Fehlerkommunikation Wenn Chefs Sündenböcke suchen statt Fehler-Ursachen

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Mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer hat schon einmal erlebt, dass ihr Chef die eigene Schuld auf seine Mitarbeiter schiebt. Gute Fehlerkommunikation sieht anders aus.

Mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer hat schon einmal erlebt, dass ihr Chef die eigene Schuld auf seine Mitarbeiter schiebt. Gute Fehlerkommunikation sieht anders aus.© Lukow / photocase.de

Mitarbeiter, die Angst haben, Fehler zuzugeben, und Chefs, die die Schuld auf Mitarbeiter schieben - in manchen Firmen ist das Alltag. Wie groß der Nachholbedarf in der Fehlerkommunikation ist, zeigt eine Studie.

Haben Sie große Angst davor, dass Ihnen oder einem Mitarbeiter ein Fehler passiert? Falls ja, gehen Sie in Ihrem Unternehmen wahrscheinlich wenig konstruktiv mit Fehlern  um – so wie auch einige andere Firmen in Deutschland.

Denn obwohl viele Unternehmen bereits einen guten Umgang mit Fehlern haben, sehen vor allem junge Arbeitnehmer noch Verbesserungspotenzial. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Talent- und Karriereberatung von Rundstedt unter rund 650 Berufstätigen in Deutschland.

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So können 59 Prozent der Befragten eigene Fehler im Team offen ansprechen. 51 Prozent geben an, dass Fehler gemeinsam analysiert werden, um daraus zu lernen. Ebenfalls die Hälfte der Befragten bestätigt, dass im Team alle füreinander einstehen, wenn durch einen Fehler Probleme entstehen.

Angst, Fehler zuzugeben – aus Furcht vor Reaktionen

Doch es herrscht auch Nachholbedarf: Mehr als ein Viertel der befragten Arbeitnehmer hat schon einmal erlebt, dass ihr Chef die eigene Schuld auf andere Mitarbeiter abwälzt. Ebenfalls ein Viertel der Befragten gibt an, dass oft nicht nach der Fehler-Ursache, sondern nach einem Sündenbock gesucht werde. Dies erleben besonders jüngere Arbeitnehmer häufig: 29 Prozent der Arbeitnehmer zwischen 18 und 34 machen regelmäßig die Erfahrung, dass häufig nach dem Schuldigen gefahndet wird, statt nach der Ursache oder gar einer Lösung zu suchen. Diese Erfahrung machen nur 19 Prozent der 50- bis 69-Jährigen.

Ein Viertel der jüngeren Befragten hat sogar Angst, einen Fehler zuzugeben, weil sie die Reaktionen von Kollegen oder Vorgesetzten fürchten. Insgesamt bewerten die Arbeitnehmer zwischen 50 und 69 die Fehlerkultur in ihrem Unternehmen deutlich positiver. 37 Prozent der Befragten geben an, dass Fehler in ihrem Unternehmen nicht als negativ angesehen werden – bei den 18- bis 34-Jährigen sagen das nur 28 Prozent.

Angstfreie Fehlerkultur macht Unternehmen erfolgreich

Unternehmen sollten sich bemühen, einen angstfreien Umgang mit Fehlern zu schaffen. Denn eine offene Fehlerkultur kann für mehr Erfolg sorgen. „Fehler können wertvolle Hinweise liefern, da sie deutlich machen, was wir übersehen haben und was wir noch verbessern können. Das gilt sowohl im Arbeitsalltag als auch für die eigene Karriere“, sagt CEO Sophia von Rundstedt, „letztendlich können Fehler Innovationen hervorbringen, die den Erfolg des Unternehmens steigern und Wettbewerbsfähigkeit garantieren.“

Fehlerkultur

1 Kommentar
  • Stefan Mantel 24. Februar 2016 14:23

    Ein sehr interessanter Artikel. Die Suche nach Ursachen – und sei es, um Hinweise für Verbesserungen zu finden – ist eine sensible Angelegenheit. Häufig erleben Mitarbeiter es bereits als Schuldzuweisung, wenn nach der Ursache eines Problems gesucht wird. Und das kann man dem einzelnen Mitarbeiter aus meiner Sicht gar nicht einmal vorwerfen. Wir Menschen kommen sehr schnell in einen Verteidigungsmodus und es kommt zum gegenseitigen Blame-Storming. Aus diesem Grund ist es wichtig, Ursachenforschung nur soweit zu betreiben, wie es für den Prozess tatsächlich hilfreich ist.

    Wenn ich also einen platten Reifen habe, ist es hilfreich zu wissen, wo der Nagel sitzt, der die Luft entweichen lässt. Es ist nicht mehr hilfreich zu erforschen, auf welcher Straße genau ich in diesen Nagel gefahren bin und aus welchem Baumarkt er stammt.

    Und hier reden wir über einfache Systeme. In komplexen Systemen – was ja Unternehmen und Teams sind – herrschen gänzlich andere Spielregeln, da hier eine Kausalität zwischen Ursache und Lösung nicht mehr in dieser Form besteht.

    Ich habe diesem Thema eine Episode meines Podcasts gewidmet: http://kommunikationsverbesserer.com/2015/12/20/kvp010-analysierst-du-noch-probleme-oder-findest-du-schon-loesungen/

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