Gewerbestrom-Anbieter wechseln 10 Tipps für günstigeren Gewerbestrom

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Für viele Unternehmen kann es sich lohnen, ihren Anbieter für Gewerbestrom zu wechseln.

Für viele Unternehmen kann es sich lohnen, ihren Anbieter für Gewerbestrom zu wechseln.© 5im0n/Fotolia.de

Den Gewerbestrom-Anbieter zu wechseln kann sich für viele Firmen lohnen. Doch den richtigen Stromtarif zu finden ist nicht leicht. Worauf Unternehmer achten sollten.

Ein Cent Preisunterschied bei einer ­Kilowattstunde Strom kann einen großen Unterschied machen, nicht nur bei besonders verbrauchsintensiven Unternehmen wie Herstellern von Aluminiumrohren, Druckereien oder Schreinereien. Viele Firmen geben 10 bis sogar 20 Prozent ihres ­Umsatzes für Strom aus.

Da lohnt es sich zu prüfen, ob es Sparpotenzial gibt. Zehn Fragen, die sich Unternehmer auf der Suche nach dem günstigsten Tarif stellen sollten, und auf welche kritischen Vertragsklauseln zu achten ist.

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1. Kann ich den Stromanbieter überhaupt wechseln?

Gehört mir mein Firmengebäude, kann ich den Stromanbieter zum nächstmöglichen Zeitpunkt wechseln, den der Vertrag mit dem Anbieter erlaubt. Anders sieht es aus, wenn die Immobilie gemietet und der Strom in der Warmmiete enthalten ist. Dann ist der Ver­mieter Vertragspartner des Stromlieferanten.

Inwiefern auch ein Mieter Anspruch darauf hat, seinen Stromanbieter frei zu wählen, ist ­juristisch umstritten. Es kann sich lohnen, den Vermieter einfach zu fragen. „In der Regel hat der Vermieter ja nichts davon, wenn er einen teuren Tarif auf den Mieter umlegt“, sagt Elmar Ruf-Kloos, Vorstand des Bundesverbands Deutscher Energiemakler und Energieberater. Schließlich gibt der Vermieter die Kosten lediglich weiter. Falls er sich querstellt, müssen Sie allerdings weiter mit dem alten Tarif leben.

2. Lohnt sich der Wechsel?

Unternehmen sollten zunächst ausrechnen, was sie bisher zahlen, und sich Referenzwerte suchen. Dazu dient immer der Nettobetrag der letzten Jahresrechnung, der an den bisherigen Lieferanten bezahlt wurde. Anschließend lohnt sich der Besuch von ­Vergleichsportalen, die explizit auch Gewerbestromtarife anbieten. „Diese ­Portale sind ein guter Anhaltspunkt, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Preise angemessen sind“, sagt Ruf-Kloos.

Vorsicht sei jedoch bei der beworbenen Ersparnis geboten. Die Portale vergleichen neue Tarife mit denen des regionalen Versorgers am Standort des Nutzers. Wer aber bereits Strom von einem ­alternativen Anbieter bezieht, kann sich nicht an den Werten orientieren – Angaben wie „3000 Euro jährlich gespart“ bringen da nichts.

Hier hilft nur nachrechnen: Ermitteln Sie aus Ihren Abrechnungen den Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Den vergleichen Sie dann mit den Angeboten aus den Portalen. Hier eine Auswahl: billig-strom.de; check24.de; stromanbietervergleich.detoptarif.de; verivox.de.

3. Wann kann ich den Gewerbestrom-Anbieter wechseln?

Womöglich können Sie den Strom­anbieter nicht sofort wechseln, weil Sie einen Vertrag abgeschlossen haben, der noch einige Jahre läuft. Wer trotzdem vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen möchte, kann ver­suchen, das Sonderkündigungsrecht zu nutzen. Das gilt zum Beispiel, wenn der Anbieter die Preise erhöht. Dann können Kunden innerhalb von zwei Wochen nach Ankündigung schriftlich kündigen.

Ohne Preiserhöhung gibt es kein Recht auf ein vorzeitiges Vertragsende. Es besteht nur die Möglichkeit, auf Kulanz zu hoffen und dem Versorger eine Einmalzahlung anzubieten, damit er der Vertragsauflösung zustimmt. Diese Einmalzahlung sollte sich für den Versorger lohnen, darf aber natürlich nicht die Ersparnis nach dem Wechsel übersteigen.

Kann der Vertrag regulär zum Ende der Laufzeit gekündigt werden, sollten Unternehmer etwa vier bis sechs Monate vor Vertragsende mit der Suche nach einem neuen Tarif anfangen, sagt Berater Ruf-Kloos. „Sobald der neue Vertrag abgeschlossen ist, nimmt der neue Lieferant Kontakt mit dem bisherigen Anbieter auf und kümmert sich um den Wechsel.“

4. Brauche ich einen Makler?

Selbst die passenden Tarife heraus­zusuchen und Angebote einzuholen ist aufwendig. Schließlich müssen Unternehmer auf Antworten der Versorger warten, die Verträge gründlich prüfen und vergleichen. Wer sich diese Zeit nicht nehmen will oder kann, beauftragt einen Vermittler.

Auf dem Markt tummeln sich hunderte Firmen, die ihr Geld damit verdienen, Unternehmen in Energiefragen zu beraten. Dafür verlangen die Makler allerdings Provision, je nach Stromverbrauch können das auch bei kleinen Betrieben 1500 Euro sein.

