Erfolgreiches Merchandising „Der Hölker ist ja ein bisschen verrückt“

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Wolfgang Hölker, Chef des Verlags Coppenrath in Münster, beim Netzwerktreffen von impulse. Mit Merchandise-Produkten wurde er zum Millionär.

Wolfgang Hölker, Chef des Verlags Coppenrath in Münster, beim Netzwerktreffen von impulse. Mit Merchandise-Produkten wurde er zum Millionär.© Christoph Gödan

Wer heute Kinder hat, kommt um die Geschichten und Produkte rund um die Prinzessin Lillifee und den Hasen Felix kaum herum. Wolfgang Hölker wurde durch sie zum Millionär. Wie er sein Produktimperium aufgebaut hat - und was Sie von ihm Lernen können.

Sein wichtigstes Ziel, das war schon nach wenigen Minuten klar, würde Wolfgang Hölker an diesem Tag wohl erreichen: „Wenn Sie heute Abend hier rausgehen, dann sollen Sie sagen: Der Hölker, der ist ja ein bisschen verrückt – aber liebenswürdig ist er auch.“ Wolfgang Hölker, 67, ist Verleger und Inhaber des Coppenrath Verlags in Münster. Ein Mann, der von sich sagt, ein Hase habe sein Leben verändert. Ein Mann, der sich selbst einen Märchenerzähler nennt, und der findet: „Das Schönste am Unternehmertum ist, dass keiner an deinem Stuhl sägt.“

In Deutschland und international bekannt wurde sein Unternehmen durch die Kinder­geschichten des reiselustigen Hasen Felix, der stets in Rosa gekleideten Prinzessin Lillifee und des abenteuerlustigen Piratenkapitäns Capt’n Sharky.

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Den größten unternehmerischen Erfolg aber brachte ihm eine ganze Palette an Merchandising-Artikeln rund um diese Figuren herum ein: Es gibt Backmischungen für Capt’n-­Sharky-Muffins, Fahrräder von Prinzessin Lillifee, Koffer vom kleinen Hasen Felix, Porzellan, Fahrradschlösser, Schreibutensilien, Schuhe und Bademoden. Rund 60 Lizenznehmer produzieren die Artikel zu den Kinderbuchhelden.

Vom Buchverlag zum Produktimperium

Wie Hölker es geschafft hat, seinen Buch­verlag in ein Produktimperium zu verwandeln, das erzählte er einer Gruppe von impulse-­Mitgliedern beim Netzwerktreffen in Münster. ­Eines sei gleich vorweg gesagt: Von Beginn an erfolgreich war der gelernte Verlagskaufmann nicht, als er das Unternehmen 1977 übernahm. Im Gegenteil: Anfangs brachte er Kunstbücher heraus – „die erfolglosesten, die Sie sich vorstellen können“, wie er selbst sagt. Deutlich besser verkaufte sich kurze Zeit später eine Reihe von regionalen Kochbüchern. Den Durchbruch brachten in den 90er-Jahren aber die Geschichten vom kleinen Hasen Felix.

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Der Showroom mit Merchandise-Produkten© Coppenrath Verlag

Verlegerkollegen erklärten ihn für verrückt, als Hölker anfing, die Helden seiner Bücher auch als Stofftiere zu verkaufen. Doch der fand: „Man muss auch mal schräge Ideen zulassen.“ Dieser Philosophie ist Hölker treu geblieben. Noch heute bittet er vom Lehrling bis zum Abteilungsleiter alle Mitarbeiter darum, ihre Ideen nicht für sich zu behalten.

Hölker ist gelungen, was die Voraussetzung für erfolgreiches Merchandising ist: Seine Buchfiguren sind zu Charakteren geworden, die geliebt werden. Sein Verlag ist eine Marke, der die Kunden vertrauen.

„Unsere Arbeit machen wir mit Maloche“

Als Unternehmer will er ein Mutmacher sein, der andere zum Mitmachen und auch mal zum Fehlermachen animiert. An einem Regal in ­seinem Büro hängt ein Schild mit dem Satz „When too perfect – lieber Gott böse“.

Beim Netzwerktreffen durften die impulse-Mitglieder auch einen Blick in die Verlags­räume werfen. Am sogenannten Kreativkai im Hafen von Münster hat Hölker Ende der 90er-Jahre einen alten Kornspeicher gekauft und ­renovieren lassen. Vom Erdgeschoss bis unters Dach ähnelt der Verlag einem riesigen Kinderzimmer, das in jedem Winkel zum Entdecken einlädt.

