Nachfolge Die Firma den Kindern übergeben – eine gute Idee?

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Beatrice Rodenstock berät Familienunternehmer bei der Nachfolgeregelung.

Beatrice Rodenstock berät Familienunternehmer bei der Nachfolgeregelung.© Quirin Leppert

Die Firma den Kindern zu übergeben ist ein Traum für viele Unternehmer - aber ist es auch eine gute Idee? Wie Sie erkennen, ob Ihre Kinder als Nachfolger infrage kommen, erklärt Beatrice Rodenstock.

impulse: Frau Rodenstock, wie finde ich heraus, ob sich ein Kind als Nachfolger eignet?

Beatrice Rodenstock: Oft helfen neutrale Urteile von außen. Und es ist ganz wichtig, objektive Kriterien zu definieren. Sonst können Kinder eine Entscheidung nicht nachvollziehen. Unklare Anforderungen bringen Verunsicherung, Verletzungen und Konflikte in die Familie.

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Was für Kriterien sind das?

Sie brauchen ein klares Anforderungsprofil: Was sollte der Nachfolger an fachlichem Know-how, an sozialen Fähigkeiten und an Führungskompetenzen mitbringen? Muss er Betriebswirt oder Ingenieur sein, braucht er internationale Erfahrung? Die Kriterien sollten allen in der Familie bekannt sein und liefern erste Hinweise, ob die Kinder als Nachfolger geeignet sind.

Neben formalen Aspekten …

… spielt es natürlich eine Rolle, ob sie sich überhaupt mit Herzblut auf die Nachfolge einlassen wollen. Wie man das erkennt? Zum Beispiel daran, dass die Kinder Interesse an der Firma zeigen, sich für den Weg ins Unternehmen interessieren und ihren Einstieg selbst forcieren.

Ab welchem Alter der Kinder sollte die Planung beginnen?

Jeder Inhaber sollte darüber nachdenken, ob die Firma prinzipiell in Familienhand bleiben soll. Wenn ja, sollten die Kinder früh die Chance bekommen, den Betrieb kennenzulernen. Ob sie dann in die Nachfolge können und wollen, steht auf einem anderen Blatt. Zur Altersfrage: Sprechen Sie regelmäßig und offen darüber, in welcher Situation sich die Firma befindet und wie sie selbst zum Thema Nachfolge stehen. Das sollte ruhig ab einem Alter um die 16 Jahre geschehen.

Ist es sinnvoll, die Kinder im Unternehmen zu testen?

Sicher, denn so kann der Unternehmer sehen, mit wie viel Engagement die Kinder dabei sind und ob sie Spaß haben. Vielleicht bringen sie sogar eine eigene Geschäftsidee ein. Gut ist, wenn vorab klar ist, ob das ein Ferienjob, ein Praktikum oder eine Ausbildung sein soll. Das sollte man schriftlich vereinbaren und die Mitarbeiter darüber informieren. Entsprechende Entlohnung und Arbeitsvertrag gehören dazu.

Und wenn ich das Kind am Ende für nicht geeignet halte?

Bei den eigenen Kindern sind Eltern nie ganz objektiv, sie sollten wirklich sicher sein und ein, zwei neutrale Urteile einholen. Dann sollten die Gründe und gleich auch andere Karrierewege besprochen werden. Die Kinder dürfen nicht in ein Loch fallen und daran scheitern. Und sie müssen spüren, dass die Entscheidung nichts mit persönlicher Wertschätzung und Liebe zu tun hat.

 

 

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