Themenspezial "Energieeffizienz im Unternehmen"

Energieberater Mit Expertenrat die Energiekosten senken

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Einfach den Stecker ziehen, ist keine Lösung. Energieberater helfen, sinnvolle Energiesparpontentiale in Unternehmern aufzuspüren - und bringen sie in eine Rangfolge: Wo kann man mit wenig Aufwand möglicht viel einsparen?

Einfach den Stecker ziehen, ist keine Lösung. Energieberater helfen, sinnvolle Energiesparpontentiale in Unternehmern aufzuspüren - und bringen sie in eine Rangfolge: Wo kann man mit wenig Aufwand möglicht viel einsparen?© EzraPortent/photocase

Energieberater helfen Unternehmen, Sparpotenziale aufzudecken und umzusetzen. Wo aber findet man qualifizierte Experten? Was kostet die Energieberatung und für wen lohnt sich das?

Wie finde ich als Unternehmer einen qualifizierten und passenden Berater?

Am besten über die zentrale Experten-Datenbank (www.energie-effizienz-experten.de). Diese hat die Deutsche Energieagentur (dena) in den vergangenen Jahren zusammen mit anderen zentralen Institutionen aufgebaut – etwa der KfW, dem BAFA und dem Wirtschaftsministerium. Wer in diese Datenbank aufgenommen werden will, muss nicht nur nachweisen, dass er eine passende Ausbildung hat – beispielsweise studierter Architekt oder Bauingenieur ist –, sondern auch seine Praxiserfahrung belegen. Zudem muss der Energieberater dokumentieren, dass er sich mindestens 16 Stunden pro Jahr spezifisch fortbildet, beispielsweise in einem speziellen Anwendungsbereich oder in Sachen Lebenszyklus-Kostenanalyse. Und schließlich muss er noch etwa 100 Euro zahlen. „Nur, wenn ein Energieberater all das erledigt hat, kann er gelistet werden. Die Anforderungen helfen, die Qualität zu sichern – und verhindern, dass Selbstständige die Plattform lediglich als Werbemöglichkeit nutzen“, so Steffen Joest, stellvertretender Bereichsleiter Energiesysteme und Energiedienstleistungen bei der dena in Berlin.

Von den 14000 Experten, die die Datenbank aktuell verzeichnet, haben sich etwa 1000 auf den Einsatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen spezialisiert – und sind bequem über eine Postleitzahlsuche zu finden. Das Gute: Alle Berater in der Datenbank arbeiten unabhängig von einem Hersteller – und sind so qualifiziert, dass sich Unternehmer ihren Einsatz über Energieberatungs-Förderprogramme der Bundesregierung subventionieren lassen können.

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Wie findet man heraus, ob ein Berater wirklich zu einem Unternehmen passt?

„Lassen Sie sich einen typischen Bericht mit geschwärzten Unternehmensdaten vorlegen, der beispielhaft illustriert, wie der Energieberater vorgeht“, rät Joest. „Dieser Bericht sollte zeigen, wie Lösungsvorschläge aussehen – und belegen, dass der Energieberater es schafft, die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Maßnahmen darzulegen und zu bewerten.“ Auf diese Weise sei es leicht, abzuschätzen, ob der Berater professionell arbeitet und zum Unternehmen passt.

Außerdem rät Joest dazu, andere Unternehmer nach einer persönliche Empfehlung zu fragen. Ist das nicht möglich, sollten Unternehmer den potenziellen Energieberater bitten, seinem Angebot ein, zwei Referenzprojekte mit Ansprechpartner beizulegen..

Wie läuft eine Energieberatung in Unternehmen ab?

Sie besteht meist aus vier Teilen:

  1. Die Analyse des Ist-Zustandes: Dabei untersucht der Berater, wie sich der bisherige Energieverbrauch zusammensetzt, identifiziert die wesentlichen Verbraucher im Unternehmen und überprüft, wie sich der Energieverbrauch – meist über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg – entwickelt hat. Diese Arbeit erledigen die Berater für sich im Büro – benötigen aber aus dem Unternehmen Unterlagen wie etwa Stromrechnungen.
  2. Der Vor-Ort-Termin: Hier geht der Energieberater mit einer Begleitung durchs Unternehmen, schaut sich genau an, wo welche Verbraucher sitzen, welche Maschinen und Anwendungen wie aufgebaut sind, an welchen Stellen sich etwa die Beleuchtung der Arbeitsplätze verbessern ließe. Außerdem nimmt er Daten auf, notiert beispielsweise die Typenschilder von Pumpen.
  3. Die Entwicklung möglicher Energiesparmaßnahmen: Wieder im Büro, analysiert der Berater alle gesammelten Informationen – und fängt an, Lösungsvorschläge zu entwickeln. Dabei berechnet er für jedes mögliche Einsparpotenzial, wie hoch die Investitionskosten wären und welche Einsparungen diesen gegenüberstehen. Auch schätzt er ab, wie lange die Umsetzung dauern würde – und ab wann sich die Investitionen auszahlen. Aus allen möglichen Maßnahmen erstellt der Berater schließlich ein Ranking für das zukünftige Vorgehen.
  4. Die Ergebnispräsentation: Hier treffen sich Berater und Unternehmer, um die möglichen Maßnahmen im Einzelnen durchzusprechen – und im besten Fall einen Projektplan an den für die Umsetzung zuständigen Mitarbeiter abzugeben.

