Fehlertoleranz Traut euch endlich, Fehler zu machen!

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Das Loch in der Hose, der platte Fahrradreifen: Alltägliche Fehler sind wertvoll, ohne sie gäbe es keine Innovationen, sagt Hubertus Porschen.

Das Loch in der Hose, der platte Fahrradreifen: Alltägliche Fehler sind wertvoll, ohne sie gäbe es keine Innovationen, sagt Hubertus Porschen.© cosma/ Shutterstock.com

Fehler machen, aufstehen, weiter geht’s! In Amerika kein Problem, hierzulande leider immer noch, sagt Unternehmer Hubertus Porschen. Warum Deutschland dringend einen entspannteren Umgang mit Fehlern braucht.

Wir alle treffen ständig Entscheidungen. Immer richtig zu liegen, ist einfach unmöglich. Wichtiger ist doch, wie wir damit umgehen. Oft folgen betretenes Schweigen, unter den Teppich kehren, ein „Ja, aber …“. Fehlerkultur? Fehlanzeige!

Jeder kennt das Sprichwort: „Aus Fehlern wird man klug“. Stimmt. Trotzdem: Fehler kratzen an unserer Persönlichkeit. Zu akzeptieren, dass etwas schief gelaufen ist, und dazu zu stehen, fällt schwer. Insbesondere die Angst vor öffentlichem Scheitern ist in unserer Gesellschaft groß.

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Mehr Fehlertoleranz: In Amerika zählt der Versuch – in Deutschland das Ergebnis

Davon können auch viele Gründer ein Lied singen. Nur wenige landen mit ihren Ideen gleich beim ersten Mal den großen Wurf. Tatsächlich sind Rückschläge und Niederlagen viel wahrscheinlicher. Bis ein Geschäftsmodell wirklich funktioniert, braucht es oft mehrere Anläufe.

In Amerika ist das kein Problem. Aufstehen, weiter geht’s – der Versuch zählt! In Deutschland ist das Ergebnis wichtig. Der Makel der Erfolglosigkeit bleibt haften. Eine Niederlage wollen deshalb nur wenige riskieren. Laut einer Studie der Uni Hohenheim sind 42 Prozent der Deutschen der Meinung, dass man kein Unternehmen gründen sollte, wenn das Risiko des Scheiterns besteht. Eine beängstigende Zahl.

Neuland betreten statt immer auf Nummer sicher gehen

Etwas lieber sein zu lassen, weil man das Risiko scheut, ist aber nicht nur eine Mentalitätsfrage, sondern auch ein echter Bremsklotz für unsere Volkswirtschaft. Globalisierung und digitaler Wandel schreiten voran. Deutschland braucht mehr innovative junge Unternehmen, die unsere Wirtschaft beflügeln. Unser Bildungssystem produziert aber Manager, keine Unternehmer. Kompetenzen wie Kreativität und Risikobereitschaft werden nur unzureichend entwickelt. Hier müssen wir ansetzen. Wer keine Angst haben muss, ein mögliches Scheitern jahrelang vor sich herzutragen, findet schneller den Mut, Ideen in die Tat umzusetzen.

De facto ist die Zahl der Gründungen in Deutschland in den letzten Jahren rückläufig. Wie schaffen wir ein besseres Gründungsklima? Wir müssen damit beginnen, dass die Leistungen von Unternehmern wieder positiver wahrgenommen werden. Als Vorsitzender im Verband „Die jungen Unternehmer“ erfahre ich immer wieder, wie hoch der Leistungsdruck nicht nur für Gründer, sondern auch für Nachfolger in Familienunternehmen ist. Darf man etwas Neues ausprobieren? Welche Entscheidungen sind richtig? Das erfordert Mut und Persönlichkeit. Hier muss es auch die Toleranz geben, Fehler zu machen. Denn sie zeigen uns oft ganz neue Herangehensweisen auf.

Start-ups gründen, um zu lernen

Eine Null-Fehler-Strategie ist weltfremd und lähmt. Ich bin 33 Jahre alt. Meine Generation will Neuland erkunden und durch eigene Erfahrungen lernen. Wir sehen Chancen. Und setzen auf Offenheit, statt Bedenken vor uns herzuschieben.

