und ihr Ehemann Ran bei der Schuhprobe. Die gemeinsame Arbeit mit dem Partner hat Vor- und Nachteile.© Anna Yona

Anna Yona hat mit ihrem Mann eine Familie und eine Firma gegründet. Auf ihrem impulse-Blog gibt sie fünf Tipps für die Arbeit mit dem Partner.

Wenn ich irgendwo erzähle, dass mein Mann mein Geschäftspartner und Mitgründer von Wildling Shoes ist, entsteht häufig eine Stille, in der man die Zweifel und Bedenken nur so knistern hören kann. Die Reaktionen reichen von „Oh, wie toll!“ über „Respekt, das könnte ich nicht“ bis hin zu „Ihr Armen“, wobei kritischere Kommentare meist überwiegen.

Ein typischer Zweifel von Unternehmensberatern, Bänkern und anderen Sicherheitsliebenden: „Was, wenn es zwischen euch nicht klappt? Was wird dann aus der Firma?“

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Ganz ehrlich – die Frage, ob es mit uns klappen könnte, habe ich mir genau einmal gestellt. Und zwar bevor wir eine Familie gegründet haben. Da ich sie damals mit „Ja!“ beantwortet habe, brauche ich sie mir wegen einer Unternehmensgründung nicht ein zweites Mal stellen. Umgekehrt sehe ich im Unternehmensaufbau auch keine große Gefahr für uns als Paar. Wer gemeinsam drei Kinder großzieht, der blickt auch dem Stress einer Gründung relativ gelassen ins Auge. Spannender finde ich deswegen die Frage: „Wir funktioniert das?“

Arbeiten mit Partner: Der Idealplan …

Idealerweise (also nie) funktioniert das gemeinsame Arbeiten mit dem Partner etwa so: Bis 8 Uhr sind alle Kinder aus dem Haus. Die Eltern treffen sich mit der nötigen Portion Koffein intus zum strukturierten Unternehmensgespräch. Die nächste Produktion wird geplant. Am Whiteboard im Arbeitszimmer entsteht ein konkretes Szenario, To-Do-Listen werden angefertigt, Aufgabenbereiche unterteilt – und bis mittags die Kinder wieder zurück sind, steht der Fahrplan für die nächste Woche.

… und die Realität

De facto läuft es eher so: Die Kinder sind frühestens um 9 Uhr anderweitig untergebracht, ein wichtiger Telefontermin steht für 10 Uhr an, um 11.30 Uhr muss die Große abgeholt werden, weil der Bus ausfällt.

Plan für die nächste Woche – höchst unklar.

Mittags, zwischen Möhrenschnippeln und Streitschlichten, versuchen die Eltern, gröbste Fragen zu klären:

„Also, wird es ein hohes und ein tiefes Halbschuhmodell geben?“
„Gib mir mal eben das Salz.“
„Hoch und tief?“
„Ja.“
„Wie viele Paare?“
„Jetzt lass ihm doch mal das Auto. Das ist sein Auto!“
„Wirklich. Du hast doch deine eigenen Sachen.“
„Was hast du gesagt?“
„?“ – „Ach so, ja, wie viele Paare sollen wir produzieren?“
„Ich denke mal. wir sollten …“
„Jetzt lass ihn bitte in Frieden! Alle raus aus der Küche jetzt – Mama und Papa müssen etwas Wichtiges besprechen! Also – jetzt!“
„Ach, bevor ich es vergesse – wir müssen den Zettel für den Kindergarten ausfüllen.“
„Herrgott, jetzt lass uns mal eben beim Thema bleiben – sie spielen gerade, wir haben nicht viel Zeit!“
„Sorry, wo waren wir stehen geblieben?“

Nach entsprechend langwieriger Lageberatung latscht Mutter desillusioniert ins Arbeitszimmer, fegt dort liegengebliebene Spielsachen vom Schreibtisch – „Zum hundertsten Mal: Das ist mein Arbeitszimmer, kein Spielzimmer!“ – und muss erst einmal Schichten von Kinderkritzeleien entfernen, um ans Whiteboard zu kommen. Als sie es geschafft hat, ist leider schon wieder die Hälfte der eben besprochenen Dinge vergessen. Stilldemenz, Schlafmangel und so weiter.

