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Digitalisierungs-Tipps des Evernote-Chefs So agieren Sie wie Google & Co.

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In Sachen Digitalisierung endlich Vorreiter sein - anstatt den anderen hinterher zu schauen. Evernote-Europchef Beat Bühlmann sagt, dass das auch für kleine Unternehmen durchaus möglich ist.

In Sachen Digitalisierung endlich Vorreiter sein - anstatt den anderen hinterher zu schauen. Evernote-Europchef Beat Bühlmann sagt, dass das auch für kleine Unternehmen durchaus möglich ist. © complize / photocase.de

Um zum digitalen Vorreiter zu werden, braucht es kein großes Budget oder viele Mitarbeiter, sagt Beat Bühlmann, Ex-Google-Mann und heute Europachef von Evernote. impulse verriet er seinen leicht umsetzbaren 5-Punkte-Plan für kleine Unternehmen.

Als der Google-Gründer Sergey Brin eines Tages aus dem Urlaub zurück in die Firmenzentrale kam, brachte er eine neue Idee mit: Wäre es nicht praktisch, wenn man sich schon vor einer Reise sein Ziel genauer anschauen könnte? Fotos sehen statt nur Karten? Die Idee von Google Street View war geboren.

Bedenken gab es zunächst viele. Die unglaublichen Datenmengen. Die damals noch geringen Geschwindigkeiten der meisten Internetverbindungen. Und auch die führenden Kamerahersteller winkten ab: Von Autodächern aus ganze Straßenzüge abfotografieren und online verfügbar machen? Ein Ding der Unmöglichkeit. Doch Sergey Brin interessierte die Gegenwart nicht. Er dachte an die Zukunft.

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Er ließ ausrechnen, wie sich Speicherkosten und Geschwindigkeiten künftig entwickeln würden, in drei, in fünf, in sieben Jahren – und siehe da, plötzlich erschien seine Utopie nicht mehr ganz so fern. Heute ist Google Street View längst Standard.

Die Anekdote erzählt Beat Bühlmann gerne, wenn Unternehmer ihn fragen, wie sie die Digitalisierung anpacken sollen. Der Europa-Chef von Evernote, einer Organisations-App mit 200 Millionen Nutzern, hat bei Google gearbeitet und lehrt an den Hochschulen in St. Gallen, Zürich und der Harvard University. Sein Credo: Jedes Unternehmen kann lernen, so wie Google zu agieren und früh neue Chancen zu erkennen. Für kleine und mittlere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen hat er konkrete Schritte entwickelt, die diese fit für die Digitalisierung machen. Das sind die wichtigsten Punkte aus seinem Leitfaden:

1. Einen Trendscout ernennen

Es reiche nicht, wenn sich Unternehmer einmal im Jahr in einmaligen Workshops mit neuen Entwicklungen beschäftigen, sagt Bühlmann. Stattdessen müsse es einen Mitarbeiter geben, der den Hut bei dem Thema auf hat und kontinuierlich Zukunftstrends sichtet, Neuheiten in der eigenen Branche analysiert und technologische Entwicklungen daraufhin abklopft, ob sie für das eigene Unternehmen einen konkreten Mehrwert bieten.

Ein Beispiel aus Bühlmanns Dozenten-Alltag: Ein kleines Schweizer Familienunternehmen, das Dienstleistungen für Krankenhäuser erbringt, geriet an den Rand der Pleite, weil es seinen wichtigsten Kunden verlor. Der Konkurrent, an den der Auftrag ging, war weder günstiger noch in seinen Leistungen besser. Aber er hatte ein Problem der Kunden erkannt und dieses geschickt gelöst: Er bot den Kunden ein E-Learning-Programm an, mit dem sie ihre Mitarbeiter schnell und einfach schulen konnten, was Kosten senkt und die Qualität sichert. „Der Witz ist, dass der Konkurrent das Angebot auf seiner eigenen Homepage vorgestellt hat“, sagt Bühlmann. Ein schneller Blick darauf hätte genügt, um die Gefahr für die eigene Firma früh zu erkennen.

2. Big Data im Kleinen nutzen

Auch der kleinste Handwerksbetrieb oder Friseursalon verfügt über Informationen über seine Kunden und die Geschäftsentwicklung, aus denen sich lukrative Schlüsse ziehen lassen. Nur liegen diese Daten meistens brach. Zu groß scheinen die Hürden, sie systematisch auszuwerten. „Dabei muss kein Mittelständler zum Experten für Artificial Intelligence werden, um davon zu profitieren“, beruhigt Bühlmann. Für viele Branchen gebe es längst kostengünstige Programme, die vorliegende Daten, etwa über Auftragseingänge und Zahlungsströme, automatisch analysieren und optisch aufbereiten. Darüber hinaus empfiehlt Bühlmann  praktische Big-Data-Tools für den Blick über den eigenen Tellerrand zu nutzen: Beispielsweise das interaktive Consumerbarometer  von Google, das beleuchtet wie Konsumenten heute agieren und so Entscheidern hilft, ihre Kunden besser zu verstehen. Auf der Seite Think with Google, die es auch auf Deutsch gibt, listet der Datenriese weitere Verbrauchertrends und Brancheneinblicke auf.

3. Hierarchien durchlässig machen

Viele Unternehmer stehen heute vor zwei Problemen: Das Tempo, in dem technologische Neuerungen wichtig werden, ist extrem hoch. Und die meisten Mittelständler sind nicht gerade das, was man Digital Natives nennt. Doch das heißt nicht, dass wertvolles Wissen in den Unternehmen gar nicht vorhanden ist. Jüngere Mitarbeiter, die oft ganz unten in der Firmenhierachie stehen, sind oft am Puls der Zeit – nur fragt sie meistens niemand nach ihrer Meinung. „Es hilft schon, Meetings der Chefebene für Mitarbeiter aus allen Abteilungen und jeder Hierachiestufe zu öffnen, etwa jedes Mal einem anderen Mitarbeiter zehn Minuten lang die Gelegenheit zu geben, Ideen vorzustellen oder auch nur Fragen zu stellen. Das ist ein einfaches Mittel, das oft Wunder bewirkt“, so Bühlmann.

4. Das Wissen der Kunden anzapfen

Der Computerhersteller Dell kam auf die Idee, als er tief in der Krise steckte. Als kaum jemand Dell-Produkte kaufen wollte, fragte das Unternehmen bei den Kunden nach, woran es liegt. Heraus kam das heute als wegweisend geltende Projekt Ideastorm, eine Plattform, auf der Kunden Kritik, Wünsche und Verbesserungsvorschläge vorstellen können. Dell ist längst aus der Krise und das Konzept hat sich unter dem Begriff Crowdsourcing („Die Weisheit der Vielen“) als Innovationsinstrument etabliert.

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5. Selbst up-to-date bleiben

Chefs haben wenig Zeit, aber zwei Stunden sollten sie sich in jeder Woche im Kalender blocken, um tiefer in neue Themen einzutauchen, die sonst zu kurz kommen. „Deep Work“ nennt das Bühlmann. Und: Statt nur Fachmagazine zu lesen und Konferenzen zu besuchen, die sich mit der eigenen Branche beschäftigen, helfe es, bewusst auf Veranstaltungen zu gehen, die einen ganz anderen Fokus haben. „Wer immer mit den gleichen Leuten redet, erfährt in der Regel wenig Neues“, sagt Bühlmann, „das kann sich schnell rächen.“


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