Während meines BWL-Studiums war ich an der Gründung von zwei Biotech-Start-ups beteiligt, der NanoRepro AG und Nanohale AG (heutige Formycon). Damals hatte ich null Erfahrungen mit Selbstständigkeit. Ich komme nicht aus einer Unternehmerfamilie. Was mich angetrieben hat? Neugier. Begeisterung. Ich bin einfach der Typ, der Dinge anpackt, sich einbringt, selbst gestaltet. Als Rüstzeug hatte ich damals nur mein Studienwissen und die feste Überzeugung, beim Machen zu lernen.

Die Mitarbeit in diesen Start-ups war für mich aber prägend: Ich lernte, welche Komponenten für erfolgreiches Unternehmertum entscheidend sind: Kapital und Innovation. Die Erfahrungen brachten mich auch zu meinem Dissertationsthema „Der akademische Unternehmer“. Ich wollte Unternehmertum wissenschaftlich betrachten. Zur Finanzierung der Dissertation habe ich meine Anteile an den Start-ups verkauft, aber mir war klar: Unternehmer sein ist das, was ich machen will. Mein Traumjob war gefunden.

Abbrechen und umdenken – diese Freiheit muss sein

Wer unternehmerisch tätig ist, sollte sich auch die Freiheit nehmen, eingeschlagene Wege abzubrechen und neu zu denken. Während meiner Promotion gründete ich mit drei Partnern ein Unternehmen, das Kaviar produzierte und vertrieb. Das lief eine Weile gut.

Als der Kaviarmarkt in Deutschland während der Finanzkrise schlagartig einbrach, schwammen uns die Felle davon. Wir rackerten uns ab. Ich arbeitete quasi rund um die Uhr. Meine Dissertation lag komplett brach. Und das lag mir im Magen. Eine Grundsatzentscheidung wurde fällig. Ich entschied mich für die Promotion und stieg aus. Als Scheitern sehe ich das bis heute nicht.

Aufarbeitung ist wichtig

Nach der Promotion gründete ich mit einem Partner 2010 mein heutiges Unternehmen. Wir entwickeln und vertreiben Social Media-Apps und beraten Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle. Ein guter Umgang mit Fehlern ist uns in unserer Firma besonders wichtig. Wir schätzen, dass unsere Mitarbeiter kreativ denken, neue Ideen entwickeln und eigenständig agieren.

Dabei ist es natürlich erlaubt, auch mal daneben zu liegen. Für Fehlentscheidungen rollen bei uns keine Köpfe. Wir wollen, dass niemand Angst vor Fehlern haben muss und dass aus gemachten Fehlern alle etwas lernen können. Aufarbeitung muss deshalb sein. Dabei ist Wertschätzung ein wichtiger Schlüssel. Wer für Fehler immer nur negatives Feedback erntet, kommt garantiert nicht mehr so oft mit einer neuen Idee um die Ecke.

Feedback-Partner suchen

Wichtig ist auch, dass die Feedbackgeber anerkannt sind. Wir haben seit zwei Jahren Business Angels mit an Bord. Sie helfen nicht nur beim strategischen Wachstum. Von ihnen lernen wir auch unternehmerisch sehr viel. Gerade wenn Fehler passieren, geben sie uns mit ihrer unternehmerischen Erfahrung und den Erkenntnissen aus eigenen Fehlern wichtige Denkanstöße für Verbesserungen. Auch Freunde und Familie sind gute Sparringspartner. Mich persönlich bringt der Austausch mit anderen Unternehmern im Verband oft weiter.

Ohne Alltagsfehler keine Innovationen

Einen größten Fehler gibt es bei mir nicht. Ich mache täglich Fehler – im Unternehmen und privat. Aber das ist gut. Fehler bringen uns weiter. Wir alle sollten uns ein bisschen öfter sagen: Ohne Fehler gibt es auch keine Innovationen. Viele Dinge, die wir heute ganz selbstverständlich nutzen, sind erst durch ein vermeintliches Scheitern entdeckt worden. Und nicht nur für Unternehmer gilt ja: Der Weg ist das Ziel.