Die großen Vorteile

Aber da gibt es eben auch ein paar nicht zu übersehende Vorteile der Firmengründung mit dem Partner. Denn was könnte besser sein, als sich gemeinsam die Zeit einteilen zu können? Zumindest rein theoretisch. Zusammen an einer Vision zu arbeiten, Tiefen gemeinsam durchzustehen und vor allem Höhen zu zweit zu genießen?

Die große Nähe zum Partner macht auch viele Entscheidungen einfacher. Was mit weniger vertrauten Menschen lang diskutiert werden muss, ist als Paar häufig eine Selbstverständlichkeit, basierend auf gemeinsam gewachsenen Werten. Auch wenn die Kommunikation bisweilen erschwert wird, Respekt und Anerkennung sind in unserer Konstellation glücklicherweise inklusive.

Und noch ein echter, nicht zu unterschätzender Bonus: Viele Mompreneurs erleben eine Situation, in der sie sich den Respekt und die Anerkennung für ihr Tun nicht nur von ihrem Umfeld, sondern vor allem von ihrem Partner erkämpfen müssen. Er ist die ganze Woche unterwegs, schiebt bis spät abends Meetings und gibt den Kindern gerade noch den Gute-Nacht-Kuss, während sie zwischen Kindergartenterminen, Wäschebergen und Schulferien versucht, ihr Unternehmen auf die Beine zu stellen. Und sich regelmäßig dafür rechtfertigen muss, weshalb ihr „Hobby“ noch nicht genug Geld abwirft. Das ist bei uns nicht nötig.

Fünf Tipps für den Alltag

Wie die Arbeit in anderen Konstellationen bringt auch die Firmengründung mit dem Partner Vor- und Nachteile mit sich. Einige der Risiken lassen sich durch folgende einfache Grundsätze eingrenzen, die sich aus jahrelanger Erfahrung und vor allem Nichtbeachtung derselbigen herauskristallisiert haben.

1. Klare Aufgabenverteilung

Je klarer die Grenzen zwischen „Mein Job“ und „Dein Job“ sind, desto einfacher wird es. Als Paar und Geschäftspartner hat man genug damit zu tun, die verschiedenen Rollen unter einen Hut zu bringen – da ist es gut, wenn man von vornherein klare Grenzen der Zuständigkeit schafft.

2. Zeit für Meetings

Der ungestörte Austausch zu Unternehmensfragen ist unheimlich wichtig. So wichtig, dass er einen eigenen Platz im Terminkalender beanspruchen und nicht für andere Termine verschoben werden sollte.

Es liegt nahe zu denken, dass man dazu später noch Zeit findet – die Realität sieht oft anders aus. Meist reichen 30 Minuten, um sich ungestört den gemeinsamen Aufgaben zu widmen und Klarheit und Struktur in den gemeinsamen Arbeitsalltag zu bringen.

3. Aufmerksame Kommunikation

Wenn man als Paar zusammen arbeitet, schleichen sich unweigerlich Verhalten und Kommunikationsstrukturen aus dem Zusammenleben in den Arbeitsalltag ein – und das ist höchst gefährlich. Rangkämpfe haben hier ebenso wenig etwas verloren wie das eigene Ego und sollten ganz bewusst aus der Zusammenarbeit verbannt werden.

4. Arbeitsfreie Zeit

Für die gesamte Familie ist es wichtig, dass es komplett arbeitsfreie Zeiten und Zonen gibt. Mal eben eine E-Mail zu checken, sollte während dieser Zeiten konsequent vermieden werden. Nur so kann man wirklich abschalten und die gemeinsame Zeit genießen.

5. Zeit als Paar

Haha, der war gut!

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
2 Kommentare
  • Gill-Heinlein, Hildegard 5. Januar 2016 08:33

    Guten Morgen, lese per Zufall am frühen Morgen; wir arbeiten bzw. haben als freiberufliche Notärzte seit 1978/1981 gearbeitet, 4 gemeinsame Kinder. Jetzt kann ich die Familie dank meiner Selbständigkeit finanziell durchbringen, da meine Leistung gefragt ist, bin jetzt 66 J. alt. Damals konnte das keiner ahnen, aber schlimm waren die Jahre, als schwere Krankheiten (Kinder, Ehemann) eintraten. Und dass Kinder sooo lange studieren (trotz guten Abis) war auch nicht planbar. C’est la vie! Viel Glück!! Vergessen Sie die Urlaube nicht!

  • Adi Altgassen 1. Dezember 2015 20:06

    Respekt & Hochachtung!!!!

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