Krise im Start-up „Verdammt, sind wir pleite?“

  • INSIDER
Erfolg, Krise, neuer Mut: Wer ein Start-up gründet, durchlebt eine Gefühlsachterbahn.

Erfolg, Krise, neuer Mut: Wer ein Start-up gründet, durchlebt eine Gefühlsachterbahn.© bastos / fotolia

Eine Gründung ist eine Gefühlsachterbahn, vom Luftschloss auf den Boden der Tatsachen und wieder hinauf. Anna Yona über die bisher größte Krise in ihrem Start-up - und wie sie sie meisterte.

Wer kennt sie nicht, diese lustigen Graphen, die das Leben eines Unternehmers beschreiben? Von „Juchu, wir sind die besten!“ geht es da im täglichen Wechsel über „Mist!“ und „Ja, das hat geklappt!“ bis hin zu „Verdammt, ich bin pleite“ und hoffentlich doch nochmal zu „Sekt!“

Keiner sagt einem, wie verdammt nahe einem diese Höhen und Tiefen gehen können und wie verletzlich man dabei ist. Auf dieser Achterbahnfahrt der Gefühle kann man gesamtmenschlich schon mal durchgeschüttelt werden.

Anzeige

Der Crowdfunding-Höhenflug

Im letzten Sommer haben wir unser Produkt – einen Schuh, mit dem Kinder immer und überall laufen können wie barfuß – erstmals bei einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne vorgestellt. Es lief, im wahrsten Sinne des Wortes: Wir haben genug Geld eingesammelt, um 2000 erste Paare ordern zu können.

Natürlich kamen die Schuhe mit typischer Lieferverzögerung (Mist!), aber schließlich waren sie da und konnten ausgeliefert werden. Ein Moment, vor dem man als CEO der Luftschloss GmbH, die bis dahin nur ein Phantasieprodukt verantworten musste, furchtbar bangt.

Aber: Die Schuhe sahen toll aus, fühlten sich toll an – unsere Kunden waren begeistert.

“Juchu – wir sind die Besten!”

Und dann der Super-Gau

Lange hatten wir nach einem umweltfreundlichen, wasserbasierten Kleber gesucht. Hatten all unsere Materialien noch einmal unabhängig testen lassen – unter anderem auf deren Reib- und Farbechtheit.

Und dann reagiert der Kleber im Schuh mit einem der Materialien und löst dessen Farbpigmente heraus. Toller Batikeffekt –  leider komplett fehl am Platz. Und 60.000 Euro Warenwert – komplett für die Katz.

„Verdammt, wir sind pleite!“

Glücklicherweise kommt nach der ersten Hysterie der Galgenhumor. Der hilft, die Dinge wieder etwas nüchterner zu betrachten. Ein schneller Anruf beim Hersteller in Portugal konnte 1000 Paar retten, die noch geliefert werden sollten.

Wie die Kunden reagierten

Bei den verbleibenden 1000 Paar, die ja bereits gekauft und teilweise geliefert worden waren, haben wir unsere Kunden entscheiden lassen. Dabei ist eine offene, ehrliche Kommunikation nicht zu unterschätzen. Vor allem Plattformen wie Facebook ermöglichen einen direkten und spontanen Austausch auf Augenhöhe und rücken manches wieder in Perspektive.

Herrliche Kommentare wie die folgenden zeigen uns, dass wir einen wunderbaren Kundenkreis haben, und dass nichts so schlimm ist, dass es nicht noch für einen Lacher gut wäre. Die Reaktionen reichten von:

“Ach, ist doch prima. Lila Füße passen doch perfekt zu gelben Senkeln”

über

“Dann geh ich jetzt mal schwarze Socken kaufen”

bis hin zu

“Das Leben färbt ab. Lasst euch nicht unterkriegen. Kopf hoch, und dann wieder runter – immer auf die schönen Schuhe schauen!”

Es geht weiter!

Viele unserer Kunden haben die Schuhe behalten wollen und dafür einen dicken Gutschein für den nächsten Einkauf erhalten. Andere haben in ein künftiges Modell umgetauscht. Die verstoßenen Paare warten jetzt zum Sonderpreis auf jemanden, der sie trotz der Farbeffekte adoptiert.

De facto beträgt der Schaden vielleicht noch 10.000 Euro. Eine Stange Lehrgeld, aber immerhin können wir weiterschwimmen. Falls Mangelpaare übrig bleiben, gehen die zum Selbstkostenpreis als Hausschuhe nach Russland.

„Sekt!“

5 Lehren aus der Krise

1. Testexemplare produzieren (lassen)
Erste Testläufe nach Möglichkeit auf eine schmerzfreie Anzahl begrenzen – große Vorbestellungen nur für die zweite Charge (oder eine zeitlich etwas versetzte Produktion) annehmen.

2. Offen kommunizieren
Kommunikation nicht unterschätzen. Eine offene, ehrliche Kommunikation mit den Kunden kann viel retten, vor allem wenn eine gute Basis für Vertrauen und Sympathie geschaffen wurde.

3. Social Media nutzen
Facebook kann in schwierigen Momenten der Horror sein, bietet aber auch unheimlich große Chancen, direkt, spontan und auf sehr persönliche Art Probleme zu kommunizieren und mit Hilfe der Followergemeinde zu lösen.

4. Kunden einbeziehen
Nobody is perfect. Kunden und Follower nach Möglichkeit am Entwicklungsprozess teilhaben lassen, dann kann man auch darauf hoffen, dass sie einem Anfängerfehler und Rückschläge verzeihen.

5. Humor bewahren
Es geht (meistens) irgendwie weiter. Galgenhumor hilft, um die schlimmste Krise zu überwinden – danach sprudeln die Lösungsansätze.

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.