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23 Kommentare
  • Carsten Seiffert, StärkenTraining 8. März 2016 15:04

    hm, ich denke, wir sollten eine Unternehmenskultur einführen, in der sich jeder Mitarbeiter traut, seine Ideen und Visionen umzusetzen. Dies soll nicht heißen, dass Fehler grundsätzlich bejubelt werden. Der Mitarbeiter darf aber auch keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Nur so ist er animiert, sein volles Potenzial einzubringen und alle persönlichen Ressourcen auszuschöpfen. Gerade für KMU kann dies überlebenswichtig sein. Ein positiver Nebeneffekt ist dann auch noch die automatische Motivation der Beteiligten.

    Beste Grüße
    Carsten Seiffert

  • Nadine J. 5. November 2015 23:04

    Mir graut’s vor wieder einem ‚Fehlerkultur-Guru‘. Wohl verstanden: es kann sinnvoll sein, den einen oder anderen Mitarbeitenden – oder auch sich selber – ermutigen, etwas zu tun, auch wenn es nicht zu hundertundein Prozent sicher ist, dass die Sache richtig laufen wird. Auch kann es kontraproduktiv sein, Angst vor Fehlern zu schüren. Aber: ich erachte es als gefährlich, wenn wir anfangen würden, uns an der amerikanischen ‚Fehlerkultur‘ zu orientieren und aus ‚Fehlerfreiheit‘ ein Mainstream, gar ein ‚neues Paradigma in Denken‘ zu etablieren. Die deutschen (wie auch schweizer) Wurzeln liegen tendenziell in der ‚Genauigkeit und Vorsicht‘ – damit sind die beiden Länder bisher nicht schlecht gefahren. Gesunder Menschenverstand scheint mir hier wichtiger, als der Weg über die „Freiheit – Abbrechen und Umdenken“.

  • Traurige Seelen 5. November 2015 11:17

    Traurig zu sehen, wie manche ihre fehlerintolerante Zwangsneurose hier offen äußern. GENAU IHR SEID DIE, DIE IHREN EIGENEN FEHLER VERTUSCHEN.(oder einen anderen schuldig dafür machen)
    Nicht bemerkt heißt nicht, nicht gemacht. Ich wünsche euch einfach nur mehr verstand für das weitere Leben. Ohne Fehler gäbe es vielleicht keinen Autoreifen aus Gummi etc.

    Nackt sind wir alle gleich und das ist auch gut so. Wenn ihr meint, dass ihr keine Fehler macht und den Maßstab dementsprechend hoch setzt, dann macht das, mich kümmert das null, aber ihr wird nicht glücklich, da ihr Menschen was abverlangt, das sie nicht liefern können und das ist eine fehlerfreie Quote.

    • Robert Vogel 5. November 2015 20:34

      Hallo Traurige Seelen,
      vielleicht sollten wir einmal klären, was denn ein Fehler eigentlich ist. Ein Fehler ist eine Abweichung eines Wertes von einem definierten Ist-Wert. Wenn ein Arzt das linke Bein abnimmt, obwohl in der Patientenakte vom rechten Bein die Rede ist, dann ist das schlicht ein Fehler und auch noch einer mit fatalen Folgen. Natürlich gibt es auch Fehler mit nur sehr geringen Folgen, aber an Fehlern ist rein gar nichts heldenhaftes. Und mit Gummireifen hat das gar nichts zu tun. Was wir in Unternehmen wollen ist doch etwas ganz anderes und zwar ein bewusstes ausprobieren ohne zu wissen was der erwartete Ist-Wert eigentlich sein sollte. In dem Moment kann ich scheitern, ganz klar, weil die Annahmen, die ich zum ausprobieren genutzt habe, nicht eingetroffen sind. Doch nur so kann ich auch was lernen, so entsteht neues und das brauchen wir wieder verstärkt in unseren Büros. Keine Angst vor dem Scheitern, niemanden der Scheitern mit einem Fehler verwechselt.

  • Robert Vogel 5. November 2015 08:08

    Ich lehne Fehlertoleranz strikt ab, ich möchte nicht, dass Menschen Fehler begehen und dann vielleicht noch zu meinen Lasten. Ich denke, aus Fehlern wird man dumm. Eine Fehlerkultur einführen zu wollen ist meist Zeitverschwendung, zumindest sehr gefährlich und oft toxisch. Ich würde vielmehr differenzieren wollen zwischen Fehlern und dem Treffen von Annahmen in Richtung einer natürlich nicht vorhersagbaren Zukunft. Viele meinen das sei das gleiche, ist es aber nicht….

