Starre Hierarchien So vergraulen Sie Ihre Topleute

Da geht's raus: Viele Unternehmen müssen umstrukturieren, damit ihre Top-Mitarbeiter nicht die Firma verlassen und zur Konkurrenz gehen.

Da geht's raus: Viele Unternehmen müssen umstrukturieren, damit ihre Top-Mitarbeiter nicht die Firma verlassen und zur Konkurrenz gehen.© odluap / iStock / Getty Images Plus

Sie haben ein Spitzenteam - und das soll auch so bleiben? Dann sollten Sie diesen Fehler vermeiden (sagt die aktuelle Forschung).

Wie Unternehmen organisiert sind und geführt werden, hat großen Einfluss auf die Zufriedenheit und die Produktivität der Mitarbeiter. Doch laut einer gemeinsame Studie des Jobportals Stepstone und der Personal- und Managementberatung Kienbaum klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander, wenn es um Organisationsstrukturen geht.

Für die Studie wurden mehr als 14.000 Personen befragt, darunter Fachkräfte (50 Prozent), Führungskräfte (40 Prozent) und Mitarbeiter in anderen Funktionen, zum Beispiel Werkstudenten (10 Prozent), aus deutschen Unternehmen verschiedener Größen und aus unterschiedlichen Branchen. Ein Ergebnis: Nur etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Fachkräfte in Deutschland stimmen der Aussage „Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner aktuellen beruflichen Tätigkeit zufrieden“ zu. 31 Prozent sind „eher unzufrieden“ und 15 Prozent sind sogar „sehr unzufrieden“ mit ihrer beruflichen Tätigkeit.

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Schuld an unzufriedenen Mitarbeitern: starre Hierarchien

Woran kann es also liegen, wenn Ihre besten Mitarbeiter unzufrieden sind – und schlimmstenfalls sogar schon auf dem Absprung? Der größte Fehler in Unternehmen, so die Autoren der Studie, sind starre und lineare Hierarchien. 77 Prozent der Mitarbeiter wünschen sich flexible Organisationsstrukturen und flache Hierarchien. Die Realität sieht aber anders aus: Nur in elf Prozent der Unternehmen können Mitarbeiter wirklich eigenverantwortlich agieren. Die Mehrheit der Befragten (knapp 58 Prozent) arbeitet in hierarchischen Unternehmen mit einem Einlinien-Führungssystem. Nur weniger als drei Prozent der Beschäftigten können sich weitgehend selbst steuern und Projekte initiieren.

30 Prozent der Führungskräfte planen bereits, flache Hierarchien einzuführen. Das ist laut den Autoren der Studie auch notwendig, denn zufriedene und vor allem die richtigen Mitarbeiter seien wichtig, um Unternehmen für den Wandel durch die Digitalisierung bereit zu machen. Also planen Sie nicht nur, sondern fangen Sie an, Hierarchien abzubauen und Ihr Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. So gelingt es Ihnen, erfolgreich umzustrukturieren und die Top-Leute in Ihrem Team zu halten:

1. Sich fokussieren

Fangen Sie nicht irgendwo an, sondern machen Sie sich einen genauen Plan. Wo im Unternehmen sind Veränderungen am dringendsten nötig? Wo brauchen Sie Innovationen? Welche Teams und Prozesse können flexibler und mit flachen Hierarchien gestaltet werden? Beginnen Sie im Kleinen und nehmen Sie sich zuerst einzelne Projekte vor, die Sie mit neuen Strukturen durchführen. Planen Sie die veränderten Organisationsstrukturen sorgfältig und evaluieren Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern, was gut funktioniert und wo es noch hapert. Daraus lernen Sie, damit Sie die veränderten Organisationsstrukturen irgendwann in Ihrem gesamten Unternehmen einführen können.

2. Die Wünsche der Mitarbeiter berücksichtigen

77 Prozent der Fachkräfte wünschen sich flache Hierarchien, 65 Prozent wollen einen Chef, der klare Ansagen macht. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in die Umstrukturierungen ein. Fragen Sie nach ihren konkreten Wünschen und Vorstellungen. Denn wenn die Mitarbeiter keine straff geführten Organisationen möchten, sollten sie gefordert werden und aktiv an den Veränderungsprozessen teilhaben, schlussfolgern die Studienautoren.

3. Den Mitarbeitern Verantwortung übertragen

Mitarbeiter wollen nicht weniger oder leichter arbeiten, sondern einen erfüllenden Beruf ausüben und wertgeschätzt werden. Übertragen Sie ihnen also mehr Verantwortung. Testen Sie es zuerst bei einzelnen Projekten. Macht ein Mitarbeiter dabei einen guten Job, können Sie die Verantwortung nach und nach ausbauen.

Motivierte Mitarbeiter sind eher bereit für Innovationen, was die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens steigert, heißt es in der Studie.

4. Die Strategie offen kommunizieren

80 Prozent der Fachkräfte finden es wichtig, ihren eigenen Beitrag in der Gesamtstrategie des Unternehmens zu verstehen. Das bindet ans Unternehmen und fördert die Produktivität. Also fordern Sie nicht nur Ideen und Vorschläge von Ihren Mitarbeitern, sondern kommunizieren Sie die Strategie Ihres Unternehmens offen mit den Angestellten.

Denn nur ein Viertel der befragten Fachkräfte arbeitet in Unternehmen, in denen eine Politik der offenen Türen den Führungsstil prägt. Das heißt, dass drei Viertel der Mitarbeiter nicht das Gefühl haben, ihre Ideen oder Wünsche einbringen zu können. Stattdessen rennen Sie gegen verschlossene Türen an und können die starren Organisationsstrukturen nicht durchdringen.

5. Aufstiegsperspektiven bieten

Für talentierte Mitarbeiter sind Sie ein attraktiverer Arbeitgeber, wenn Sie persönliche und relevante Entwicklungsperspektiven anbieten können. So locken Sie nicht nur neue Talente an, sondern binden Mitarbeiter auch ans Unternehmen.

6. Die neue Strategie vorleben

Mitarbeiter sind nur zufrieden mit den Veränderungen, wenn alle glaubhaft mitmachen, egal in welcher Führungsebene.

7. Das Recruiting anpassen

Sie suchen Mitarbeiter, die Innovationen in Ihrem Unternehmen vorantreiben sollen? Dann achten Sie bei Bewerbern auf die dafür wichtigen Eigenschaften und weichen Sie vom Standard-Kandidaten ab!

Die Top-Eigenschaften für Mitarbeiter allgemein sind für Führungskräfte laut der Studie:

  • Selbstständigkeit (61 Prozent)
  • Engagement (39 Prozent)
  • Kooperationsfähigkeit (38 Prozent)
  • Zuverlässigkeit (36 Prozent)
  • Eigeninitiative (3 Prozent).

Für Mitarbeiter, die an der Innovation arbeiten sollen, unterscheiden sich die fünf Top-Eigenschaften jedoch:

  • Kreativität (60 Prozent)
  • Selbstständigkeit (30 Prozent)
  • Lernbereitschaft (30 Prozent)
  • Eigeninitiative (28 Prozent)
  • Problemlösungskompetenz (28 Prozent)

8. Über die Reorganisation offen reden

„Authentische Kommunikation über Prozesse im Unternehmen bringt Pluspunkte bei Kandidaten“, schreiben die Autoren der Studie in ihrem Fazit. Also machen Sie erfolgreiche Veränderungen ruhig öffentlich, das lockt Bewerber an.


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