Kontrolle abgeben Wie Sie sich als Chef überflüssig machen

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Fürs Chefs ist es hilfreich, wenn sie Kontrolle abgeben können. Denn wer sogar das Laubkehren vor der Firma selbst übernimmt, hat weniger Zeit für wichtigere Aufgaben.

Fürs Chefs ist es hilfreich, wenn sie Kontrolle abgeben können. Denn wer sogar das Laubkehren vor der Firma selbst übernimmt, hat weniger Zeit für wichtigere Aufgaben.© Kathrin39 - Fotolia.com

Kontrolle abgeben - das ist für viele Chefs nicht leicht, aber gut fürs Geschäft. Vier Denkanstöße von der impulse-Konferenz "Aus Fehlern lernen".

Packen Sie stets mit an? Arbeiten Sie bis in die Nacht? Kehren Sie vielleicht sogar das Laub vor der Firma selbst und suchen die Briefumschläge aus? Kontrolle abgeben, loslassen, delegieren – das klingt einfach, ist im Tagesgeschäft aber häufig schwierig.

Diese vier konkreten Beispiele, die Unternehmer und Coachs aus ihrem Alltag auf der impulse-Konferenz „Aus Fehlern lernen“ berichtet haben, helfen Ihnen bei der Umsetzung.

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Lassen Sie Ihre Mitarbeiter teilhaben am großen Ganzen

Termin nach Termin einfach abarbeiten – so waren es die Mitarbeiter gewohnt, als Christoph Unger 2008 den Handwerksbetrieb Pulvermüller übernahm. Unger trimmte die Prozesse auf Effizienz, der Gewinn stieg, doch die Mitarbeiter murrten. Viele kamen unmotiviert zur Arbeit und machten aus Nachlässigkeit Fehler beim Einbau von neuen Bädern und Heizungen. Die Handwerker konnten nicht nachvollziehen, warum ein Kunde besonders wichtig war oder ein Auftrag dringlich – und sie konnten nicht erkennen, wie sich ihre Handgriffe zu einem Gesamtbild fügten. Zugleich war Unger völlig überlastet, da er Auftragsplanung und Kommunikation mit den Kunden erledigte.

Er wagte einen radikalen Schnitt: Seit 2014 teilen sich die Mitarbeiter eigenständig Aufgaben zu. Einmal in der Woche trifft sich das Team und bespricht, wer welche Aufgabe übernimmt. Verantwortungen und Zeitpläne werden dabei klar festgelegt. Keiner kann sich mit unklaren Einsatzplänen herausreden oder mit Sätzen wie: „Woher soll ich denn wissen, dass der Auftrag dringlich ist?“

Beurteilen Sie das Ergebnis, nicht den Weg zum Ziel

Häufig lassen Chefs ihre Mitarbeiter eine Aufgabe gar nicht zu Ende führen, bevor sie eingreifen. Machen Sie sich bewusst: Es gibt immer verschiedene Wege zum Ziel. Denken Sie nur einmal daran, wie Sie ein Bild an die Wand hängen. Der eine misst erst mit der Wasserwaage nach und markiert die Ecken, der nächste schlägt sofort einen Nagel in die Wand und korrigiert nach. In beiden Fällen kann das Bild hinterher gerade und ordentlich hängen.

Das gilt auch fürs Unternehmen: Messen Sie das Ergebnis und nicht den Weg Ihrer Mitarbeiter oder Partner zum Ziel. Wichtig dabei: Sie müssen Ihre Erwartungen ganz klar formulieren. Welche zehn Punkte muss ein Produkt oder eine Dienstleistung erfüllen, damit Sie mit dem Ergebnis rundum zufrieden sind?

Ist ein Fehler wirklich so schlimm?

Aufgaben abzugeben, bedeutet auch Kontrolle abzugeben, sagt Peter Brandl. Der Autor und  Kommunikationsexperte war früher als Berufspilot und Fluglehrer tätig. Damals stellte er fest, dass seine Flugschüler 70 Stunden bis zu ihrem ersten Alleinflug benötigen, bei anderen Fluglehrern waren es nur 50 Stunden. Irgendwann überlegte er, das könne nicht nur an seinen Schülern liegen, und analysierte seinen eigenen Beitrag.

Das Problem: Statt seine Schützlinge alleine fliegen zu lassen, griff Brandl häufig sanft ein, wenn das Flugzeug zu weit links oder zu steil in den Landeanflug ging. „Die Schüler dachten allerdings hinterher, sie wären allein gelandet“, sagt Brandl. Der Lerneffekt: gleich Null.

Aus dieser Erfahrung leitete er zwei Fragen ab, die sich auch aufs Unternehmertum übertragen lassen. Erstens: Ist ein Fehler lebensbedrohlich? Und zweitens: Ist der Fehler so arg, dass das Flugzeug beschädigt werden könnte? Wenn Brandl beide Fragen mit Nein beantworten konnte, ließ er seine Flugschüler fortan den Fehler machen. Ergebnis: Mehr als drei Versuche brauchte kaum ein Schüler bis zur perfekten Landung.

Eine Checkliste ist nur so lange gut, bis es eine bessere Liste gibt

Viele Fehler schleichen sich in Routinesituationen ein. Sie oder ein Mitarbeiter haben einen Handgriff schon einhundert Mal gemacht, sind unkonzentriert – und schon geht es beim hundertundersten Mal daneben. Checklisten helfen in solchen Standardsituationen. Wichtig: Überarbeiten Sie Ihre Liste, wenn Sie neue Erkenntnisse gewinnen.

Der nächste Schritt kann ein Firmen-Wiki sein, in dem Sie und Ihre Mitarbeiter alle Erkenntnisse, Standards und Learnings ablegen. Eine solche Wissensdatenbank führt etwa gerade Ralf Steinhoff, Geschäftsführer eines Friseurladens mit 17 Angestellten in Reutlingen, ein. Ist eine Blondierung nicht wunschgemäß oder besonders gut gelungen, notiert sein Team, unter welchen Bedingungen dieser Fall eingetreten ist. Jeder Fehler wird so dokumentiert – und beim nächsten Mal vermieden.

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