    … und noch eines. Eine Entscheidung kann niemals falsch sein. Derjenige, der die Entscheidung trifft, kann sich über die Annahmen, die er seiner Entscheidung zu Grunde gelegt hat, irren, hier falsch zu liegen, ist aber kein Fehler sondern einfach der Unvorhersagbarkeit geschuldet.

  • fehlerintolerant 4. November 2015 15:14

    Ich bin hochgradig fehlerintolrrant und das ist gut so. Wenn man vorher seine Hausaufgaben macht, kann man sich das ganze Theater sparen. Traut Euch endlich, richtige Entscheidungenzu treffen und Fehler zu vermeiden anstatt alles und jeeen zu tolerieren. Wer häufig Fehler macht ist fehl an seinem Platz.

    • Stefan Müller 5. November 2015 09:37

      Ich bin begeistert. Den Menschen, der von sich behauptet unfehlbar zu sein, möchte ich kennen Lernen, damit ich sicher bin, nie mit ihm zusammen arbeiten zu müssen. Natürlich gibt es Tätigkeiten, da sollte man Fehler zu 100 Prozent zu vermeiden suchen und alle Prozesse und Checklisten darauf ausrichten. Aber ich frage mich ernsthaft, wer das geschrieben hat?
      Ist das wirklich noch ein Mensch oder schon mehr?

  • FIEDLER 4. November 2015 14:55

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Artikel! Es ist bei meinen Vorträgen und auch in Besprechungen fast ein Standardspruch: Gott sei Dank machen wir Fehler, denn wenn wir keine Fehler machen würden, würden wir wahrscheinlich heute noch Feuer mit 2 Steinen machen. Der positive Umgang mit Fehlern ist ein wichtiges Element für Inovation – die wir in Zukunft immer mehr brauchen werden.

  • Cenk Ünüs 4. November 2015 14:50

    Der inhalt dieses Artikels, trifft vollkommen auf die Deutsche Wirtschaft zu. Mein Dank gilt an den Artikel Verfasser.

    Wir machen uns selber unglücklich in dem wir uns nicht trauen, dass zu machen wonach uns ist.

    Seit dem ich dass mache/riskiere wonach mir ist , lebe ich viel besser und gleite durchs Leben und das ganze ohne Vaseline.

    Nur 2 Sätze möchte ich einbringen.

    1) NIEMALS AUFGEBEN

    2) NIEMALS AN SICH SELBST ZWEIFELN

    Man kann alles erreichen, mann muss nur wollen.

    Arbeite hart, du tust es schließlich für dich selbst. Gib auch was zurück! !!

    Peace Out

    Cenk

  • Borgwardt 4. November 2015 13:55

    Schwieriges Thema und gerade hier in Deutschland. Ich bin nicht selbständig aber 23 Jahre GF und das brennt auch manchmal. Ich habe zum Glück noch keinen Fehler gemacht, aber ich helfe oft denen, die einen gemacht haben. Die berühmte zweite Chance sollte jeder haben. Ja wir sind als Deutsche immer auf Erfolg und Vorreiterfunktion getrimmt, Versagen wird hier mit schwerster Verachtung bestraft. Das wird sich hierzu Lande auch nicht ändern. Das macht uns LEIDER aus.

  • Helden-Ambulanz 4. November 2015 13:23

    Nennen wir es eine „Versuchskultur“ statt Fehlerkultur. Fehlerkultur gehört zu einem alten System, das „schlecht und gut“ polarisiert. Keine Idee ist per se schlecht, nur noch nicht fertig.

    Das Gehirn hört immer mit, wenn wir „alte“ Begriffe aufrufen, dann denkt es auch in alten Kontexten. Lösung passe (manchmal).

    Wir unterschätzen die Wirkung von Sprache. (Ich bin kein NLPler!) Zum Beispiel: Wie der Begriff (!) „Stress“ Hirn und Körper stresst, das hatten wir in unserer Forschung.

