Themenspezial "Energieeffizienz im Unternehmen"

Energieeffizienz-Netzwerke So sparen Kleinbetriebe im Team Energie

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"Licht aus, alle Mann!" Wer die Energiekosten im Betrieb senken möchte, der muss alle Mitarbeiter dazu bringen, mitzumachen, sagt Goldschmiedin Waltraud Schöne. In ihrem Energieeffizienz-Netzwerk tauscht sie sich mit anderen Unternehmern über Energiesparpotentiale aus.

"Licht aus, alle Mann!" Wer die Energiekosten im Betrieb senken möchte, der muss alle Mitarbeiter dazu bringen, mitzumachen, sagt Goldschmiedin Waltraud Schöne. In ihrem Energieeffizienz-Netzwerk tauscht sie sich mit anderen Unternehmern über Energiesparpotentiale aus.© HerrSpecht / photocase.de

Energie (und damit Geld) sparen – das soll im Club leichter gehen. Der Staat unterstützt daher Energieeffizienz-Netzwerke, in denen sich Unternehmer zusammentun. Eine Handwerkerin erzählt, ob das funktioniert.

Rund 500 so genannte Energieeffizienz-Netzwerke sollen bis 2020 entstehen: Darin, so der Plan, tun sich jeweils acht bis 15 Unternehmer zusammen, um konkrete Energiesparmaßnahmen zu erarbeiten und umzusetzen. Unterstützung gibt es vom Bundeswirtschaftsministerium und von Wirtschaftsverbände. Waltraud Schöne, Goldschmiedin aus Essen, hat zusammen mit acht Handwerks-Kolleginnen Anfang 2016 ein solches Energieeffizienz-Netzwerk gegründet. Was hat das Netzwerk bisher erreicht?

impulse: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Energieffizienz-Netzwerk aufzubauen?

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Waltraud Schöne: Mitte Mai 2015 rief mich die Düsseldorfer Handwerkskammer an und fragte, ob ich mir vorstellen könnte – als Vorsitzende des „Arbeitskreises Unternehmerfrauen im Handwerk Essen“ – so ein Netzwerk mit auf die Beine zu stellen. Ich habe sofort zugestimmt. Dabei hatte ich ehrlich gesagt, nicht wirklich eine Ahnung, worauf ich mich dabei einlasse und worum es genau gehen würde. Aber ich dachte, wir sind die letzte Generation, die in Sachen Klimawandel noch entscheidend eingreifen kann – da war es klar, dass ich meinen Beitrag leiste.

Wie ging der Aufbau des Netzwerks vonstatten?

Ich habe die Idee, mit anderen Unternehmern gemeinsam Maßnahmen zum Energiesparen zu entwickeln und umzusetzen in meinem Umfeld gestreut. Alle Interessenten, etwa 50 Leute, haben sich dann zu Beginn 2016 getroffen – und mit acht anderen Frauen habe ich noch am gleichen Abend das Netzwerk gegründet.

Aus welchen Branchen kommen die Gründungsmitglieder?

Alle aus dem Handwerk. Wir sind Frauen aus Dachdecker-, Maler-, Elektrotechnik-, Elektromotoren- und Edelmetall-Betrieben, dazu eine Coachin und Mediatorin.

Was ist denn das Ziel des Netzwerkes?

Es geht darum, sich in zwei Workshops pro Jahr zu konkreten Möglichkeiten schlau zu machen, wie sich in den Betrieben Energie sparen ließe – und außerdem mithilfe eines Energieberaters konkrete Einsparpotenziale in jedem Unternehmen auszumachen. Natürlich könnte das auch jeder für sich tun. In einem Netzwerk aber lässt sich das viel leichter organisieren. Und wir können uns untereinander viel besser motivieren, das, was man lernt, im Alltag auch wirklich umzusetzen.

Wie muss man sich die Arbeit konkret vorstellen?

Bei unserer ersten Netzwerk-Veranstaltung im April dieses Jahres hat uns beispielsweise ein Mitarbeiter der Deutschen-Energie-Agentur NRW einen Geräte-Koffer gezeigt, mit dem man prüfen kann, wie viel Energie einzelne Anlagen verbrauchen. Außerdem waren bereits Energieberater in den Betrieben: Sie haben erhoben, was wir in den Werkstätten und Läden an Strom und Gas im Einzelnen verbrauchen, an welchen Stellen sich die größten Einsparpotenziale verbergen. Jetzt entwickeln sie gerade konkrete Maßnahmen.

Wie groß ist der Zeitaufwand?

