Hunde im Büro „Heute der Hund und morgen das Hauskrokodil“

Erst Hunde im Büro, dann ein ganzer Zoo: Manche Arbeitgeber fürchten eine Tierinvasion am Arbeitsplatz. Diese Angst ist nicht nur übertrieben - von Hunden im Unternehmen können alle profitieren.

Dori, Klaus, Axel, Gucci und Jay Jay: Fünf Hunde tummeln sich mittlerweile in den Büros des Berliner Online-Kostümhandels maskworld.com. „Ich bin entspannter auf der Arbeit, weil ich weiß, dass es ihm gut geht“, sagt Stefanie Warsow über ihren Hund Jay Jay. Seit einiger Zeit nimmt sie ihn mit ins Büro. „Er lockert die Stimmung auf, begrüßt jeden nett, der in den Raum kommt, und ein Streicheln zwischendurch hebt die Laune.“

So wie Stefanie Warsow geht es vielen Angestellten in Deutschland. Sie haben einen Hund, möchten ihn aber nicht neun Stunden am Tag alleine lassen. Was also tun?

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Eine Vereinbarung schaffen

„Der erste Schritt ist die Kommunikation“, sagt Markus Beyer, erster Vorsitzender vom Bundesverband Bürohund e.V.. Der Arbeitgeber sollte sich zusammen mit allen Mitarbeitern beraten, wie ein Hund am besten in den Büro- und Arbeitsalltag eingegliedert werden kann.

„Es gibt Menschen, die Allergien oder Angst vor Hunden haben. Auch sie müssen in die Diskussion und die Suche nach Lösungen eingebunden werden.“ Zum Beispiel können hundefreie Bereiche im Büro festgelegt werden wie der Lift, die Küche oder Konferenzräume. Auch sollte geklärt werden, ob der Hund in Kontakt mit dem Empfangsbereich oder der Laufkundschaft kommen soll. „Nur wenn sich alle einig sind, macht es Sinn, Hunde im Büro zu haben“, betont Beyer.

Keine Angst vor dem Zoo

Manche Arbeitgeber befürchten einen Zoo im Büro, wenn sie anfangen, Hunde zu erlauben. Was, wenn andere Mitarbeiter dann Katze, Kanarienvogel und zu guter Letzt das Hauskrokodil mitbringen wollen?

Da bestehe keine Gefahr, ist Markus Beyer überzeugt. Denn der Hund sei ein besonderes Haustier. Anders als bei Katzen, die auch ohne den Menschen zurechtkommen, brauche der Hund als soziales Wesen eine Gemeinschaft. Er suche die Nähe zu seiner Familie und deswegen bilden Mensch und Hund seit Jahrtausenden ein erfolgreiches Team. „Ein Hund, der lange alleine zu Hause bleibt, leidet.“

Die Vorteile im Auge behalten

Und es gibt noch ein anderes Argument für den Hund am Arbeitsplatz: die Gesundheit der Arbeitnehmer und ein gutes Betriebsklima. Immer mehr Menschen leiden unter dem Stress im Berufsleben, sind krankgeschrieben wegen Burnout und psychischen Erkrankungen. Laut Robert-Koch-Institut sind jeder vierte Mann und jede dritte Frau betroffen. Ein Hund im Büro kann helfen, dieses Stresslevel zu senken, ist Beyer überzeugt.

Auch bei maskworld.com haben die Geschäftsführer die Vorteile vor Augen: „Mit entspannten Hunden im Büro haben wir auch entspannte Hundebesitzer und Mitarbeiter, die sich besser auf die Arbeit konzentrieren können, weil sie wissen, dass es ihren Hunden gut geht. Das schafft für alle Seiten ein besseres Arbeitsklima“, sagt Roman Matthesius.

Verbindliche Regeln schaffen

Aber es gibt auch Regeln, an die sich die Hundebesitzer halten müssen: „Der Hund muss stubenrein und sozialisiert sein, damit es nicht zu Streitigkeiten und Revier-Rivalitäten mit den anderen Hunden im Unternehmen kommt“, sagt Matthesius. „Jeder Hund bellt mal – das ist auch normal. Aber der Hundehalter muss dafür sorgen, dass es keine ständige Lärmbelästigung für seine Kollegen gibt.“

Gerade am Bellen könne man gut arbeiten, sagt Markus Beyer. „Wenn Hunde zu Beginn im Büro bellen, kann es daran liegen, dass der Hund verunsichert ist, sein Besitzer verteidigen möchte oder warnt, sobald die Tür auf geht.“ Es wäre falsch, in solchen Fällen direkt zu sagen, dass das Tier ungeeignet fürs Büro sei; es müsse nur lernen, dass der Mensch an diesem Ort selbst Verantwortung für sich übernehmen könne. Dieser Lernprozess könne zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten dauern.