    Es ist Zeit, auch unsere Klischees zu aktualisieren.

    Lucie Neumann

  • Klaus Reinhardt 4. November 2015 12:05

    Es ist sicherlich richtig, dass mangelnde Fehlertoleranz eine Innovationsbremse darstellt. Andererseits ist der volkswirtschaftliche Schaden durch gescheiterte Ideen zu betrachten. Wobei der entstandene Schaden nicht nur beim Verursacher entsteht, sondern immer mehr beim Endverbraucher. Ganze Branchen leben inzwischen von Korrekturmechanismen wie Rückrufaktionen, Updates etc.. In Zeiten, in denen „innovative“ Produkte vermarktet werden, die noch nicht marktfähig bzw. auch noch nicht entwickelt sind, muss man sich nicht wundern, dass sich die Stimmen mehren, die den Boden für mehr Fehlertoleranz bereiten sollen.
    Fehlervermeidung – im Sinne von zu schaffender Qualität – könnte originär eine Frage des Wissens, der Informationen – letztendlich eine Frage der Bildung sein. Zugegeben: ohne Versuch kein Ergebnis. Ob eine größere Fehlertoleranz in den Unternehmen (und in der Öffentlichkeit) letztendlich zu hochwertigeren Produkten und Dienstleistungen führt? Man möge mir eine gewisse Skepsis nachsehen.

  • codoma 4. November 2015 12:03

    Jede Entscheidung die man trifft, kann nachträglich betrachtet ein Fehler gewesen sein, klar. Aber ich möchte doch gerne die Überschrift in Frage stellen, dass in Deutschland keine Fehler gemacht werden. Für meinen Geschmack sind das zu viele Fehler. Stichwort BER, Stuttgart 21, Philharmonie, etc. – Mario Barth lässt grüßen. Und wenn ich eine E-Mail bekomme, in der zig Schreibfehler sind, könnte ich im Dreieck springen. Als Antwort auf die Frage, warum er denn seine Mail nicht vor dem Absenden korrigiert heißt es dann, er hätte dazu keine Zeit. Gute Nacht „made in Germany“.

  • Gernot Emberger 4. November 2015 09:48

    Herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Ich arbeite als Psychologe im Spitzensport wie in der Wirtschaft. Dabei ist es mein täglich Brot zu erleben, wie hemmend sich eine übergroße Angst vor Fehlern auf die freie Entfaltung von vorhandenen Leistungsmöglichkeiten bei einzelnen Individuen wie auch innerhalb von Gruppen und Teams auswirkt. Dabei ist eines der Grundpostulate aus der wissenschaftlichen Betrachtung der Motivation zur Leistung, dass es – will man erfolgreich agieren – auf die richtige Mischung von `Hoffnung auf Erfolg´ und `Angst vor Misserfolg´ ankommt. Überwiegt die Hoffnung auf Erfolg, stellt sich sich in der Leistungssituation ein gewisses Freiheits- und Lustgefühl ein und die eigenen `PS´ lassen sich ohne nennenswerte innere Blockaden ungehindert `auf die Straße bringen´. Überwiegt dagegen die Angst vor Misserfolg – sprich die Angst vor Fehlern -, führt eine Leistungssituation unmittelbar zu starken körperlichen wie seelischen Stressreaktionen. Konsequenz ist ein verkrampftes Verhalten und der Verlust des Zugangs zu körperlichen wie geistigen Leistungsressourcen. Ist dabei eine mangelnde Nutzung der eigenen Möglichkeiten in einer akuten Leistungssituation das Eine, so ist der damit verbundene, gerade im Wirtschaftsbereich permanent vorhandene Stress das Andere. Soll heißen: durch zu große Angst vor Fehlern verbaut man sich nicht nur Erfolgschancen, sondern man agiert auch durchweg deutlich ungeschickter und bewegt sich nahezu zwangsläufig in eine Spirale hinein, die zuerst eine zunehmende Verkrampfung und danach einen schleichenden Prozess in Richtung körperliche und geistige Erschöpfung zur Folge hat.

    • Helden-Ambulanz 4. November 2015 13:30

      Wohl wahr: „Freude“ erzeugt die stärkste Muskelkraft (Deutsche Sporthochschule Köln, anno 2010).