Tipp von Steffen Joest: „Bestehen Sie auf einem Gespräch vor der Ist-Zustand-Analyse. Es macht Sinn, als Unternehmer vorab abzustecken, ob man beispielsweise sehr weit in die Zukunft schauen möchte – der Berater etwa auch Maßnahmen wie Möglichkeiten zur eigenen Energiegewinnung in seine Vorschläge einschließen soll, auch wenn sich die Investitionskosten dann oft erst nach zehn oder mehr Jahren rechnen. Oder ob die Maßnahmen auf schnelle Umsetzbarkeit fokussiert sein sollen. Ein solches Vorgespräch verhindert, dass die Erwartungen beziehungsweise das Verständnis unterschiedlich sind.“

Was kostet der Einsatz von Energieberatern?

Die Tagessätze liegen zwischen 800 und 1200 Euro pro Tag – günstigere Kurse stellen unseriöse Dumping-Preise dar. Mindestens drei Beratertage muss jeder Unternehmer ansetzen, der sich für eine professionelle Energieberatung entscheidet – dafür bekommt man den Standard. „Es lohnt sich immer, den einen oder anderen Tag mehr anzusetzen, um die möglichen Maßnahmen in Ruhe durchzusprechen“, sagt Joest. „Die Erfahrung zeigt: Mit jedem zusätzlichen Tag steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahmen so weit wie möglich auf die konkrete Situation des Unternehmens abgestimmt sind – und die Einsparpotenziale in der Folge dann auch praktisch ausgeschöpft werden.“ Gut zu wissen: Es gibt für kleine und mittlere Unternehmen spezielle Fördermöglichkeiten (Link zu Fördergeld-Artikel) – je nach Programm lassen sich so bis zu 50 Prozent der Kosten einsparen.

Für welche Unternehmen lohnt sich eine Energieberatung?

Generell gilt: Am meisten profitieren Mittelständler, die mindestens 100 Mitarbeiter haben und deren jährliche Energiekosten in einem sechsstelligen Bereich liegen sowie mindestens zwei Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Beispielsweise zieht ein Bäcker mit zehn Filialen und einem großen Produktionsbetrieb relativ gesehen einen größeren Nutzen aus der Energieberatung als ein traditioneller Bäcker mit einem Laden und integrierter Backstube – einfach, weil die Einsparpotenziale in einem günstigeren Verhältnis zu den Kosten stehen, die Unternehmer erst einmal für die Beratung ausgeben müssen.

Für kleinere Unternehmen häufig lohnender: eine weniger umfassende, spezielle Energieberatung. „Bemerkt ein Unternehmer etwa, dass ein Drittel der Energiekosten auf die Beleuchtung entfallen, könnte er einen Berater oder einen erfahrenen Installateur, der auch berät, einmal durchs Unternehmen führen und um Vorschläge zu Energiespar-Maßnahmen bitten. „Das kostet weniger als eine umfassende Analyse und meist lassen sich mit wenigen Maßnahmen – etwa neuen Leuchtmitteln oder Lampen und einer intelligenten Tageslichtsteuerung – schnell bis zu 85 der spezifischen Energiekosten senken“, so Joest. Auf diese Weise rechne sich eine spezialisierte Energieberatung relativ gesehen für kleinere Unternehmen ebenso gut wie eine ausführliche Beratung für größere Unternehmen.

Was sind „Energieeffizienz-Netzwerke“ – und was bringt es, sich einem anzuschließen?

Die Idee dahinter ist schlicht: Etwa ein Dutzend Unternehmen, häufig aus einer Region oder einer Branche, schließen sich zusammen – und treffen sich regelmäßig zu einem Erfahrungsaustausch in Sachen Energiesparen. Häufig werden solche Netzwerke von den IHKs der Region initiiert, von findigen Energieberatern, die die Treffen auch moderieren – oder von regionalen Energieagenturen. Außerdem gibt es Möglichkeiten, sich das Engagement in einem Energieeffizienz-Netzwerk finanziell fördern zu lassen – beispielsweise bieten Stadtwerke, Wirtschaftsverbände oder auch einige Bundesländer spezifische Programme an.

Gemeinhin läuft die Arbeit dann so ab: Alle beteiligten Unternehmen setzen sich persönliche Ziele – darüber hinaus wird aber auch ein gemeinsames Ziel definiert, auf das sie hinarbeiten. Das Praktische: Es ist natürlich billiger, sich beispielsweise gemeinsam einen Energieberater einzukaufen, um mit seiner Hilfe ein Problem zu lösen, das alle Unternehmen des Netzwerks teilen. Oder sich ein bestimmtes Messgerät zu kaufen, das sich ein einzelner Unternehmer nicht leisten könnte. Noch wichtiger als die Kosteneinsparungen sind in der Praxis jedoch die geteilten Erfahrungen – etwa bei der Umsetzung der Energiesparmaßnahmen. „Es zeigt sich, dass häufig nicht nur mangelndes technisches Wissen der Grund ist, weshalb Energiesparpotenziale wenig ausgeschöpft werden. Sondern beispielsweise die Tatsache, dass Mitarbeiter häufig nicht begeistert sind, wenn Prozesse umgestellt werden müssen. Zu hören, wie andere Unternehmer solche Herausforderungen lösen und so zu wissen, was zu tun ist, ohne selbst langwierige Fehlererfahrungen hinter sich bringen zu müssen – das ist der weitaus größte Vorteil von Energieeffizienz-Netzwerken, wie die Rückmeldungen zeigen“, so Joest.

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