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In Hölkers Büro steht ein Holzpferd in Lebensgröße, die Regale sind vollgestopft mit Büchern aus aller Welt. Mal sind die Wände pink gestrichen, mal lila. Mal steht ein riesiges Spielzeugauto im Flur. Es gibt mit Goldfarbe bestrichene Stühle, bezogen mit Stoffen im ­Leoparden- und Zebramuster. Besser kann ein Bürogebäude den Geist eines Unternehmens kaum symbolisieren.

Trotz seines Erfolgs ist Wolfgang Hölker eins nie geworden: arrogant. Beim Mittagessen mit der Unternehmergruppe läuft er selbst mit einer Wasserflasche durch die Tischreihen und schenkt nach. „Unsere Arbeit“, sagt Hölker, „die machen wir nicht mit Genialität, sondern mit Maloche.“

Was Sie von Coppenrath lernen können

1. Kooperieren Sie mit starken Partnern!

„Wir arbeiten nur mit Unternehmen zusammen, deren Produkte mindestens unser Qualitäts- und Preisniveau haben“, sagt ­der Chef Wolfgang Hölker. Rund 60 Lizenznehmer kooperieren mit dem ­Coppenrath Verlag: vom Backwaren­hersteller Dr. Oetker über den Unterwäsche­­produ­zenten Schiesser, Fahrradhersteller Puky, Fahrradschlossproduzent Abus oder Reiseveranstalter Tui bis zum Teeproduzenten Teekanne. Die Unternehmen zahlen Lizenzgebühren an den Verlag und ­produzieren die Ware selbst. Vor dem Verkauf wird ­jedes Produkt von Coppenrath abgenommen. „So stellen wir sicher, dass wir unserem eigenen ­Markenkern immer treu bleiben“, sagt Hölker.

2. Schließen Sie pro Segment nur eine Partnerschaft!

Auch wenn es möglich wäre und sich damit noch mehr Geld verdienen ließe, würde der Coppenrath Verlag nicht mit zwei Firmen aus derselben Branche kooperieren. „Das zerstört jede Exklusivität“, erklärt Hölker. Aktuell arbeitet das Unternehmen beispielsweise mit Tui zusammen. Die Kinderklubs auf den Kreuzfahrtschiffen des Reiseveranstalters sind ganz im Capt’n-Sharky-Stil gehalten: Es gibt das Sharky-Lied, Geburtstags­partys, Merchandise-Artikel und einen lebens­großen Plüsch-Sharky. Das Kreuzfahrtsegment ist ­damit besetzt. Eine ähnliche Zusammenarbeit mit einem anderen Anbieter im gleichen Segment käme für Coppenrath deshalb zurzeit gar nicht infrage.

3 Betreuen Sie alle Partner selbst!

Externe Agenturen, die sich um die Ver­gabe von Lizenzen an Unternehmen kümmern, gibt es beim Coppenrath Verlag nicht. Stattdessen arbeitet eine ganze Abteilung innerhalb des ­Verlags eng mit den Lizenznehmern zusammen. Die Mitarbeiter haben stets den Überblick über alle laufenden Kooperationen im In- und Ausland. Sie nehmen einerseits Anfragen von Firmen entgegen, die mit Coppenrath zusammenarbeiten möchten. Gleichzeitig überlegen sie aber auch selbst, in ­welchen Segmenten das Merchandising weiter ausgebaut werden kann.

 

Cover_impulse_11_15Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 11/15.

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1 Kommentar
  • Ralph Cosack 3. Dezember 2015 13:09

    Guten Tag Herr Hõlker!

    Seit vielen Jahren zieren mein Haus und meine Bibliothek Produkte und Bücher aus Ihrem Hause. Ich selbst habe mehr als 20 Jahre im Marketing gearbeitet und kann Ihrer Unternehmensphilosophie nur und mit Vergnügen beipflichten. Viele Kinderaugen aus meiner großen Familie und meinem freundschaftlichen Umfeld habe ich mit Coppenrath und Spiegelburg zum Leuchten gebracht. Nicht zuletzt haben die Fliegenpilz-Produkte sogar meine wissenschaftliche Arbeit, auch als Autor begleitet. Ich hoffe, dass Ihre Philosophie sich bis in die letzten Spitzen des Unternehmens durchsetzt und verstanden wird.

    Mit den besten Grüßen an Sie und Ihr gesamtes Team

    Ralph Cosack, Cuxhaven-Ritzebüttel

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