      Und gleich an die Skeptiker: ≠ Überlebensangst. Freilich werden dann noch andere Kräfte aktiviert. Aber dann denkt das Hirn nicht mehr, sondern handelt nur noch.

    • Hubertus Porschen 8. November 2015 11:14

      Toller Beitrag, der den Artikel super ergänzt. Ich habe Ihnen eine Mail geschrieben!

  • at 4. November 2015 09:17

    Wenn man als Start-up das Geld der anderen „verbrennt“, kann man die Einstellung vielleicht teilen. Wer sein eigenes Geld einsetzt, sollte sich gut überlegen, wie er sein Geschäft aufzieht. Es ist schlicht ein Unding, dass jeder noch so untalentierte „Möchtegern-Unternehmer“ anderen mit seiner Unfähigkeit schadet. Und typische Ursachen für Scheitern sind nach wie vor:
    *zu hohe Privatentnahmen
    *keine belastbare Unternehmensplanung
    *nicht auf das Unternehmen abgestimmte Finanzierung
    *keine Steuerrücklagen
    Aber ich stimmte zu: Scheitern trotz Innovation darf kein Stigma sein.

    • Markus Noppeney 4. November 2015 14:40

      Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es immer „verschiedene“ Ursachen hat, wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät und dann die Verantwortlichen Fehler machen. Ich berate genau diese UnternehmerInnen und schaue genau hin, ob es sich um strukturelle Fehler handelt, oder ob die Handelnden dauerhaft Management-Fehler begehen. Zu strukturellen Fehlern gehören auch diejenigen, welche durch äußere Umstände herbeigeführt werden und die wir in keiner Weise begünstigen oder gar verursachen. 2008/ 2009 sind letztmalig in großem Stil strukturelle Fehler von Unternehmens unbeteiligten begangen worden. Ausgebadet haben, oder dadurch ersoffen sind andere, nämlich die Klein- und Mittleren Unternehmen.

    • JB 5. November 2015 09:26

      Da fehlt ein wichtiger Punkt: Produkte und Angebote die keiner braucht.

      • Hubertus Porschen 8. November 2015 11:08

        Genau hier liegt aber manchmal das Problem. Muss sich nicht manchmal auch trauen, ein Produkt auf den Markt zu bringen, welches im aktuellen Moment nicht gebarucht wird? Das das Pferd durch das Auto ersetzt wurde, hat zu Beginn auch niemand vermutet.

  • Hans-Joachim Kluge 4. November 2015 08:57

    Fehler darf man nicht machen. Dann ist das Leben versaut. Ich kann aus Erfahrung sprechen. Ein Fehler gemacht, Insolvenz, Partner weg und keine Möglichkeit mehr hoch zu kommen. Mit 47 gibt es auch keine Arbeitsplätze (trotz 30 Jahre Erfahrung in der IT). Mein Rat, keine Selbstständigkeit. Man ist nur der Dumme.

    • Hubertus Porschen 8. November 2015 11:04

      Lieber Herr Kluge,

      leider sieht es meistens so aus. Ich darf nur darauf hinweisen, dass man trotzdem noch die Chance hat, „aufzustehen“.
      Berichten Sie über Ihre Fehler um andere davor zu bewahren.
      BG,
      H.P,

  • WernerBausL 4. November 2015 08:46

    Leider hat Herr Dr. Porschen recht. Wenn ein Mitarbeiter zu mir gekommen ist und sich für einen Fehler mit dem Satz: Das habe ich nicht absichtlich gemacht, entschuldigte, habe ich entgegnet: Wenn sie das absichtlich gemacht hätten, würden sie eine Abmahnung bekommen. Fehler, die man das erste mal macht, sind Erfahrungen. Natürlich sollte jeder bei der Arbeit nicht so viele „Erfahrungen“ machen. Mir fällt dann immer der Satz ein: Wer arbeitet, macht Fehler, wer nicht arbeitet, macht keine Fehler. Ich ergänze dann das Zitat. Wer keine Fehler macht, wird befördert. Die Menschheit wäre nicht so weit, wenn nicht Fehler gemacht worden wären, oder glaubt wirklich jemand, dass das Rad sofort rund gewesen ist.

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