Willkommenskultur für den Hund

Ob nun Hunde im Büro willkommen sind oder nicht, sollte klar entschieden werden, findet Markus Beyer. Von einer Probezeit für Hunde rät er ab: „Am Ende legen sich Mitarbeiter  Hunde zu und nach drei Monaten müssen sie sie zu Hause lassen – oder die Angestellten sind in der Probezeit gestresst, weil das Damoklesschwert über ihnen schwebt.“

Um den Tieren einen entspannten Start im Unternehmen zu bieten, brauchen sie einen Rückzugsort, empfiehlt der Bundesverband. Denn Hunde schlafen und dösen 80 Prozent des Tages. Am besten ist es, den Ruheort hinter den Schreibtisch zu positionieren, damit sich der Hundehalter zwischen dem Tier befindet und jemandem, der ins Büro kommt.

Ein zweites Muss ist ein Wassernapf. „Hunde brauchen aber tagsüber weder Futter noch Spielzeug“, sagt Markus Beyer. Überhaupt könne man über die Nahrung viel steuern. Hunde, die viel Getreide bekommen, haben mehr Adrenalin. Auch der Körpergeruch eines Hundes hängt stark von seiner Nahrung ab. Frauchen und Herrchen haben also auf diese Weise Einfluss darauf, wie die Kollegen auf ihren Hund reagieren.

Der Arbeitgeber hat das letzte Wort

Angestellte haben aber keinen Rechtsanspruch darauf, Hunde an den Arbeitsplatz mitzunehmen. Ob ein Tier mitgebracht werden darf oder nicht, entscheidet allein der Arbeitgeber auf Grundlage des Direktionsrechtes. 2014 hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschieden, dass der Arbeitgeber die Einwilligung für einen Hund im Büro auch zurücknehmen darf, wenn betriebliche Abläufe durch das Tier gestört werden.

Und noch eine andere wichtige Entscheidung muss der Chef treffen: Was ist mit den kleinen Spaziergängen zwischendurch? Darf der Mitarbeiter in der Arbeitszeit Gassi gehen oder muss er das in seiner Freizeit tun? „Weitsichtig wäre die Arbeitszeitlösung“, findet Markus Beyer. „Wenn es dem Angestellten gut tut, kurz an die frische Luft zu gehen, tut es letztendlich ja auch der Firma gut. Manchmal nutzen auch Kollegen des Hundebesitzers die Zeit für eine Gassi-Runde ums Büro, wenn das kein Beitrag zum Betriebsklima ist.“

Für Schäden, die der Hund verursacht, haftet der Halter. Deshalb sollte für alle Tiere im Büro eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden, empfiehlt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Sollte ein Mitarbeiter auf dem Weg zum Konferenzraum über den Hund stolpern, greift die gesetzliche Unfallversicherung, da einer „normalen, betriebsdienlichen Verrichtung“ nachgegangen wurde, so der GDV.

Vertrauen ist alles

Beim Thema Hunde im Büro geht es vor allem um Kommunikation und Vertrauen: Der Chef muss seinen Mitarbeitern vertrauen, der Hund seinem Halter – und dieser wiederum sollte dem Hund einen Rhythmus angewöhnen, der zum Büroleben passt, zum Beispiel mit festen Fütterungszeiten vor und nach der Arbeit.

Am Ende profitieren alle: Hundebesitzer haben kein schlechtes Gewissen, den Hund lange allein zu lassen, sie sparen sich Kosten für den Hundesitter, gönnen sich kurze effektive Pausen und kommen mit anderen Kollegen einfacher ins Gespräch, fasst Diana Laczo, Mitarbeiterin von maskworld.com, zusammen.

Und auch die Arbeitgeber haben einen strategischen Vorteil: Ihre Angestellten sind zufriedener, ausgeglichener und loyaler, sie sind seltener krank und so haben auch die Kunden ihre festen zuverlässigen Ansprechpartner“, sagt Markus Beyer. Ein Erfolgsrezept, das es sich lohnt auszuprobieren: Hundefreundliche Unternehmen erhalten unter anderem auf Bewertungsportalen für Arbeitgeber wie Kununu gute Referenzen und machen den Betrieb so auch für zukünftige Bewerber attraktiv.

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3 Kommentare
  • Janneke Bastmeijer 24. November 2015 16:14

    gegen einen sauberen, ruhigen und gut erzogenen Hund ist nichts einzuwenden. Außer einer der Kollegen wäre Allergiker oder hätte Angst vor Hunden.

  • Rogge 24. November 2015 14:51

    Ich teile die Ansicht von Dr. Böhm. Und was kommt als nächstes? Katzen? Bitte nicht!

  • Dr. Böhm 23. November 2015 07:13

    Das fehlt noch! Neben den mehr oder weniger lieben Kollegen noch so ein stinkendes Vieh im Büro. Bitte nicht.

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