CSR bei Knauer „Kunden honorieren das nicht – wir tun es trotzdem“

Alexandra Knauer, Berliner Unternehmerin des Jahres 2010: "CSR ist bei uns eine Herzensangelegenheit."

Alexandra Knauer, Berliner Unternehmerin des Jahres 2010: "CSR ist bei uns eine Herzensangelegenheit." © Knauer Gerätebau

Wer seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachkommt, darf als Unternehmer nicht auf schnelle Rendite hoffen, sagt Alexandra Knauer. Warum es sich für ihre Firma dennoch lohnt, erklärt sie im Interview.

Laut krachend beißt Alexandra Knauer in ihren Apfel. Es ist nicht irgendein Apfel, sondern einer aus dem weitläufigen Firmengarten. Der liegt direkt neben der Zentrale ihres Familienunternehmens im beschaulichen Berliner Stadtteil Zehlendorf und ist konzeptioneller Teil von Knauers Corporate-Social-Responsibility-Strategie (CSR), also der unternehmerischen Verantwortung. Die Firma tut einiges für ihre Mitarbeiter, und das schon seit Jahren. Das soll kein Selbstzweck sein, sondern unter anderem sicherstellen, dass die hochqualifizierten Mitarbeiter dem Unternehmen treu bleiben.


impulse: Frau Knauer, viele Familienunternehmen wehren sich mit Händen und Füßen gegen den englischen Begriff von der Corporate Social Responsibility, weil er ihnen zu sehr nach einer Worthülse aus der Welt der Konzerne klingt. Warum setzen sie ihn bewusst ein?

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Alexandra Knauer: Der Begriff ist immer bekannter geworden und unternehmerische Verantwortung läuft bei uns nicht nebenbei, sondern ist Teil unserer Strategie. CSR umfasst viele Themen – es hilft uns auch dabei, die hochqualifizierten Mitarbeiter, die wir brauchen, zu gewinnen und langfristig zu halten.

Wie das?

Darunter fallen viele Angebote: angefangen von der Möglichkeit der Kinderbetreuung, über Sport- und Ernährungskurse bis hin zu den Tagen, an denen wir Schülergruppen bei uns im Haus haben, um ihnen zu zeigen, was wir hier so machen.

Welche Ziele verbinden Sie damit?

Knauer ist immer ein Familienunternehmen gewesen. Die Besonderheit besteht in einem besonders guten Vertrauensverhältnis zu Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Schon meine Eltern, die das Unternehmen 1962 gründeten, hatten diese Philosophie. CSR hilft uns, diese Werte in eine unternehmerische Strategie umzuwandeln, die wir täglich anwenden können. Wichtig ist es, die Dinge aus Überzeugung und ernsthaft zu betreiben.

Wo beginnt CSR bei Ihnen konkret?

Ganz klassisch: Wir versuchen in unserer Entwicklung und bei der Produktion die Umwelt so wenig zu belasten wie möglich. Das fängt bei Verpackungen an und endet bei einer möglichst langen Lebensdauer unserer Geräte. Außerdem sind unsere Chromatografie-Geräte so entwickelt, dass sie auch im Betrieb möglichst wenig Energie und Lösungsmittel verbrauchen.

Honorieren Ihre Kunden das?

Auf den ersten Blick lautet die Antwort nein, aber das bringt uns nicht von unserem Weg ab. Die Einkäufer großer Labore achten neben der Qualität in erster Linie auf den Preis. So läuft das Geschäft eben, in Deutschland genauso wie im Ausland. Wenn wir näher im Kontakt sind mit Kunden und sie mehr und mehr über uns lernen, bekommen wir viel positives Feedback. Und in erster Linie denken wir an unsere Mitarbeiter bei den unterschiedlichen CSR-Ideen, die wir umsetzen.

In der Nachbarschaft Ihres Unternehmens wird gerade eine Unterkunft für Flüchtlinge gebaut. Wie gehen Sie damit um?

Das Thema bewegt uns alle schon länger sehr – es war klar, dass wir etwas tun wollen. Als eine Mitarbeiterin den Vorschlag machte, dabei zu helfen, ein Dolmetscher-Netzwerk aufzubauen, war die Zustimmung in der Belegschaft groß. Wir exportieren 65 Prozent unserer Produkte in 60 Länder der Welt und beschäftigen entsprechend viele international er­fahrene Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Sprach­kenntnissen, von Russisch bis Arabisch. Die Idee: Ärzte, die Flüchtlinge behandeln, erhalten Telefonlisten, auf denen steht, welcher der mitmachenden Knauer-Mitarbeiter welche Sprache spricht. Kommt der Arzt mit Deutsch und Englisch bei einem Patienten nicht weiter, kann er die ehrenamtlichen Dolmetscher direkt kontak­tieren und um Übersetzungen bitten.

Das ist schon sehr konkret.

Wir stehen da noch ganz am Anfang. Während wir in anderen Themen der unternehmerischen Verantwortung, wie dem Umweltschutz und der Gesundheit der Mitarbeiter, schon viel Erfahrung gesammelt haben und die Projekte routiniert umsetzen, ist das ein neues Feld. Wir werden uns da ausprobieren, was wir beitragen können.

Was würden Sie anderen Unternehmern raten, die sich bislang noch nicht mit CSR beschäftigt haben?

Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass es bei CSR nicht um Philanthropie geht. CSR ist bei uns aus Überzeugung ein wichtiges Thema, eine Herzensangelegenheit. Sie findet auch in unserem ureigenen Inter­esse statt, denn wir tragen Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt. Nur wer für seine Mitarbei­ter sorgt, hat im Wettbewerb um Aufträge und die besten Köpfe auch zukünftig gute Karten. So erklärt sich auch, dass das Thema aktuell immer populärer wird.

 

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