Der Energieberater war eineinhalb Stunden bei uns im Betrieb – und kommt demnächst noch einmal für zwei weitere Stunden, um die Maßnahmen zu besprechen. Dazu treffen wir uns als Netzwerk zweimal im Jahr für einen Tag, um uns von Experten zu einem speziellen Thema schulen und informieren zu lassen. Jede Minute davon ist perfekt investiert! Neulich haben wir uns damit beschäftigt, inwieweit sich Elektroautos als Anschaffung lohnen. Das Thema liegt auf der Hand, klar – ein Betriebsfahrzeug hat schließlich beinahe jeder Handwerker. Trotzdem bin ich vor lauter Betriebsblindheit von allein nie darauf gekommen, mich da mal einzulesen.

Was ist denn das Ergebnis der Energieberatung: Wie viel Energie können Sie sparen?

Jeder Betrieb im Netzwerk ist für sich genommen zwar vergleichsweise klein – zusammen aber beschäftigen wir etwa 100 Mitarbeiter und 20 Azubis. Wenn alle darauf achten, dass die Maßnahmen umgesetzt werden, könnten wir 13,5 Megawattstunden Energie pro Jahr sparen – das entspricht fünf Prozent unseres bisherigen Verbrauchs. Und, viel wichtiger: Es entspricht acht Tonnen Kohlendioxid, die weniger in der Atmosphäre landen – das ist doch eine Menge, finde ich.

Sie klingen ja richtig begeistert…

Das bin ich auch! Ich muss zugeben: In einem Handwerksbetrieb wie unserer Goldschmiede-Werkstatt ist jeden Tag so viel zu tun, dass ich nicht groß darüber nachgedacht habe, wie viel Energie sich etwa mithilfe einer modernen LED-Beleuchtung sparen ließe – oder dadurch, dass man über eine intelligente Verkabelung abends mit nur einem Handgriff alle Verbraucher ausstellt. Seit ich aber damit angefangen habe, zündet der Funke wie von selbst. So sehe ich abends plötzlich rote Standby-Lämpchen leuchten, die mir früher nie aufgefallen sind. Kleinigkeiten zu ändern – das wird zur positiven Sucht.

Welche Energiespar-Möglichkeiten teilen denn alle Mitglieder Ihres Netzwerkes?

Die Beleuchtung ist tatsächlich bei allen ein Riesenthema, da gibt es in jedem Betrieb Verbesserungsbedarf. Auch Wärmeverluste, etwa in Produktionsräumen, in denen am Wochenende niemand arbeitet, bilden wichtige Einsparpotenziale. Eine Herausforderung, die uns verbindet: den Mitarbeitern vermitteln, wie wichtig das Thema ist. Denn unsere Ziele erreichen wir nur, wenn alle mitmachen.

Haben Sie Ideen, wie das klappen könnte?

Letztens haben wir uns mit dem Netzwerk in einem Elektrobetrieb getroffen. Dort ist jede Woche ein anderer Mitarbeiter dafür zuständig, dass alle Energiesparmaßnahmen auch umgesetzt werden. Das ist eine prima Idee: Auf diese Weise bindet man das ganze Team ein und die Aufgaben sind gerecht verteilt. So etwas nimmt man dann natürlich mit in den eigenen Betrieb.

Wie finanzieren Sie die Netzwerktreffen und die Energieberatung?

Wir haben den Vorteil, im Handwerksbereich die ersten zu sein, die ein solches Netzwerk aufgebaut haben. Da ist es recht leicht, Unterstützung durch Sponsoren wie die Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr zu bekommen. Aber ganz ehrlich: Die Kosten für die Energieberater beispielsweise bekäme man über die Einsparungen locker wieder rein. Energiekosten belasten gerade Handwerksbetriebe stark – und fünf Prozent weniger verbrauchte Energie bedeuten ja zugleich fünf Prozent weniger Kosten.

Welchen Tipp würden Sie Unternehmern geben, die auch überlegen, ein Energieeffizienz-Netzwerk zu gründen – oder sich an einem zu beteiligen?

Sie sollten sich mit Menschen zusammentun, die sie gut kennen – und es sollten nicht mehr als zehn, zwölf Mitglieder sein. Ein kleiner Kern von Unternehmern, die sich schätzen, kann sich gut organisieren, findet rasch Termine – und bekommt so viel gewuppt. Auch wichtig: sich schnell zu entscheiden und gleich loszulegen. Hätte ich nicht gleich im ersten Telefonat zugesagt und hätten wir das Netzwerk nicht direkt beim ersten Treffen gegründet – wir hätten es wahrscheinlich nie getan.

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