Strategie schärfen Wie einfache Regeln Ihr Unternehmen voranbringen

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Da geht's lang: Einfache Regeln funktionieren deshalb so gut, weil sie eine klare Orientierung vorgeben, ohne zu enge Vorgaben zu machen, sagt der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Donald Sull.

Da geht's lang: Einfache Regeln funktionieren deshalb so gut, weil sie eine klare Orientierung vorgeben, ohne zu enge Vorgaben zu machen, sagt der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Donald Sull.© Flügelwesen - Fotolia.com

Sind Sie in der Lage, die Strategie Ihres Unternehmens in einem Satz zusammenzufassen? Wenn nicht, sollten Sie daran arbeiten. Denn dadurch eröffnen sich völlig neue Wachstumschancen.

Die Strategie eines Unternehmens sollte sich auf einfache Regeln reduzieren lassen – leicht zu merken und gut umzusetzen. Das sagt Donald Sull, US-Wirtschaftswissenschaftler an der renommierten MIT Sloan School of Management in Cambridge. Der Mann weiß, wovon er redet: Er hat über Jahre hinweg Dutzende Unternehmen in verschiedenen Ländern untersucht. An der Best-Practice-Studie nahmen auch Unternehmen aus Deutschland teil.

Das Ergebnis: In vielen Unternehmen, die im Rahmen der Studie einfache Regeln entwickelt und eingeführt hatten, stiegen die Gewinne laut Sull um 20 bis 50 Prozent, manchmal sogar innerhalb weniger Monate. Denn sie halfen ihnen dem Wirtschaftsprofessor zufolge, bessere Entscheidungen zu treffen, die profitabelsten Kunden auszuwählen oder das Produktangebot neu auszurichten.

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Donald Sull empfiehlt dabei folgendes Vorgehen: Im ersten Schritt sollten Unternehmer identifizieren, mit welchen Stellschrauben sie den Gewinn erhöhen könnten – und was sie bisher daran hindert. Er rät: Konzentrieren Sie sich auf diesen Engpass und entwickeln Sie Regeln, wie Sie ihn überwinden und den Gewinn steigern können. „Nur so können Sie sicher sein, dass die Regeln am Ende tatsächlich strategisch von Nutzen und damit einer Gewinnsteigerung zuträglich sind“, rät Sull.

Der zweite Schritt: Die richtige Regeln definieren. Sie müssen laut Sull folgende Anforderungen erfüllen:

  • Sie sind auf eine Handvoll Aspekte begrenzt.
  • Sie lassen sich leicht auf Handlungen und Entscheidungen anwenden.
  • Sie bieten eine klare Orientierung und konkrete Anleitungen, ohne zu enge Vorgaben zu machen.

Der dritte Schritt: Der Unternehmer muss die Regeln konsequent prüfen und bei Bedarf anpassen.

Das Beispiel Airbnb

Wie solche Regeln praktisch aussehen können, lässt sich mit der Erfolgsgeschichte des Übernachtungsportals Airbnb illustrieren. Als Joe Gebbia und seine Mitstreiter Airbnb im August 2008 gründeten, boten sie zunächst Übernachtungsplätze für Konferenz- und Festivalteilnehmer an. Dahinter stand die Idee, dass solche Großereignisse viele Besucher mit schmalem Geldbeutel anziehen. Doch das Konzept ging nicht auf: Die Umsätze stiegen immer nur kurzfristig.

Eine neue Idee musste her, und auf die kamen die Gründer durch Paul Graham, einen Start-up-Investor aus dem Silicon Valley. Der riet ihnen, nicht auf Konferenzen zu setzen, sondern in die großen, angesagten Städte zu gehen. Am Ende hatte Airbnb laut Sull seine Unternehmensstrategie geschärft – und auf die folgende einfache Regel reduziert:

  • Wir stoßen in internationale, angesagte Städte vor und machen die Übernachtungen bei lokalen Gastgebern zu einem einzigartigen Erlebnis.

Jedes Wochenende flogen die Gründer daraufhin nach New York und suchten nach den besten Gastgebern der Stadt. Dank des positiven Feedbacks der Gäste und Gastgeber gelang es Airbnb, immer mehr Kunden anzuziehen und zur erfolgreichsten Übernachtungsplattform der Welt zu werden.

Einfache Regeln fürs operative Geschäft

Nicht nur die Unternehmensstrategie profitiert vom Prinzip der einfachen Regeln, sondern auch das operative Geschäft. Denn zu viel Entscheidungsfreiheit überfordert nicht nur die Mitarbeiter; auch bleiben Synergieeffekte ungenutzt.

Wer Regeln für das Tagesgeschäft entwickeln wolle, solle sich die verschiedenen Sichtweisen und Erkenntnisse der eigenen Mitarbeiter zunutze machen, rät Donald Sull. „Regeln in der oberen Führungsetage zu entwickeln und sie dann nach unten zu geben, ist ein riesiger Fehler.“

Unbedingt dazu gehören sollten Mitarbeiter, die die Regeln täglich anwenden müssen, rät Sull. Sie sind mit der Sachlage am besten vertraut und können Erfahrungen in brauchbare Regeln umwandeln. Sie sind auch in der Lage zu erkennen, ob Regeln zu vage, zu eng gefasst oder zu kompliziert sind. Außerdem können sie Regeln in eine Sprache übersetzen, die von allen verstanden wird.

Die Gruppe, die die Regeln erarbeitet, sollte idealerweise aus vier bis acht Mitarbeitern bestehen.

Das Beispiel Zatisi

Beim US-Kantinenbetreiber Zatisi Group bestimmte jeder Küchenchef selbst, welche Gerichte auf die Speisekarte kamen. Am Ende eines Jahres kamen so fast 1000 verschiedene Speisen zusammen. Die riesige Vielfalt machte es unmöglich, frische Zutaten in größeren Mengen einzukaufen und dadurch Rabatte auszuhandeln.

Um das zu ändern, entwickelten Mitarbeiter des Unternehmens folgenden Leitfaden für die Menüauswahl:

  • Der Speiseplan für alle Kantinen muss jeweils bis Mittwochmittag stehen.
  • Drei der fünf täglich angebotenen Gerichte müssen in der Vergangenheit Bestseller gewesen sein.
  • Die Küchenmeister müssen sich abstimmen und dafür sorgen, dass mindestens zwei der angebotenen Gerichte in allen Kantinen am gleichen Tag auf dem Speiseplan stehen.
  • Neunzig Prozent der verwendeten Obst- und Gemüsesorten müssen nach dem regionalen Saisonkalender eingekauft und verwendet werden – also dann, wenn sie gerade aus der Region verfügbar sind.

Mit Hilfe dieser simplen neuen Regeln gelang es der Zatisi Group laut Sull, die Umsätze innerhalb weniger Monate um ein Drittel zu steigern und den Gewinn zu verdoppeln. Und innerhalb von 18 Monaten konnte das Unternehmen die Zahl seiner Kantinen verdreifachen.


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