Beispiel: Eine Firma verbraucht 40.000 Kilowattstunden pro Jahr. Bisher kostete das jährlich etwa 7500 Euro. Der Makler findet nun einen Tarif, bei dem das Unternehmen 700 Euro jährlich spart – damit ist die Provision nach zwei Jahren eingespielt.

5. Wie finde ich einen seriösen Vermittler?

Manche Energieberater nutzen den intransparenten Markt, um mit unseriösen Praktiken ordentlich zu verdienen, etwa indem sie eine Vermittlung anbieten, die für den Kunden angeblich kostenlos ist. Das Problem: Sie präsentieren dem Kunden Tarife eines Anbieters, bei dem der Makler selbst unter Vertrag steht und Provision kassiert.

Unternehmer sollten deshalb nur Vermittler beauftragen, die feste Beratungshonorare abrechnen. Lohnen können sich auch Ausschreibungen im Internet, bei denen Unternehmer ihren Verbrauch genau beschreiben und Versorger sich darauf mit Angeboten bewerben. Das geht beispielsweise über die Plattform Energiemarktplatz oder den Energiedienstleister Ampere.

6. Kann ich in einen Groß­kundentarif wechseln?

Kleinere Betriebe verbrauchen oft nur rund 40.000 Kilowattstunden pro Jahr. Die ­Abrechnung funktioniert dann genauso wie bei privaten Verbrauchern. Ein haushaltsüblicher Zähler wird jährlich abgelesen, der Versorger rechnet anschließend mit seinem Kunden ab.

Wer deutlich mehr verbraucht, wird zum Großkunden. Als Richtwert gelten 100.000 Kilowattstunden pro Jahr. Großkunden können einen Vertrag mit registrierender Leistungsmessung (RLM) abschließen: Mit einem sogenannten Lastgangzähler wird der Stromverbrauch dann alle 15 Minuten aufgezeichnet und an den Versorger übermittelt.

RLM-Nutzer kennen ihren Verbrauch viel genauer als andere und können deshalb mit ­ihrem Anbieter Sonderkonditionen aushandeln, etwa wenn sie außerhalb der Hoch-Zeiten ­besonders viel Strom verbrauchen. Das kann sich auch für Betriebe lohnen, die weniger als 100.000 Kilowattstunden pro Jahr ver­brauchen. Unabhängig vom Stromverbrauch ­können Unternehmen einen RLM-Zähler oft kostenfrei bei ihrem Versorger beantragen.

7. Lohnt sich ein Nachttarif?

Sogenannte HT/NT-Stromzähler messen den verbrauchten Strom zu zwei unterschiedlichen Tarifen: zu einem Tagespreis, dem Hochtarif (HT), und einem Nachtpreis, dem Niedertarif (NT).

Unternehmen können Strom nachts günstiger beziehen als tagsüber, teils mit bis zu 50 Prozent Preisnachlass. Das lohnt sich vor allem für Betriebe, die auch nachts produzieren. Nicht alle Energieversorger bieten entsprechende Tarife und Zähler an.

8. Soll es Ökostrom sein?

Wer sich für eine ressourcenschonende Produktion einsetzt, liebäugelt oft mit Ökostrom. Solange ein Betrieb aber nicht selbst Energie produziert, bezieht er den gleichen Strom wie alle anderen in seiner Umgebung. Technisch wäre es gar nicht anders möglich.

Entscheidend ist die Art der Einspeisung des Ökostroms, also wie ein Anbieter die Elektrizität ins Netz leitet. Bei der sogenannten mengengleichen Einspeisung lässt der Anbieter über das Jahr verteilt genauso viel grünen Strom ins Netz fließen wie seine Kunden verbrauchen. Das gilt als weniger nachhaltig als die sogenannte zeitgleiche Einspeisung, bei der Anbieter genau den Ökostrom liefern, den die Kunden gerade abnehmen.

Ökostrom ist kein geschützter Begriff. Es gibt verschiedene ­Labels, Siegel und Standards, die mehr oder weniger deutlich definieren, was öko am jeweiligen Stromtarif sein soll. Je nachhaltiger und regionaler die Strom­erzeugung ist, desto teurer ist auch der Strom. Norwegische Wasserkraft ist die günstigste ­Variante, regional produzierter Strom aus Biogasanlagen deutlich teurer.

9. Auf welche Vertragsklauseln muss ich achten?

Unternehmen sollten auf keinen Fall Verträge abschließen, die länger als ein Jahr laufen. In den vergangenen zehn Jahren sei „der nackte Strompreis“, also bevor staatliche Umlagen und Steuern hinzukommen, kontinuierlich gesunken, sagt Volker Stuke, Geschäftsführer des Bundesverbands der Energie-Abnehmer. Er rechnet in den kommenden Jahren mit keiner signifikanten Trendwende.

Wer sich länger an einen Strompreis bindet, zahlt wahrscheinlich drauf. Unternehmer sollten darauf achten, dass der vereinbarte Preis auch dann gilt, wenn sie ihren Verbrauch deutlich ändern, oder wenn neue Gesetze verabschiedet werden, etwa zur Erhebung neuer Umlagen oder anderer Abgaben, die die Versorger ihren ­Kunden in Rechnung stellen könnten.

10. Wie verhandele ich richtig mit Stromanbietern?

Wichtig ist, dass Sie den Energieversorgern zeigen: Ich bin kein Laie. Wer also gezielt nach Hoch- und Niedertarifen fragt und das Prinzip der Registrierenden Leistungsmessung kennt, der hat einen Startvorteil. Wer so tief im Thema ist, wird nicht mehr wie ein Anfänger behandelt – und hat die Chance, bessere Konditionen auszuhandeln.
impulse-Magazin Oktober 2015Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 10/15.

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